Die Welt ein wenig besser machen
19.03.2026 PolitikAndrea Heger, Gemeindepräsidentin und Landrätin EVP, Hölstein
Die Vereinten Nationen haben 2026 zum «Internationalen Jahr der Freiwilligen» ausgerufen. Für einmal wird ins Scheinwerferlicht gestellt, was Freiwillige Tag für Tag und ...
Andrea Heger, Gemeindepräsidentin und Landrätin EVP, Hölstein
Die Vereinten Nationen haben 2026 zum «Internationalen Jahr der Freiwilligen» ausgerufen. Für einmal wird ins Scheinwerferlicht gestellt, was Freiwillige Tag für Tag und oft im Verborgenen leisten. Die Freiwilligenarbeit als Kraft für Nachhaltigkeit und sozialen Zusammenhalt und Millionen Menschen, die sich unbezahlt für andere einsetzen, sollen gewürdigt werden. Freiwillige engagieren sich auf unterschiedliche Weisen: Sie begleiten Menschen zur Ärztin oder zum Coiffeur, helfen beim Einkaufen, bei Informatikfragen, leisten Fahrdienste, unterstützen Familien, besuchen Menschen mit wenig Sozialkontakt, und setzen sich für die Umwelt, Kultur und Integration ein.
Schweizweit werden rund 590 Millionen Stunden Freiwilligenarbeit pro Jahr geleistet. Das entspricht etwa 330 000 Vollzeitstellen. Das Rote Kreuz beziffert die Stunden gar auf mehr als 650 Millionen mit einem Gegenwert von rund 34 Milliarden Franken. So oder so: Ein enormer gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Wert, der oft still und leise erbracht wird! Auch bei uns im Baselbiet.
Eine Studie der FHNW zeigte beispielsweise, dass Kirchen zu den wichtigsten sozialen Playern gehören. Als «soziale Leistungen» wurden jene Angebote definiert, welche die Landeskirchen ohne Leistungs- auftrag und zusätzlich zu Gottesdiensten, Taufen, Beerdigungen und so weiter erbringen. Im Jahr 2021 ergaben sich hochgerechnet rund 2326 soziale Angebote für verschiedenste Zielgruppen und Zwecke. Mit Angestellten alleine wäre so ein vielfältiges Angebot nie und nimmer leistbar. Freiwillige wie auch ehren- und nebenamtlich Tätige erleichtern unser aller Alltag. Ohne sie wäre die Schweiz und «s Baselbiet» mit unseren Städtchen und Dörfern nicht, was wir sind. Ich denke da beispielsweise an den innovativen Hölsteiner Frauenverein oder den Seniorenverein Waldenburgertal, deren Tätigkeiten ich als Gemeinderätin beide schon erleben und verdanken durfte.
In der Schweiz ist das Milizsystem ein zentrales Organisationsprinzip, bei dem öffentliche Aufgaben neben- oder ehrenamtlich ausgeübt werden.
«Das Milizsystem ist enorm wichtig für den Zusammenhalt unseres Landes. Denn es ermöglicht den Brückenschlag zwischen beruflicher Praxis und politischer Verantwortung. Damit fördert es seit Jahrzehnten das gegenseitige Verständnis zwi- schen Politik, Gesellschaft und Unternehmen und ermöglicht einen wertvollen Wissenstransfer. Direkt und indirekt hat es massgeblich zum heutigen Wohlstand, zum relativ schlanken Staat und zu den guten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen beigetragen», schreibt der Schweizerische Gemeindeverband.
Das Internationale Jahr der Freiwilligen erinnert uns daran, dass derlei Engagements keinesfalls selbstverständlich sind. Sie benötigen Pflege und Stärkung. Gleichzeitig eröffnen sie neue Horizonte, bieten einzigartige Lernfelder und sinnerfülltes Mitgestalten. So wirbt eine Plattform für Freiwilligenarbeit: «Für alle, die etwas bewirken wollen. Alle Freiwilligen machen die Welt ein wenig besser.» Der Titel wird Programm. Hoffentlich. Ich glaube daran.
In der «Carte blanche» äussern sich Oberbaselbieter National- und Landratsmitglieder sowie Vertreterinnen und Vertreter der Gemeindebehörden zu einem selbst gewählten Thema.

