«Die Wasserfallen sind einfach schön»
23.06.2026 ReigoldswilFeierlicher Abschluss des Projekts «Aufwertung Wasserfallen»
Auf den Wasserfallen ist ein Naturund Landschaftsprojekt nach vier Jahren erfolgreich zu Ende gegangen. Dank umfangreicher Massnahmen konnte die Biodiversität im Naherholungsgebiet gestärkt werden. Das ...
Feierlicher Abschluss des Projekts «Aufwertung Wasserfallen»
Auf den Wasserfallen ist ein Naturund Landschaftsprojekt nach vier Jahren erfolgreich zu Ende gegangen. Dank umfangreicher Massnahmen konnte die Biodiversität im Naherholungsgebiet gestärkt werden. Das Erreichte will man nun langfristig sichern.
André Frauchiger
Es gab fröhliche Gesichter am vergangenen Samstag auf den Wasserfallen: Die Projektleitung, die Stiftung Wasserfallen, die Pächterfamilie des dieser Stiftung gehörenden Wasserfallenhofs sowie die Stiftung Luftseilbahn Reigoldswil-Wasserfallen zeigten sich am Abschlusstag des seit dem Jahr 2022 laufenden Aufwertungsprojekts der vielgestaltigen Kulturlandschaft Wasserfallen sehr zufrieden. Und das, obwohl offen eingeräumt wurde, dass einzelne kleinere Teilprojekte (noch) nicht realisiert werden konnten. Es sei aber gelungen, die wesentlichen Naturschutzziele zu erreichen und die heute ausserordentlich hohe Biodiversität nach Kräften zu fördern.
Das mit der Luftseilbahn von Reigoldswil her erschlossene Gebiet zwischen Reigoldswil, Ziefen, Waldenburg und Mümliswil ist als Naherholungszone in der Bevölkerung sehr beliebt. Jährlich können rund 80 000 Besucherinnen und Besucher gezählt werden. Die Kosten für das Aufwertungsprojekt beliefen sich auf 702 000 Franken. Für die Finanzierung sorgten die Swisslos-Fonds von Baselland und Basel-Stadt, verschiedenste Stiftungen sowie angrenzende Gemeinden und Organisationen.
Das im Faltenjura gelegene Projektgebiet für die seit vier Jahren laufende Aufwertung umfasst eine Fläche von rund 150 Hektaren – ein Gemisch aus Wald, Gebüsch, Wiese, Weiden und Fels. Die zahlreichen Massnahmen des Projekts zielen laut Schlussbericht der Stiftung Wasserfallen auf Wirkung ab, und zwar auf Biodiversität, auf Landschaftsebene und auf Ebene der Besucherinnen und Besucher. Dabei wird festgehalten, dass die «volle Wirkung der Massnahmen erst in ein paar Jahren messbar» sein werde. Die Natur brauche ihre Zeit zur Entwicklung.
Prüfung im Gange
Bereits heute laufen laut Stiftung verschiedene Monitoringprogramme im Projektgebiet, etwa die Zählung ausgewählter Tagfalter und Widderchen. Auf Solothurner Seite ist im an die Wasserfallen angrenzenden Naturschutzgebiet Thal bereits ein Mehrjahresprogramm namens «Natur und Landschaft Solothurn» im Gang.
Selbst dort, wo im Rahmen des Projekts auf der Wasserfallen grosse Baumstämme zum Auslichten des Waldrands mit einer kleinen Seilbahn über Magerwiesen zum Transportfahrzeug gezogen werden mussten, sind innert zwei Jahren die seltenen Pflanzen wieder nachgewachsen, ohne dass künstlich nachgeholfen werden musste. Die Wurzeln der Pflanzen überstanden die Last der über den Boden geschleiften Baumstämme. Dies bedeutet, dass die Natur eine gewisse Robustheit hat, aber beim Pflanzen und Schonen immer Fingerspitzengefühl und Augenmass gefragt sind. Die Pflanzen auf einer Magerwiese reagieren zum Beispiel unterschiedlich auf grasende Tiere. Es gilt zu beachten, welche Kuhrasse, welche Ziegen und Schafe auf eine Weide gelassen werden.
Die Massnahmen des Aufwertungsprojekts umfassten eine optimierte Pflege auf 9,2 Hektaren Wiesenschnitt, auf rund 9 Hektaren Weide, Heckenpflege auf 250 Laufmetern, gestufte Waldränder auf rund 1,4 Kilometer Länge sowie lichte Wälder auf rund 5,45 Hektaren. Wichtig waren auch Spezialmassnahmen wie neue Schilder und Signalisationen für eine klare, informative Besucherlenkung sowie die Renovation zweier Feuerstellen zur Besucherkonzentration.
Die Stiftung Wasserfallen erklärt, das Projekt Wasserfallen sei erfolgreich verlaufen. Lukas Merkelbach, Naturschutzbiologe und Projektleiter der Stiftung, unterstrich die heutige Vielfalt an seltenen Pflanzen und Tieren, die auf den Wasserfallen vorkommen. Er erwähnte unter anderem elf Distelarten, die zum Teil in der Schweiz einzigartig sind. Bei den Vogelarten nannte er den Baumpieper und den Gartenrotschwanz und bei den Tagfaltern und Widderchen das Bergkronwickenwidderchen und den Grossen Thymianbläuling.
Jetzt hegen und pflegen
Ein gesunder Ausgleich zwischen Ökonomie und Ökologie sei in der Landschaftsbetreuung von grösster Bedeutung, betonten Lukas Merkelbach und der langjährige Pächter des Wasserfallenhofs, Bauer Heinz Räuftlin, auf dem ausgedehnten Rundgang vom vergangenen Samstag. Eine grosse Rolle habe in der Umsetzung der gezielten Massnahmen in den vergangenen vier Jahren das oft unbeständige Wetter gespielt. Und eines stehe fest: Ohne die bisherigen Direktzahlungen des Bundes könnten die Anliegen und Notwendigkeiten der Biodiversität nicht umgesetzt werden.
Lukas Merkelbach ist bezüglich Biodiversität auf den Wasserfallen überzeugt: «Es ist sehr viel besser geworden. Das Gebiet Wasserfallen ist heute natürlich und harmonisch – einfach schön.» Es lebe von der Sorgfalt und der Detailarbeit für die Aufwertung des Gebiets. Eine fachliche Begleitgruppe begleitete das Projekt. Sie bestand aus Vertretungen von Fachstellen für Natur und Landschaft und Wald aus den Kantonen Baselland und Solothurn. Ebenso vertreten waren der Naturpark Thal, Pro Natura, «Bird-Life Schweiz» und Revierförster.
In den nächsten Jahren geht es nun darum, das Erreichte zu pflegen und zu hegen. Die Vertretung der Stiftung Wasserfallen, Präsident Hans-Rudolf Suttern und Geschäftsführerin Dorothée Dyck-Baumann, schlossen die Möglichkeit eines Anschlussprojekts nicht aus. Rudolf Mohler, langjähriger Präsident der Stiftung Luftseilbahn Reigoldswil-Wasserfallen, wird in nächster Zeit zurücktreten, wie er bekanntgab. Seine Nachfolge wird Simon Dürrenberger, langjähriger Stiftungsrat, antreten.


