«Die Versorgung ist gewährleistet»
17.04.2026 SchweizBislang müssen die Pflichtlager für Treibstoffe nicht angezapft werden
Angesichts der Lage im Nahen Osten und der Blockade der Strasse von Hormus wächst die Sorge vor einer Mangellage bei Mineralölprodukten. Roland Pfister, Delegierter des Bundes für ...
Bislang müssen die Pflichtlager für Treibstoffe nicht angezapft werden
Angesichts der Lage im Nahen Osten und der Blockade der Strasse von Hormus wächst die Sorge vor einer Mangellage bei Mineralölprodukten. Roland Pfister, Delegierter des Bundes für wirtschaftliche Landesversorgung, nimmt Stellung.
Paul Aenishänslin
Herr Pfister, die Schweiz als Land ohne Förderung verfügt über Pflichtlager für Mineralölprodukte. Wie lange reichen sie? Roland Pfister: In den Pflichtlagern hat es rund 2,3 Milliarden Liter Benzin und Dieselöl, rund 1,37 Milliarden Liter Heizöl sowie rund 0,38 Milliarden Liter Flugpetrol. Die Bedarfsdeckung bei Benzin, Dieselöl und Heizöl beträgt 4,5 Monate, bei Flugpetrol 3 Monate.
Wer hält diese Pflichtlager?
Der Bund besitzt keine Pflichtlager. Sie sind im Eigentum der mit den Produkten handelnden Unternehmen. Diese werden durch die Pflichtlagerorganisationen Carbura gegenüber dem Bund vertreten. Pflichtlager gibt es beispielsweise in den Rheinhäfen beider Basel.
Besteht momentan eine normale Versorgungslage oder ist es in einzelnen Regionen der Schweiz schon zu Engpässen gekommen?
Die Versorgung des Landes mit allen Mineralölprodukten ist derzeit gewährleistet: Die Waren sind für den Schweizer Markt verfügbar, und alle Verkehrsträger können für den Import der Mineralölprodukte genutzt werden. Unter der Annahme, dass die bestellten Mengen eintreffen, ist die Versorgung der Schweiz voraussichtlich bis Ende April gesichert.
Hat der Bundesrat beschlossen, Pflichtlager für einzelne Sorten wie Benzin freizugeben? Oder ist dieser Schritt demnächst geplant?
Solange die Versorgung bei allen Mineralölprodukten sichergestellt ist, werden keine Pflichtlager freigegeben. Die Lager kommen dann zum Einsatz, wenn die Wirtschaft nicht mehr in der Lage wäre, den Markt mit Mineralölprodukten zu versorgen.
Was kann über die momentane Preissituation im historischen Vergleich gesagt werden?
Die wirtschaftliche Landesversorgung hat den gesetzlichen Auftrag, dann einzugreifen, wenn bei lebenswichtigen Gütern oder Dienstleistungen eine
Mangellage vorliegt. Sie hat keine Handhabe, um Einfluss auf die Preisentwicklung zu nehmen oder dazu Stellung zu beziehen. Generell lässt sich feststellen, dass die anhaltende Dauer des Krieges im Nahen Osten zu einem Anstieg der Preise für Mineralölprodukte führt.
Ist eine Knappheit von Erdölprodukten in der Schweiz dank der Pflichtlager nahezu ausgeschlossen?
Die konkreten Auswirkungen auf die Energieversorgung in Europa und der Schweiz hängen von der Dauer des Konflikts im Nahen Osten, vom Ausmass allfälliger Schäden an kritischen Energieinfrastrukturen sowie von der Dauer der Einschränkungen im Schiffsverkehr durch die Strasse von Hormus ab. Die Akteure der wirtschaftlichen Landesversorgung beobachten die Situation.
Was wären Massnahmen, wenn sich der Iran-Krieg nicht beruhigt?
Der Bund kann, falls nötig, Pflichtlager freigeben. Diese decken den nationalen Bedarf von 3,0 bis 4,5 Monaten ab; bei partiellen Versorgungsengpässen entsprechend länger. Der Bundesrat kann auch Massnahmen einführen, welche die Nachfrage betreffen. Zu diesen gehören Aufrufe zum freiwilligen Energiesparen, zum sparsamen Fahren oder zum Umsteigen auf öffentlichen Verkehr. Auch kann er weitergehende Massnahmen wie zum Beispiel Temporeduktionen verordnen. Weitere Massnahmen sind je nach Situation möglich.
Zur Person
pae. Dr. Roland Pfister (1977) ist seit 2025 Delegierter des Bundes für wirtschaftliche Landesversorgung. Als erfahrener Krisenmanager und Führungsexperte aus Industrie und Militär kennt er die unterschiedlichen Anforderungen des öffentlichen und des privaten Sektors. Er verfügt über Expertise in der sektorübergreifenden Kommunikation, im Krisenmanagement und in der Lösung komplexer Probleme.
Drittwichtigster Kanton
pae.Im Rahmen der wirtschaftlichen Landesversorgung spielt der Kanton Baselland eine wichtige Rolle bei der Lagerung von flüssigen Treib- und Brennstoffen. Laut der Statistik der Pflichtlagerorganisation Carbura (Ende 2024) ist Baselland mit 778 000 m³ Lagerkapazität der drittwichtigste Kanton – nach St. Gallen (861 000 m³) und Luzern (848 000 m³) – bei einer gesamtschweizerischen Kapazität von 6,6 Millionen Kubikmetern. Für Basel-Stadt werden keine Tanklager mehr ausgewiesen. Wie Daniel Weber, Geschäftsführer der Tanklager Auhafen AG (TAU), erklärt, gibt es im Baselbiet zwei Tanklager: eines in Birsfelden (Varo Tankstorage AG) und eines im Auhafen. Letzteres verfügt über 530 000 m³ Kapazität, rund ein Zwölftel der Schweizer Gesamtkapazität. Über den Rhein gelangen 25 bis 30 Prozent der Importe in die Schweiz. Die gelagerten Produkte gehören den Importeuren und werden per Bahn und Lastwagen verteilt. Angesichts hoher und volatiler Preise halten sich die Importeure derzeit zurück. Die Nachfrage ist gedämpft, auch weil Konsumenten weniger beziehen, so Weber. Eine Entspannung im Nahostkonflikt könnte die Preise senken und die Nachfrage sowie die Lageraktivität wieder erhöhen.

