Die vergessene Burg erwacht zu neuem Leben
14.08.2026 FüllinsdorfDokumentarfilm über die Ruine Altenberg
Nur rund 80 Jahre war die Burg auf dem Altenberg bei Füllinsdorf bewohnt. Gerade deshalb gilt sie als einzigartiges Zeugnis des frühen Burgenbaus. Ein neuer Dokumentarfilm zeigt die Ruine aus ungewohnter Perspektive und zeigt, wie ...
Dokumentarfilm über die Ruine Altenberg
Nur rund 80 Jahre war die Burg auf dem Altenberg bei Füllinsdorf bewohnt. Gerade deshalb gilt sie als einzigartiges Zeugnis des frühen Burgenbaus. Ein neuer Dokumentarfilm zeigt die Ruine aus ungewohnter Perspektive und zeigt, wie eindrücklich die Anlage einst gewesen sein muss.
Daniel Aenishänslin
Dieser Turm hoch über Füllinsdorf muss weithin sichtbar gewesen sein. Vom Altenberg aus dominierte er die Landschaft und schien zu verkünden: «Hier oben sitzen wir, der Adel, und alles, was ihr dort unten seht, gehört uns.» Eine Burg, deren ursprünglichen Namen niemand kennt. Zwischen 1000 und 1080 lebten hier Menschen. Nur rund 80 Jahre lang. Gerade das macht sie für den Kantonsarchäologen Reto Marti so besonders: «Es ist eine Burg in ihrer Urform.» Eine authentische Anlage. Während viele Burgen über Jahrhunderte umgebaut und erweitert wurden, blieb diese weitgehend unverändert.
Von der Burg sind heute die Umfassungsmauern und der Turm erhalten. Bis zu zwei Meter dick sind die Mauern, jede Etage des Turms umfasste rund 135 Quadratmeter. Davor lag ein 35 Meter langer Burghof. Wie eindrücklich diese Anlage einst war, zeigt Gregor Bächis Dokumentarfilm «Burg Altenberg – vergessene Burg des Hochmittelalters».
Eindrücklich sind die Bilder aus der Vogelperspektive. «Geht es um historische Stätten, sind Aufnahmen aus der Luft immer ein Zugewinn», sagt Gregor Bächi. Nur so lasse sich die ganze Dimension einer Burganlage erfassen. Der 48-jährige Filmemacher aus dem Zürcher Weinland hat bereits die Ödenburg in Wenslingen, die Burg Scheidegg in Gelterkinden und das Reinacher Skelett aus der Bronzezeit dokumentiert. Auch am Altenberg drehte er im Büechlihau einen Film über den grössten Keltenschatz der Schweiz. Seine «Youtube»-Reihe «History – Travel – Nature» umfasst rund 30 Dokumentarfilme.
Man liess es sich gut gehen
Die Burgruine wurde im Jahr 1982 entdeckt und 1987 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Funde zeugen vom Wohlstand ihrer Bewohner. Während sich die meisten Menschen im Tal als Bauern von Getreide und Gemüse ernährten, speiste der Adel auf Altenberg Fleisch von jungen Schweinen, Kälbern und Lämmern, dazu Wild, Fisch und sogar importierte Heringe. Wie der Salzwasserhering um das Jahr 1000 ins Baselbiet gelangte, bleibt ein Rätsel.
Glasfenster, Schmuck, kunstvoll verzierte Spielsteine und hochwertige Waffen zeugen vom Wohlstand der Burgbewohner. Selbst Schwitzbäder gehörten offenbar zur Ausstattung. Ein Luxus, den man auf einer Burg aus dieser frühen Zeit kaum erwarten würde.
Wer genau hier lebte, weiss bis heute niemand mit Sicherheit. Schriftliche Quellen fehlen. Aufgrund der kostbaren Funde vermutet Kantonsarchäologe Reto Marti jedoch, dass die Burg zum Herrschaftsumfeld Rudolfs von Rheinfelden gehörte. Er war einer der mächtigsten Fürsten seiner Zeit.
Der künstlich aufgeschüttete Hügel vor der Burg erinnert absichtlich an die Anfänge des Burgenbaus. Solche Anlagen entstanden zunächst in den Siedlungen. «Mit der Zeit», erzählt Kantonsarchäologe Reto Marti, «stellte man die Türme auf künstlich aufgeschüttete Hügel, weil Palisaden allein keinen ausreichenden Schutz mehr boten. Ein bekanntes Beispiel ist der Büchel in Zunzgen.»
«Frondienst»
Filmemacher Gregor Bächi beschreibt, was ihn antreibt: «Ich will die Geschichten historischer Orte erzählen, die kaum jemand kennt.» Archäologie und Geschichte hätten ihn schon immer fasziniert. Gleichzeitig habe ihn gestört, dass es über Burgen und archäologische Fundstätten der Schweiz nur wenige hochwertige Filme gebe. Diese Lücke will er schliessen.
Bächi recherchiert, dreht, schneidet und spricht auch die Off-Texte selbst ein. Seine Filme entstehen in der Freizeit. «Frondienst», sagt er augenzwinkernd. Den Anstoss für den Film gab Gregor Bächi. «Wir suchen solche Kooperationen gezielt, wenn es um innovative Formen der Vermittlung geht», sagt Kantonsarchäologe Reto Marti. «Uns fehlen dafür schlicht die Ressourcen und das Know-how.»
Wer heute durch die Ruine auf dem Altenberg geht, sieht vor allem Mauerreste. Der Film macht daraus wieder eine Burg. Und er zeigt, weshalb dieser geschichtsträchtige Ort zu den spannendsten Zeugen des frühesten Burgenbaus in der Schweiz gehört.
Der Film ist verfügbar auf www.youtube.com/watch?v=IXeKx4Hlrzg



