Die Tunnelsperrung betrifft uns alle
24.09.2026 OrmalingenDario Rigo, Landrat «Mitte», Ormalingen
Wenn ich von Ormalingen Richtung Liestal unterwegs bin, entscheide ich je nach Tagesplan flexibel. Mal fahre ich mit dem Auto durch den Chienbergtunnel, mal nehme ich den Bus nach Gelterkinden und von dort den Zug. Bei ...
Dario Rigo, Landrat «Mitte», Ormalingen
Wenn ich von Ormalingen Richtung Liestal unterwegs bin, entscheide ich je nach Tagesplan flexibel. Mal fahre ich mit dem Auto durch den Chienbergtunnel, mal nehme ich den Bus nach Gelterkinden und von dort den Zug. Bei schönem Wetter schwinge ich mich auch gerne aufs Velo. Hauptsache, ich komme sicher und pünktlich ans Ziel. Was heute meist reibungslos funktioniert, könnte in ein paar Jahren zur Geduldsprobe werden.
Dann steht nämlich die Sanierung des Chienbergtunnels an. Die Geologie im Chienberg hat es bekanntlich in sich und ist ein wesentlicher Grund für die notwendigen Arbeiten. Geht die Umfahrung für mehrere Monate – möglicherweise ein halbes Jahr – oder länger zu, muss sich der Verkehr neu verteilen. Täglich passieren heute rund 20 000 Fahrzeuge den Tunnel. Ein Teil davon wird wieder durch Sissach fahren, andere werden sich neue Wege über die Höhen suchen. Wer die Verkehrssituation kennt, kann sich vorstellen, was das für unsere Region bedeutet. Die Auswirkungen werden wir alle zu spüren bekommen – egal, ob im Auto, Bus, auf dem Velo oder zu Fuss. Die Busse dürfen nicht im Stau stecken bleiben, Schulwege und Velostreifen müssen sicher bleiben und unser Gewerbe ist auf funktionierende Strassen angewiesen.
Noch bleibt Zeit. Doch wer mitreden und mitgestalten will, darf nicht warten, bis der Vorschlag des Kantons auf dem Tisch liegt. Denn auch vorläufige Pläne lassen sich später nur schwer ändern. Dass man sich bei solchen Planungen gar nicht früh genug einbringen kann, zeigen die Debatten rund um den Bus 102 nach Gelterkinden und um die Bushaltestelle beim Bahnhof Tecknau. In beiden Fällen haben sich die betroffenen Gemeinden vergeblich für Anpassungen eingesetzt, nachdem die grundlegenden Konzepte bereits feststanden. Das sollten wir bei der Tunnelsanierung vor Augen haben.
Denn hier geht es nicht nur um einzelne Verbindungen und Haltestellen, sondern um die Erreichbarkeit grosser Teile des Oberbaselbiets. Noch ist vieles offen. Während der Sperrung könnte sich der Verkehr teilweise andere Wege suchen, etwa Richtung Norden über Rickenbach, Wintersingen, Nusshof, Buus und Maisprach. Umso wichtiger ist es, frühzeitig zu klären, wie wir unsere Verkehrswege vor Überlastung schützen, die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmenden gewährleisten und mit einem gut funktionierenden öV die Strassen entlasten können.
Dass der Tunnel saniert werden muss, ist unbestritten. Entscheidend ist, dass der Kanton und unsere Region von Anfang an zusammenarbeiten und alle Betroffenen einbezogen werden. Eltern von Schulkindern, Pendler und die Bevölkerung entlang möglicher Ausweichrouten kennen die Verhältnisse vor Ort. Sie wissen am besten, was für sie zumutbar ist, welche Alternativen infrage kommen und wo die Grenzen liegen. Diese Erfahrungen und Anliegen gehören frühzeitig in die Planung, bevor weitreichende Vorentscheide getroffen werden.
Heute dauert die Fahrt durch den Chienbergtunnel wenige Minuten. Wie stark Sissach und unsere Dörfer während der Sanierung belastet werden, ist noch offen. Bringen wir uns rechtzeitig ein, bevor die Umleitungsschilder stehen.
In der «Carte blanche» äussern sich Oberbaselbieter National- und Landratsmitglieder sowie Vertreterinnen und Vertreter der Gemeindebehörden zu einem selbst gewählten Thema.

