Herr Schmid, Was gab den Anstoss, die Wanderausstellung «Ich bin einfach niemand gewesen – Fürsorge und Zwang in der Schweiz» nach Liestal zu holen?
Pit Schmid: Das Ausstellungsteam aus Aarau suchte nach möglichen Standorten und ist auf das ...
Herr Schmid, Was gab den Anstoss, die Wanderausstellung «Ich bin einfach niemand gewesen – Fürsorge und Zwang in der Schweiz» nach Liestal zu holen?
Pit Schmid: Das Ausstellungsteam aus Aarau suchte nach möglichen Standorten und ist auf das Museum.BL zugekommen. Wir waren uns schnell einig, dass wir diese Ausstellung bei uns zeigen wollen. Es ist eine Thematik, die auch Menschen im Kanton Baselland betrifft, und die Debatte, wie das Thema aufgearbeitet werden soll, ist sehr aktuell. Zudem wirkt die Gestaltung der Ausstellung mit den prägnanten Kuben sehr einladend auf dem Museumsvorplatz.
Im Rahmenprogramm konzentriert sich das Museum.BL auf Zustände im Baselbiet. Inwiefern konnte man auf Forschung zurückgreifen?
Es gibt erst wenig Forschung zur Situation im Kanton Baselland. Wir haben für das Rahmenprogramm deshalb jene Forschenden angefragt, die bereits dazu gearbeitet haben. Die Historikerin Miriam Baumeister etwa wird Teile ihrer Forschungsergebnisse in einem Vortrag präsentieren.
Welche Überlegungen leiteten das Museum.BL bei der Ausarbeitung des Rahmenprogramms?
Da die Ausstellung das Thema aus gesamtschweizerischer Perspektive beleuchtet, wollten wir mit dem Rahmenprogramm möglichst nahe am Baselbiet sein. In einer Diskussionsrunde erzählt zum Beispiel eine Frau aus der Region von ihren Erfahrungen. Sie wurde als Kind in einem Heim in Langenbruck platziert. Teil des Rahmenprogramms ist auch die Buchvernissage von «Heimwege – Geschichte einer verlorenen Jugend», das im Verlag Baselland erschienen ist. Es sind die Lebensaufzeichnungen des kürzlich verstorbenen Boris Oppliger aus Münchenstein, der in den 1940er- und 1950er-Jahren als Verdingkind aufgewachsen ist. Ein wichtiger Teil des Rahmenprogramms sind das Erzählcafé und die Geschichtswerkstatt. Dabei können Betroffene und Interessierte von ihren Erfahrungen erzählen und sie lernen, wie sie zur eigenen Lebens- oder Familiengeschichte forschen können.