Die Kostentreiber
07.07.2026 PolitikPiero Grumelli, Gemeindepräsident Oberdorf, «Mitte»
Die Belastungen der Gemeinden, besonders bei Bildung und Gesundheit, führen dazu, dass Leistungen abgebaut und Investitionen gestoppt werden. Bei der Bildung könnte man annehmen, dass bei den ...
Piero Grumelli, Gemeindepräsident Oberdorf, «Mitte»
Die Belastungen der Gemeinden, besonders bei Bildung und Gesundheit, führen dazu, dass Leistungen abgebaut und Investitionen gestoppt werden. Bei der Bildung könnte man annehmen, dass bei den steigenden Kosten auch der Output am Ende der obligatorischen Schule qualitativ besser wäre. Doch scheint es, dass gerade in der Menschheitsgeschichte das erste Mal eine Generation folgt, die dümmer wird als ihre Eltern. Der Übeltäter wird im Smartphone vermutet, weil exakt mit dessen Aufkommen der Wandel eingesetzt habe. Die Ablenkung ist mit den Kurzvideos so gross, dass die Kinder zum einen keine längere Aufmerksamkeit mehr haben und zum anderen massiv Zeit weggenommen wird, die früher doch hin und wieder auf Druck der Eltern fürs Lernen eingesetzt wurde.
Der Unterricht selbst setzt weniger darauf, Wissen fundiert und wiederholend zu festigen. Unzählige, gut gemeinte Einflüsse haben den Lehrplan überladen, und so fehlt beim Lernen einfach das Wichtigste, nämlich Zeit für die Vernetzung. In der Schule wird so vieles vermittelt, was man im späteren Leben nie mehr braucht, das haben auch unsere Generationen bemerkt. Heute hat sich das nochmals verstärkt. Doch nicht nur das System Schule hat Mängel. Beobachten Sie einmal junge Eltern mit ihren Kinderwagen. Niemand spricht noch mit dem Baby wie früher, alle glotzen sie in das eben erwähnte Smartphone. Das Resultat dieser Entwicklung sieht man beim Kindergarteneintritt, wenn der Wortschatz miserabel ist.
Im Bereich Gesundheit macht uns Gemeinden die demografische Entwicklung Sorgen. Es ist kein Geheimnis, dass die ältere Bevölkerung die am stärksten wachsende Gruppe ist. Das ist aber mittlerweile das kleinste Problem. In der Gesundheit, also bei Pflegedienstleistungen, sind die Gemeinden die berühmten Letzten, welche die Hunde beissen. Sie sind die Restfinanzierer und fangen Preissteigerungen in der Regel als einzige auf. Als Beispiel die Zahlen meiner Gemeinde: 2008 kostete der Bereich Gesundheit rund 150 000 Franken pro Jahr, heute sind es rund 1,6 Millionen Franken – bei lediglich einer Vervierfachung der älteren Einwohner. Sie aus der Generation, die noch rechnen kann, haben sicherlich festgestellt, dass die Kosten mehr als nur viermal angestiegen sind.
Das Übel liegt auch woanders. Es ist meiner Ansicht nach die Arbeitsweise, die dem pflegenden Personal aufgedrückt wird. Stellen Sie sich die Preise im Supermarkt vor, wenn die Angestellten nach jeder Tätigkeit notieren müssten: Gemüse aufgefüllt, Kunde beraten, Fehlfunktion an der Selbstbedienungskasse behoben … Die Dauer all dieser Aufgaben ist mit Sekundenzahl hinterlegt. Grob gesagt, sieht eine Arbeitsstunde in der Pflege so aus, dass 20 bis 30 Minuten notiert wird, was in den anderen 30 bis 40 Minuten erledigt wurde. Ziel davon ist, dass man exakt weiss, welche Person mit welcher Krankenkasse welche Leistung benötigt hat. Nur in der Gesundheit, folglich auch in den Spitälern, betreiben wir einen solch massiven bürokratischen Aufwand. Dabei geht das so wichtige Zwischenmenschliche aus Zeitdruck verloren.
In der «Carte blanche» äussern sich Oberbaselbieter National- und Landratsmitglieder sowie Vertreterinnen und Vertreter der Gemeindebehörden zu einem selbst gewählten Thema.

