Die grosse Verdichtung ist vom Tisch
22.09.2026 LupsingenErarbeitung des neuen Richtplans schreitet voran
Der Gemeinderat von Lupsingen will der Bevölkerung bis Ende dieses Jahres einen kommunalen Richtplan vorlegen. Dafür hat er bis Mitte September eine Befragung durchgeführt. Deren Ergebnisse müssen nun ausgewertet ...
Erarbeitung des neuen Richtplans schreitet voran
Der Gemeinderat von Lupsingen will der Bevölkerung bis Ende dieses Jahres einen kommunalen Richtplan vorlegen. Dafür hat er bis Mitte September eine Befragung durchgeführt. Deren Ergebnisse müssen nun ausgewertet werden.
André Frauchiger
Man dürfte sich erinnern: Im Jahr 2021 wurden die vom damaligen Gemeinderat vorgeschlagenen revidierten Zonenvorschriften in einer Referendumsabstimmung von den Lupsinger Stimmberechtigten abgelehnt. Der heutige Gemeindepräsident Marcel Staudt war damals einer der Hauptgegner der gemeinderätlichen Vorlage. Im August-Amtsanzeiger wird nun an die damalige Ablehnung des Zonenplans erinnert: «Hauptkritikpunkte betrafen insbesondere die angestrebte Bevölkerungsentwicklung, die damit verbundene bauliche Verdichtung sowie die befürchteten, dadurch entstehenden Veränderungen in der Siedlungsstruktur.»
Dieser Sachverhalt sei für den heutigen Gemeinderat die Ausgangslage gewesen, auf breiter Grundlage und unter Einbezug der Bevölkerung in einem «ersten Schritt» einen kommunalen Richtplan zu erarbeiten, erklärt die Dorfexekutive im Amtsanzeiger. Der Richtplan sei «ein Planungsinstrument, das aufzeigt, wie sich die Gemeinde in den kommenden Jahren entwickeln soll. Zudem stimmt er zentrale Themen wie Siedlung, Verkehr sowie Natur und Landschaft aufeinander ab.»
Der Gemeinderat erarbeitete in diesem Jahr an einer Klausur erste strategische Stossrichtungen und lud die Bevölkerung im Juni zu einem Workshop ein. Um ein «möglichst breites Meinungsbild zu erhalten», wurde bis zum 15. September zudem eine Umfrage durchgeführt. Daran konnten sich Einwohnerinnen und Einwohner sowie in der Gemeinde arbeitende Personen beteiligen. Bis Ende Jahr sollen die Ergebnisse vorliegen. Dann könne der Gemeinderat konkret sagen, welche Bestimmungen mit welcher Gewichtung in den neuen Richtplan aufgenommen werden sollen, führt Gemeindepräsident Marcel Staudt auf Anfrage aus.
Struktur soll erhalten bleiben
Die Gemeindeversammlung vom 17. Juni hat auf Antrag des Gemeinderats der Bildung einer «Arbeitsgruppe kommunaler Richtplan» und einem Kredit von 70 000 Franken zugestimmt. Den Vorsitz der neunköpfigen Arbeitsgruppe hat Staudt inne. Vertreten sind zudem Natur- und Umweltschutz, Mobilität und Verkehrsplanung, Altersbereich, Schule, Landwirtschaft, Gewerbe/Dienstleistung, Wasserversorgung/Abwasser und Finanzen.
Den Entscheid über den neuen Richtplan wird gemäss Planung die Gemeindeversammlung im Sommer 2027 fällen. Ob es erneut zu einem Referendum und damit zu einer Volksabstimmung kommen wird, scheint aus heutiger Sicht eher unwahrscheinlich.
Denn eines steht fest: Das vor fünf Jahren heiss umstrittene Thema «grössere Verdichtung» – auch mit ziemlich grossen Häuserblocks und preisgünstigen Mietwohnungen – ist vom Tisch. Staudt erklärt, es habe sich inzwischen gezeigt, dass sich Lupsingen in Sachen Verdichtung bereits im «rosaroten Bereich» befinde, also aufgrund der bestehenden Bundes- und Kantonsbestimmungen kaum mehr Spielraum für verdichtetes Bauen habe. Zudem sei der Wunsch aus der Bevölkerung zu respektieren, nur eine «moderate Entwicklung» vorzusehen, bei der «die heutige Siedlungsstruktur möglichst erhalten bleibt».
Vielfältige Fragen
Aus der Umfrage geht hervor, dass nach Auffassung des Gemeinderats und der am Workshop beteiligten Personen die heutigen Bebauungsmöglichkeiten in Lupsingen bestehen bleiben sollen. Gefragt wurde zu Wohnen und Bevölkerungsentwicklung, Siedlungsentwicklung und Ortsbild, Umwelt und nachhaltiger Entwicklung sowie Verkehr und Verkehrserschliessung.
Bewertungen abzugeben hatte die Bevölkerung insbesondere zur Förderung generationenübergreifender Wohnformen in der Kernzone und zur Orientierung an den Prognosen des Kantons bezüglich der Bevölkerungsentwicklung. Weitere Fragen unter dem Kapitel «Ich wünsche mir» lauteten unter anderem: Sind die bestehende Siedlungsstruktur und das Ortsbild zu erhalten und sorgfältig weiterzuentwickeln? Soll Regenwasser nach dem sogenannten Schwammstadtprinzip vor Ort gespeichert und weiterverwendet werden? Sollen begrünte Flachdächer erlaubt und Schottergärten verboten sein? Braucht es eine bessere Busanbindung in den Quartieren?
Die Antworten sollen in die weiteren Arbeiten am neuen Lupsinger Richtplan einfliessen, die voraussichtlich bis Ende dieses Jahres dauern.
