Die Eigenartigkeit des Tennis
27.05.2026 SportStellen Sie sich vor: Der FC Basel trainiert freitags mit YB, samstags spielen sie gegeneinander und sonntags dann miteinander gegen andere Teams. Unvorstellbar. Genau das ist die normale Realität des Tennissports.
Lassen Sie mich erläutern, weshalb der Tennissport ziemlich ...
Stellen Sie sich vor: Der FC Basel trainiert freitags mit YB, samstags spielen sie gegeneinander und sonntags dann miteinander gegen andere Teams. Unvorstellbar. Genau das ist die normale Realität des Tennissports.
Lassen Sie mich erläutern, weshalb der Tennissport ziemlich eigenartig sein kann und nichtsdestotrotz genau wegen dieser Eigenartigkeit so fördernd für die persönliche Entwicklung ist. Der Tennisclan zieht das ganze Jahr gemeinsam durch die Welt. Neue Orte, Bedingungen und Turniere, doch fast immer die gleichen Spieler und deren Staff. Sozusagen eine grosse Familie ohne wirkliches Familiengefühl. Dadurch, dass Tennis ein Einzelsport ist und Sparrings auf diesem Level nur bedingt verfügbar sind, stehen dem Spieler meist drei Trainingsmöglichkeiten zur Wahl: allein trainieren, mit dem Coach oder mit einem anderen Spieler – also einem Konkurrenten. Letzteres ist unumgänglich, da Trainingssätze essenziell für die Turniervorbereitung sind, diese aber nur mit anderen Spielern möglich sind.
Konkret heisst das: Wenn sich ein Spieler drei bis vier Tage vor dem Turnier vorbereitet, wird er mit Dutzenden anderen Spielern auf der Anlage trainieren. Man versucht also, sich mithilfe der Konkurrenten so gut vorzubereiten, dass man später genau diese im Turnier schlagen kann. Absurd eigentlich.
Es kommt noch absurder. Oftmals wird nicht nur Einzel, sondern auch Doppel gespielt. Heisst, dass sich Konkurrenten zusammentun und als Doppelpaar auflaufen. Es kommt also durchaus vor, dass man bei einem Turnier erst mit den Konkurrenten trainiert, dann gemeinsam Doppel spielt und einen Tag später gegen seinen Doppelpartner Einzel spielen muss. Richtig unangenehm wird es dann, wenn das Einzel zuerst gespielt wird und man danach noch gemeinsam auf einer Seite für das Doppel steht.
Mir ist so etwas schon ein paarmal passiert. Nicht meine beliebtesten Momente auf der Tennistour. Wichtig zu erwähnen ist dabei, dass dies auf höherer Turnierstufe seltener vorkommt, da sich die Spieler meist nur noch auf Einzel oder Doppel konzentrieren.
Wo liegt hierbei der Coaching-Aspekt? Nun, so eigenartig diese Konstellationen auch sein mögen, sie lehren Spieler vor allem eines: Es spielt keine Rolle, wer auf der anderen Seite des Netzes steht. Entscheidend ist, das eigene Tennis weiterzuentwickeln. Und oft sind es ja genau die Konkurrenten, die einem aufzeigen, woran man noch arbeiten muss. Vielleicht ist genau das eine der speziellsten Seiten des Tennissports: Man versucht ständig, besser zu werden. Oft mithilfe genau der Spieler, die man später schlagen möchte.
Yannik Steinegger
Der Bubendörfer Yannik Steinegger (2000) gehörte zu den besten Schweizer Tennisspielern, ehe er sich schon mit 23 entschied, Profi-Trainer zu werden. Er betreut die Schweizer Tennis-Hoffnung Leandro Riedi.

