Die Deponie ist auch sein Kind
19.06.2026 DiegtenHeinz Schaub aus Diegten leitete viele Jahre den «Elbisgraben»
Man kann ihn ohne zu übertreiben «Mister Elbisgraben» nennen: 44 Jahre lang hat Heinz Schaub aus Diegten den Deponiebetrieb Elbisgraben zwischen Liestal und Arisdorf massgebend mitgeprägt. Nach ...
Heinz Schaub aus Diegten leitete viele Jahre den «Elbisgraben»
Man kann ihn ohne zu übertreiben «Mister Elbisgraben» nennen: 44 Jahre lang hat Heinz Schaub aus Diegten den Deponiebetrieb Elbisgraben zwischen Liestal und Arisdorf massgebend mitgeprägt. Nach einer erfüllenden Zeit geht er nun in Pension.
Elmar Gächter
Das Signal auf der Waldstrasse wechselt auf Grün und erlaubt dem Besucher die Durchfahrt durch den 630 Meter langen, einspurigen und etwas düster wirkenden Tunnel. Ziel ist das Reich jenes Mannes, dessen berufliche Tätigkeit sich 44 Jahre lang auf dieser Hochebene zwischen Liestal und Arisdorf abspielte. Mehr als 10 000 Mal führte ihn der tägliche Weg von seinem Wohnort Diegten auf den bewaldeten Hügelzug, der am 1. Juli 1983 mit der Eröffnung der Deponie Elbisgraben eine überregionale Bedeutung erlangt hat.
Seine Geschichte, in der er sich vom Deponiewart zum Betriebsleiter hochgearbeitet hat, beginnt ein Jahr früher. «Neben dem Betriebsleiter und dem Waagmeister war ich damals der einzige Deponiewart in der neu geschaffenen Organisation. Maschinen waren noch keine vorhanden», erinnert sich Heinz Schaub an die Anfänge.
Der Tod seines Vaters, als er erst sieben Jahre alt war, hat Schaub geprägt und er sah früh eine Chance, ein sicheres Arbeitsumfeld anzutreten. Zudem reizte ihn die Möglichkeit, grosse Baumaschinen zu bedienen. Ein Kompaktor – ein Müllverdichter auf Stahlrädern – war fortan sein mobiler Arbeitsplatz. «Diese Arbeit habe ich gerne gemacht, auch wenn die Luft nicht immer nach Erdbeeren roch. Doch ich war mein eigener Herr und Meister und mitverantwortlich, dass nur deponiekonformes Material abgeladen wurde», so Schaub. 1989 erhielt er als Vorarbeiter die erste Führungsaufgabe, verbunden mit zunehmend mehr administrativen Tätigkeiten. Das fiel ihm leicht, da er schon als Schüler viel las und gerne Aufsätze und Vorträge schrieb.
Mentor als Unterstützung
Auf seine Stellung als Staatsangestellter angesprochen, betont Schaub, dass er sich nie als Beamter gefühlt habe. «Im Gegensatz zu älteren Arbeitskollegen hatte ich keine Mühe mit der Abschaffung des Beamtenstatus. Ich war überzeugt, dass ich mir bei guter Arbeit keine Angst vor dem Verlust meiner Stelle machen musste.»
Gedanken über seine zukünftige Tätigkeit auf dem «Elbisgraben» hegte Heinz Schaub dennoch und entschied sich, in der Freizeit die Handelsschule zu besuchen. Er schloss die Ausbildung mit dem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis als Kaufmann ab, absolvierte die Kaufmännische Führungsschule und bildete sich zum Deponiemeister weiter. «Mit Walter Dinkel als erstem Leiter des damals neu geschaffenen Amts für Industrielle Betriebe hatte ich einen tollen Mentor und Vorgesetzten, dem ich heute noch dankbar bin.»
Ausgerüstet mit einem gut gefüllten Ausbildungsrucksack wählte ihn der Regierungsrat 1994 zum Betriebsleiter der Deponie Elbisgraben. Bis heute hat er die Entwicklung der Deponie massgeblich mitgeprägt. Während anfangs Kehricht, Industrie- und Gewerbeabfälle am gleichen Ort abgelagert wurden, gehen seit dem Jahr 2000 alle brennbaren Abfälle in die Kehrrichtverwertungsanlage (KVA) nach Basel und es landet nur noch die verbleibende Schlacke auf dem «Elbisgraben». «Heute betreiben wir verschiedene Ablagerungskompartimente, eine Schwachgasbehandlungsanlage, die Metallrückgewinnungsanlage und nicht zuletzt im Auftrag die Inertstoffdeponie Höli, die gleich nebenan liegt. Die Deponie Elbisgraben ist heute ein komplexer Betrieb, der viel Fachwissen erfordert», betont Schaub.
Neues auszuprobieren und Pionierarbeit zu leisten, war für ihn stets ein besonderer Ansporn. Einzelne Innovationen erhielten weltweite Bedeutung. Dazu zählt die 2019 für rund 5 Millionen Franken installierte Anlage zur Rückgewinnung von Metall. Die Schlacke aus der KVA enthält rund 10 Prozent Metalle aus Eisenstahlteilen sowie Aluminium, Kupfer, Messing oder besondere Edelmetalle wie Platin, Gold oder Silber. Es war die Idee von Heinz Schaub, eine solche Anlage eines holländischen Unternehmens während eines halben Jahres kostenlos testen zu lassen. «Heute verfügen wir über die modernste und effizienteste Anlage in der ganzen Schweiz, die zudem weitgehend selbsttragend ist», hält der Diegter mit Stolz fest.
Auf Schmucksuche
Wer wie er während mehr als vier Jahrzehnten den Deponiebetrieb hautnah begleitet und geprägt hat, weiss auch die eine und andere Anekdote zu erzählen. Eine sei den Lesenden nicht vorenthalten: Nach der Weihnachtszeit meldete sich ein Mann auf der Deponie und bat darum, im Kehricht nach etwas Bestimmtem suchen zu dürfen. Nach anfänglichem Zögern sprach er von einem Schmuckcollier, das er seiner Frau für 4000 Franken gekauft habe. Am Weihnachtsabend hätten sie Streit gehabt und die Frau habe das teure Stück in den Abfallkübel «entsorgt». In der Hoffnung, dass sie es wieder herausnehme, musste der Mann jedoch feststellen, dass der Abfallsack mit dem Collier wohl den Weg auf die Deponie gefunden hatte. «Natürlich war das teure Geschenk nicht mehr auffindbar.»
Wenn Heinz Schaub Ende Juni, ein Jahr vor der offiziellen Altersgrenze, die Verantwortung über die Deponie in andere Hände übergibt, wird ihm sein langjähriger Arbeitsort in bester Erinnerung bleiben. Neben den Höhepunkten der verschiedenen innovativen Projekte bleibt ihm vor allem die Genugtuung und Freude, dass der Deponiebetrieb stets aufrechterhalten wurde. Einzig beim Sturm Lothar musste die Zufahrt für zwei Stunden gesperrt werden. «Es war nie langweilig, sondern abwechslungsreich und interessant. Ich konnte viel sehen und mich mit Menschen aus der ganzen Welt austauschen», blickt er auf die 44 Jahre auf dem «Elbisgraben» zurück.

