«Die Büroarbeit ist ein Zeitfresser»
24.07.2026 MaisprachBäuerinnen-Serie Teil 4: Angelika Itin vom Mettlihof
Dank ihrer Grossmutter und der Rudolf-Steiner-Schule kam Angelika Itin zur Landwirtschaft. Mit ihrem Mann bewirtschaftet sie den Mettlihof in Maisprach, dessen Pioniergeist sie mit Milchschafen fortführt. Aus der Schafmilch ...
Bäuerinnen-Serie Teil 4: Angelika Itin vom Mettlihof
Dank ihrer Grossmutter und der Rudolf-Steiner-Schule kam Angelika Itin zur Landwirtschaft. Mit ihrem Mann bewirtschaftet sie den Mettlihof in Maisprach, dessen Pioniergeist sie mit Milchschafen fortführt. Aus der Schafmilch wird Bio-Käse.
Marianne Ingold
Als Kind war Angelika Itin regelmässig auf dem Bergbauernhof ihres Grossonkels im Berner Oberland in den Ferien. Von dort stammte ihre Grossmutter, die nach der Heirat ins Baselbiet gezogen war. Itin wuchs in einem Mehrfamilienhaus in Arlesheim auf und besuchte die Rudolf-Steiner-Schule in Basel, bei der verschiedene Praktika zum Schulprogramm gehörten. Mit 15 Jahren absolvierte sie einen dreiwöchigen Landdienst auf dem Mettlihof in Maisprach. «Das gefiel mir so gut, dass ich danach immer wieder kam – und bis heute geblieben bin», erzählt sie und lacht.
Als Jugendliche fiel ihr die Berufswahl nicht leicht, weil ihr viele praktische Arbeiten zusagten. «In einem Berufskatalog stiess ich auf den Beruf der Bäuerin und merkte, dass darin alles, was ich gerne mache, vereint ist», erinnert sich Itin. Deshalb absolvierte sie die Bäuerinnenschule in Sissach. «Ich bin nicht Landwirtin, sondern Bäuerin», betont sie. «Damals war die Rollenverteilung noch klar: Die Bäuerin kümmert sich um Haus, Garten und Kleinvieh. Der Landwirt ist für Feldarbeit, Maschinen und Kühe zuständig.» Heute sei das anders. Ihre jüngste Tochter beispielsweise hat Landwirtin gelernt.
Nach der Ausbildung arbeitete Angelika Itin weiterhin auf dem Mettlihof und lernte dort ihren späteren Ehemann kennen, als dieser nach längerer Abwesenheit den Betrieb von seinen Eltern übernahm. Zu Beginn lebte die junge Familie unter einem Dach mit Angelika Itins Schwiegereltern und weiteren Verwandten: «Wir wohnten mit zwei Kindern in der kleinen Einliegerwohnung. Die Landdienstler schliefen auf dem Sofa und das Büro war im Luftschutzkeller.» 2003 konnte die Familie dank einer Ausnahmebewilligung ein zweites Wohnhaus auf dem Hof bauen, dessen Pläne Angelika Itin selber zeichnete.
Aufwendige Administration
Neben dem Ehepaar Itin arbeiten eine Angestellte und wechselnde Praktikanten, Landdienst- und Zivildienstleistende auf dem Betrieb, zu dem aktuell 82 Milchschafe, zahlreiche Lämmer, 12 Kühe, einige Hühner und Wachteln sowie Obstanlagen, Weiden und Ackerflächen gehören. Besonders am Herzen liegt Angelika Itin der Garten: «Das ist mein Werk!» Meistens steht er aber nicht an erster Stelle in ihrem Arbeitstag, der um 6 Uhr morgens im Stall beginnt. Zu ihren Aufgaben gehört auch Organisatorisches. Die Administration in der Landwirtschaft werde immer aufwendiger, sagt Itin: «Die Büroarbeit ist ein Zeitfresser. Ich produziere lieber Lebensmittel.»
Ab 11 Uhr kocht Angelika Itin täglich für Mitarbeitende und Gäste: «Oft weiss ich erst kurzfristig, ob 5 oder 10 Personen am Tisch sitzen.» Sie hilft mit auf dem Feld, fährt Futterkran und verpackt das Fleisch für die Direktvermarktung ab Hof. Freizeit bleibt ihr kaum – Gartenarbeit und Haushalt erledigt sie meist abends und am Wochenende – und Ferien sind selten. Ihre letzten waren drei Tage bei Freunden im Berner Oberland vor einem Jahr. Itins Kühe dagegen verbringen den ganzen Sommer auf einer Alp. Aus ihrer Milch wird Alpkäse hergestellt.
Pionierbetrieb
Angelika Itins Schwiegereltern gehörten zu den ersten Biobauern in der Schweiz. Sie produzierten bereits alkoholfreien Süssmost statt saurem Most, als das noch unüblich war. Im Dorf hätten sie deshalb als Exoten gegolten, die Spezielles machten, erzählt Itin. Auch heute noch ist der Mettlihof ein zertifizierter Biobetrieb und das Spezielle sind die Milchschafe, mit deren Haltung die Itins vor 25 Jahren begannen: «Schafmilch kam damals gerade auf, weil Menschen mit Allergien sie gut vertrugen.» Im zweistöckigen Stall leben die Schafe im Obergeschoss, die Kühe darunter.
Damit ein Milchschaf Milch produziert, braucht es hochwertiges Futter. Itins Schafe fressen Gras, Heu, Silofutter vom eigenen Betrieb und im Herbst etwas zugekauften Mais und Rübenschnitzel. Der Grossteil der Herde gehört zur Rasse Lacaune, die Wärme und Trockenheit gut verträgt. Dazu kommen einige ostfriesische Milchschafe. Jedes Jahr werden zahlreiche Lämmer geboren – diesen Frühling waren es fast 200. Von diesen wird ein Teil verkauft, ein Teil der weiblichen Tiere dient dem Aufbau der eigenen Herde. Um deren Grösse konstant zu halten, werden ältere Tiere und überzählige Lämmer geschlachtet.
Ihr Betrieb sei der einzige im Kanton Baselland, der grössere Mengen Schafmilch produziert, sagt Angelika Itin. Bis vor zwei Jahren lieferten die Itins die tiefgekühlte Milch an eine spezialisierte Molkerei in der Ostschweiz. Heute wird sie in einer Schafmilchkäserei im Zürcher Oberland zu Weissschimmelkäse und Feta verarbeitet, die hier in der Region verkauft werden. «Eine Käserei in der Nähe, die Schafmilch verarbeiten könnte, wäre ideal», meint Itin. «Doch das Baselbiet ist keine Käsereiregion.» Für eine eigene Käserei bräuchte es zusätzliche Fachkenntnisse und grössere Investitionen. Das wäre eher eine Aufgabe für die nächste Generation.
Angelika Itins Mann ist bereits pensioniert und der Hof läuft nun auf ihren Namen. Sie selbst ist noch eine Weile im erwerbstätigen Alter. Dennoch beschäftigt sie bereits die Nachfolge: «Eine Hofübergabe ist mit vielen Fragen verbunden. Das wird ein spannender und herausfordernder Prozess.»
Serie zum UNO-Jahr 2026 der Bäuerinnen und Landwirtinnen: Bereits erschienen sind die Porträts von Sonya Leuenberger vom Hof Halde in Ziefen, Andrea Gysin vom Hof Halde in Läufelfingen und Myriam Schwob vom «Prinzenhof» in Lampenberg. Die Serie wird wöchentlich fortgesetzt.



