Die Bühne des Lebens
04.08.2026 LäufelfingenFünf Kunstschaffende stellen im Industriemuseum «Silo 12» aus «Fünf Facetten der Kreativität» lautet der Titel der am Freitag im Industriemuseum «Silo 12» beginnenden Ausstellung mit fünf Teilnehmenden. Mit dabei ist der Sissacher Urs ...
Fünf Kunstschaffende stellen im Industriemuseum «Silo 12» aus «Fünf Facetten der Kreativität» lautet der Titel der am Freitag im Industriemuseum «Silo 12» beginnenden Ausstellung mit fünf Teilnehmenden. Mit dabei ist der Sissacher Urs «Schmässi» Schmassmann mit kühn absurden Inszenierungen.
Brigitte Keller
Für diejenigen, denen Urs «Schmässi» Schmassmann noch kein Begriff ist: Gelernt hat er ursprünglich Schreiner und Bauzeichner, seine grosse Leidenschaft galt jedoch von Anfang an der Schauspielerei. Mehr als 30 Jahre stand er auf kleinen und grossen Bühnen in der nahen und weiteren Umgebung. Für kurze Zeit führte er unter dem Namen «Schmässis Theaterstudio» gar sein eigenes Theater in Sissach.
Da er von den Gagen als Schauspieler «mehr schlecht als recht» leben konnte, war er auch in seinem angestammten Beruf tätig. Auf der Strecke blieb über all die Jahre die Erholung. Vor etwas mehr als zehn Jahren zwang ihn ein Burnout von einem auf den anderen Tag dazu, mitten in den Proben der geliebten Theaterbühne den Rücken zu kehren.
Dank dem Töpfern in der Therapie und der steten Unterstützung seiner Frau entdeckte der Sissacher eine neue künstlerische Ader. Bis er den Mut fand, seine Arbeiten und damit auch sich selber wieder einem grösseren Publikum zu zeigen, vergingen aber Jahre. Im Sommer 2023 wagte er den Schritt mit einer Freiluft-Galerie rund ums Haus. Seither sind sein Repertoire und seine Bekanntheit stetig gewachsen. Seine «eingerosteten Objekte» aus Draht, Stoff, Hausrat und vielem mehr überraschen und lassen Laien sowie andere Kunstschaffende staunen. «Für mich sind es Bühnenbilder, es müsste nur noch die passende Oper dazu geschrieben werden», sagt der frühere Schauspieler. Eine grosse Fangemeinde hat er sich auch mit seinen originellen und manchmal auch kritischen Beiträgen auf seiner «Facebook»-Seite geschaffen.
Ideen werden sofort umgesetzt
«Meine Freude und Begeisterung an der Kunst zu teilen», das ist Urs Schmassmanns Hauptmotivation, um an Ausstellungen teilzunehmen. «Wenn es dann auch noch zu ‹Platzwechseln› kommt, also wenn jemand sagt, das gefällt mir, das macht sich gut bei mir zu Hause, dann ist es natürlich noch schöner.» Für die kommende Ausstellung im Läufelfinger «Silo 12» hat er viele neue Objekte kreiert. «In den vergangenen Wochen ist bei mir zu Hause das grosse Chaos ausgebrochen», erzählt er, «das ganze Haus ist jetzt ein Atelier.»
Ideen kämen «permanent, auch in der Nacht», sagt der umtriebige Mann. Das sei unter anderem auch ein Grund dafür, dass er nie in die Ferien fahre. Denn dort würde dann ja das Material fehlen, um die Ideen sofort in die Tat umzusetzen. Und da Hündin Enya immer an seiner Seite ist, zwingt er sich ihr zuliebe manchmal, es etwas ruhiger anzugehen und für eine gewisse Zeit an Ort und Stelle zu verweilen und nicht zum x-ten Mal in den Keller zu rennen.
Seine neuesten Objekte – unter anderem «Eichhörnchen» –, die erstmals in Läufelfingen gezeigt werden, entstanden unter dem Motto: «Der Mensch, das Tier, sind Mittelpunkt. Punkt.» Wofür das steht, darüber können sich die Besuchenden selber eine Meinung bilden, oder aber sich mit dem Künstler darüber austauschen. Er brauche Feedback, wie Schmassmann sagt.
Mit Unterstützung
Die Ausstellung alleine bestreiten wollte «Schmässi» nicht, weshalb er vier weitere Ausstellende mit ins «Ausstellungsboot» holte. Obwohl «noch frisch in der Kunstszene», wie er selber von sich sagt, hat er bereits ein grosses Netzwerk aufgebaut. Die angefragten Kunstschaffenden (siehe Kasten) haben sich allesamt über die gebotene Möglichkeit gefreut und dankend zugesagt.
Der Input zum Ausstellungsort kam von Mirjam Wagner, ehemaliges Vorstandsmitglied des Vereins «Silo 12». Sie wird auch ein paar Worte an die Besucherinnen und Besucher der Vernissage richten. Die Einführung zur Ausstellung wird Schauspieler Lorenz Killer halten. Bei der musikalischen Umrahmung darf sich das Publikum auf südamerikanische Klänge mit Swing, Choro und Bossa Nova freuen – mit der Eptinger Musikerin Régine Thommen, zusammen mit Annick Delapierre und Patrick von Rotz (beide Bern).
Die Vernissage zur Ausstellung «Fünf Facetten der Kreativität» im «Silo 12» findet diesen Freitag, 7. August, ab 19 Uhr statt. Mehr Informationen sind auf www.silo12.ch zu finden.
Das sagen die vier weiteren Kunstschaffenden
Dora Mohler-Frey (Böckten): «Meine Stilrichtung und Technik umfassen abstrakte Kunst mit Acryl, Tusche und mehr, doch insbesondere gefällt mir die Spachtel-Technik.»
Peter Frey (Böckten): «Ich arbeite gerne mit Holz, weil es ein warmes, lebendiges Material ist und es sich mit den verschiedensten Materialien kombinieren lässt. So finde ich nicht nur handwerkliche Freude, sondern auch eine Art ruhigen, kreativen Ausgleich.»
Conny Borer (Seewen): «Meine Arbeiten entstehen aus der stillen Beobachtung der Natur. Blumen, Formen und Farben übersetze ich intuitiv in Acryl auf Leinwand. Meine Bilder wachsen aus dem Moment, aus Gefühl und aus der Verbindung zur natürlichen Welt.»
Sindy Petheö (Mülheim an der Ruhr/Deutschland): «Ich präsentiere eine aufregende Mischung aus kreativen Arbeiten. Besonders stolz bin ich auf meine filigrane Drahtkunst von Menschen und von Tieren. Jedes Werk spiegelt meine verschiedenen künstlerischen Ausdrucksformen wider.»





