«Der Teamgedanke ist ein wesentlicher Punkt»
06.11.2026 SissachFeuerwehrkommandant Raphael Zaugg blickt auf die bevorstehende Vergrösserung des Korps
Morgen führt die Stützpunktfeuerwehr Sissach ihre Hauptübung durch. Kommandant Raphael Zaugg erklärt im Interview, was die Besucher erwarten dürfen und worin die ...
Feuerwehrkommandant Raphael Zaugg blickt auf die bevorstehende Vergrösserung des Korps
Morgen führt die Stützpunktfeuerwehr Sissach ihre Hauptübung durch. Kommandant Raphael Zaugg erklärt im Interview, was die Besucher erwarten dürfen und worin die Herausforderungen der Integration der Feuerwehr-Korps Wintersingen und Delta liegen.
Tobias Gfeller
Herr Zaugg, wie viel Prozent sind bei einer Hauptübung ernst und wie viel Prozent dürfen auch Spass sein?
Raphael Zaugg: Es geht darum, der Bevölkerung das zu vermitteln, was wir durchs Jahr hindurch üben und anwenden. Die Hauptübung ist für die Mitglieder der Feuerwehr aber auch der Tag, an dem sie sich austauschen können, da praktisch alle kommen, was so im Jahresprogramm nicht mehr häufig der Fall ist. Festzuhalten ist auch: Mit der Grösse, die wir mittlerweile erreicht haben, können wir während einer solchen Übung nicht alle permanent beschäftigen. Da gibt es Momente, während denen man sich untereinander und mit Gästen unterhalten kann. Der offizielle gemütliche Teil beginnt nach der Übung und den Beförderungen.
Was macht aus Ihrer Sicht die jährliche Hauptübung für die Feuerwehr sonst noch wichtig?
Es ist der Jahresabschluss. Damit endet auch das Ausbildungsjahr der Rekruten. Die Beförderungen und Verabschiedungen stehen an. Wir möchten jenen, die aufhören, offiziell Danke sagen für ihr teils jahrelanges Engagement in der Feuerwehr. Wir geben den Austretenden stets auch ein Erinnerungsgeschenk mit.
Können Sie uns Einblicke in die morgige Hauptübung geben? Welche Themen und Ziele stehen im Zentrum?
Wir haben drei Posten vorbereitet: Verkehrsunfall, Atemschutz und eine Personenrettung aus der Tiefe. Die Zuschauerinnen und Zuschauer können uns dabei aus nächster Nähe beobachten und sehen, was wir können.
Mit der bevorstehenden Integration der Feuerwehren Wintersingen und Delta, also Thürnen, Diepflingen und Böckten, wächst die Stützpunktfeuerwehr Sissach deutlich an. Wie wird dies innerhalb des Korps aufgenommen?
Mit Wintersingen sind wir schon das ganze Jahr zusammen und bestreiten gemeinsam Übungen und Einsätze – was sehr gut läuft. Dadurch, dass alle die gleiche Kleidung und Ausrüstung haben, muss man die Person schon gut kennen, damit man merkt, wer aus welchem Dorf kommt. Die Integration von Delta startet im kommenden Jahr. Wie viele Feuerwehrleute zu uns kommen werden, ist noch offen.
Welche Chancen sehen Sie mit der Vergrösserung der Feuerwehr Sissach?
Es wird eine Verbesserung in Sachen Bereitschaft, Tagesverfügbarkeit und Nutzung von Synergien geben. Auf der anderen Seite ist mit mehr Einsätzen zu rechnen, da das Einsatzgebiet grösser wird.
Welche konkreten Herausforderungen bestehen?
Bei einer Integration von mehreren neuen Feuerwehrleuten ist sicher der Teamgedanke ein wesentlicher Punkt.
Man muss menschlich und fachlich harmonieren. Damit das gelingt, muss man sich in Übungen und Einsätzen gut kennenlernen. Ausserdem müssen alle den gleichen Ausbildungsstand haben.
Für Feuerwehrleute spielt die Identität mit der eigenen Feuerwehr und dem eigenen Dorf eine wesentliche Rolle. Wie kann diese trotz der Vergrösserung in Sissach und den neu dazugehörenden Gemeinden sichergestellt werden?
Wir haben beispielsweise angefangen, auf dem Ortslöschfahrzeug die Wappen der dazugehörenden Gemeinden aufzukleben. Über solche Dinge wird schon mal diskutiert, ob das nötig ist oder nicht. Das Menschliche spielt natürlich mit. Als Kommandant muss ich dies abfedern und am Ende entscheiden. Ich bin überzeugt, dass die Integration auch hinsichtlich solcher Themen gut gelingen wird. Elementar ist dafür auch der Austausch auf der Führungsebene und mit der Politik. Und dieser besteht schon seit längerer Zeit. Ebenfalls ist es sehr wichtig, dass die Mannschaft aktiv und direkt über die aktuellen Themen informiert wird.
Welche Auswirkungen hat die Vergrösserung auch in Sachen Infrastruktur und Material? Kann die Integration der beiden Feuerwehren mit dem Bestand gelingen?
Die komplette Brandschutzausrüstung und der Arbeitsanzug ist von der Basellandschaftlichen Gebäudeversicherung gestellt. Wir haben die nötigen Ortsmittel. Bei uns sind aber drei Viertel der Fahrzeuge Stützpunktmittel für den kantonalen Auftrag. Das Material der Feuerwehr Delta sowie ihre vier Fahrzeuge kommen hinzu. Wobei sich zeigen wird, was zweckmässig eingesetzt werden kann und wo Optimierungsmöglichkeiten bestehen.
Wie lange bleibt das Magazin Delta erhalten?
Im nächsten Jahr bleibt das Magazin Delta noch in Betrieb. Früher oder später wird es geschlossen. Die Distanzen, um zwei Magazine zu betreiben, sind zu kurz. Logistisch ist alles einfacher, wenn eine Feuerwehr nur ein Magazin hat. Stellen Sie sich vor, drei Feuerwehrleute treffen in Thürnen ein und drei in Sissach. So kann kein Fahrzeug ausrücken. Sind alle sechs am gleichen Ort, rückt ein Fahrzeug aus.
Werden die Neuen auf die bestehenden Gruppen verteilt oder bilden sie eine eigene Gruppe?
Wir durchmischen bewusst und schauen darauf, dass wir die Neuen sofort zu Einsätzen mitnehmen und so integrieren. Bei neuen Rekrutierten machen wir es genauso. In der ersten Phase der Integration werden die Angehörigen der Feuerwehr Delta in der Alarmgruppe Delta bleiben und mit den zusätzlich benötigten Mitteln aus Sissach im Ersteinsatz in Böckten, Thürnen und Diepflingen ausrücken.
Zusammen mit Wintersingen und der Feuerwehr Delta umfasst die Stützpunktfeuerwehr Sissach 140 aktive Mitglieder. Besteht noch Potenzial für ein weiteres Wachstum und die Integration von weiteren Feuerwehrkorps?
Flächenmässig haben wir im Magazin in Sissach sehr viel Platz. Ich schliesse nicht aus, dass es weitere Vergrösserungsschritte geben wird. Die Frage ist eher, wie es politisch und organisatorisch auch vonseiten Kanton weitergehen wird.
Wie geht es der Stützpunktfeuerwehr Sissach personell?
Wir sind gut aufgestellt. Wir können durch unsere langjährige regionale Jugendfeuerwehr mit den Feuerwehren Delta und Bölchen personell sehr viel über unseren eigenen Nachwuchs abfedern. Rund die Hälfte unserer Aktivmitglieder hat einen Hintergrund bei der Jugendfeuerwehr. Wir merken auch, dass die Feuerwehrleute, die in der Jugendfeuerwehr waren, vom Grundwissen und dem Basishandwerk her sehr gut ausgebildet sind. Auch ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie länger bei der Feuerwehr bleiben, bei jenen, die aus der Jugendfeuerwehr kommen, höher. Neben dem Zusammenhalt untereinander ist die Motivation von jedem einzelnen für das Funktionieren der Feuerwehr essenziell.
Hauptübung der Stützpunktfeuerwehr
Sissach, Samstag, 7. November,
13.30 bis 16.00 Uhr, Werkhof Zunzgen.

