Der Staat muss nicht regeln, was ich esse
04.09.2026 PolitikDaniela Schneeberger, Nationalrätin FDP, Thürnen
Am 27. September stimmen wir über die Ernährungsinitiative ab. Diese klingt auf den ersten Blick nicht unsympathisch. Wir alle möchten eine sichere Versorgung mit Lebensmitteln! Doch bei ...
Daniela Schneeberger, Nationalrätin FDP, Thürnen
Am 27. September stimmen wir über die Ernährungsinitiative ab. Diese klingt auf den ersten Blick nicht unsympathisch. Wir alle möchten eine sichere Versorgung mit Lebensmitteln! Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich: Sie setzt vor allem auf mehr staatliche Eingriffe, mehr Vorschriften und mehr Bürokratie. Sie will dem Staat weitreichende Kompetenzen geben, um Produktion, Handel und Konsum von Lebensmitteln zu lenken.
Denn nur so liesse sich auch ihr Ziel erreichen: 70 Prozent Selbstversorgungsgrad. Statt Milch, Fleisch und Eier sollen – gesetzlich vorgeschrieben – pflanzliche Lebensmittel unsere Landwirtschaft und Ernährung prägen. Immer neue Vorschriften und neue Regulierungen erachte ich als falschen Weg. Unsere Land- und Ernährungswirtschaft braucht verlässliche Rahmenbedingungen, unternehmerische Freiheit und Innovationskraft – nicht kontraproduktive Fesseln.
Auch für uns Konsumenten wäre die Initiative problematisch. Denn es bringt nichts, die Landwirtschaft auf pflanzliche Lebensmittel umzustellen, wenn der Konsum nicht auch entsprechend gelenkt wird. Denn wenn wir keine einheimischen Eier, Milch und Fleisch mehr haben, diese aber weiter nachgefragt werden, müssen wir die Lücke mit Importen decken. Eine solche Verschiebung würde weder der Umwelt noch dem Tierwohl etwas bringen.
Mehr Regulierung bedeutet auch höhere Kosten. Importbeschränkungen, zusätzliche Auflagen oder staatliche Lenkungsmassnahmen verteuern Lebensmittel. Besonders Familien, Menschen mit kleinem Einkommen und die Mittelschicht würden das spüren. Mir ist wichtig: Wer ein Stück Fleisch essen, Milch trinken oder Eier konsumieren will, soll sich weiterhin mit bezahlbaren Schweizer Produkten eindecken können. Alles andere treibt noch mehr Menschen zum Einkaufen über die Grenze. Nicht nur für Drogerieartikel, Windeln oder Katzenfutter, sondern vermehrt auch für ihre Lebensmittel.
Die Schweiz verfügt bereits heute über hohe Standards bei Qualität, Tierwohl, Umwelt- und Lebensmittelsicherheit. Gleichzeitig sind wir auf den Austausch mit dem Ausland angewiesen. Die Schweiz kann sich nicht ohne intensive Landwirtschaft und erhebliche Konsumeinschränkungen zu 70 Prozent selbst versorgen. Unsere Versorgungssicherheit entsteht durch eine nachhaltige, einheimische Landwirtschaft, funktionierende Märkte, Handel und internationale Zusammenarbeit: Die Initiative gefährdet dies.
Am 27. September entscheiden wir darüber, welchen Weg unser Land einschlagen soll. Ich stimme Nein zur Ernährungsinitiative, weil ich an die Stärke unserer Land- und Ernährungswirtschaft glaube, an uns Konsumentinnen und Konsumenten sowie an die Freiheit, die unser Land erfolgreich gemacht hat. Und weil ich mir nicht vorschreiben lassen will, was ich noch essen darf.

