Der Planet der Pflanzen
21.08.2026 NaturAndres Klein
Im Botanischen Garten von Palermo gibt es einen Film mit dem Titel «Der Planet der Pflanzen». Darin wird eindrücklich aufgezeigt, dass nur Pflanzen, Bakterien und Einzeller in der Lage sind, aus Wasser und Kohlendioxid die Energie der Sonne in ...
Andres Klein
Im Botanischen Garten von Palermo gibt es einen Film mit dem Titel «Der Planet der Pflanzen». Darin wird eindrücklich aufgezeigt, dass nur Pflanzen, Bakterien und Einzeller in der Lage sind, aus Wasser und Kohlendioxid die Energie der Sonne in Form von Zuckern zu speichern. Diese Zucker dienen dazu, mithilfe anderer Stoffe aus der Natur wie Salzen, Luftstickstoff und Mineralien Eiweiss, Vitamine, Stärke, Lignin und andere Stoffe herzustellen. Die Nahrungsgrundlage für uns Menschen und alle Tiere stammt aus Pflanzen. «Ohne Pflanzen keine Nahrung und kein Futter!»
Wir alle haben die extreme Trockenheit und Hitze in diesem Jahr erlebt. In Gesprächen fallen Worte wie Steppe, Sahelzone, Übersterblichkeit, deprimierend, nicht so schlimm oder einmalig. Aus meiner Wahrnehmung liegt all diesen spontanen Reaktionen das Wort Hilflosigkeit zugrunde. In einer Gesellschaft, die technisch alles im Griff hat und wirtschaftlich unendlich wachsen muss, ist das verheerend. Die Medien, Politiker sowie Fachleute zeigen mit ihren Wörtern und Lösungsvorschlägen eigentlich nur eines: «Wir sind überfordert», aber sie dürfen sich das nicht eingestehen. Wenn ich lese, dass die Stadtbewohner am meisten unter der Hitze leiden, dann wurde das in einem klimatisierten Büro geschrieben, und der oder die Schreibende hat nie einen Wald an einem Südhang oder eine Fettwiese mit mehr Rissen im Boden als grünen Pflanzen gesehen.
Wenn SP-Politiker Klimaanlagen für Schulzimmer fordern, FDP-Politikerinnen schnell mehr AKW verlangen, Grüne sagen, sie hätten vor drei Jahren schon Lösungen vorgeschlagen, und SVP-Politiker meinen, die Trockenheit sei nicht so schlimm, dann ist das für mich reine Ideologie. Es ist kein Vorschlag zur Abwendung der Wassernot und der Überhitzung. Wenn Vertreter verschiedener Wirtschaftssektoren nach mehr Geld rufen, dann ist das Gewohnheit, aber keine Lösung. Geld können weder wir Menschen noch Tiere und Pflanzen trinken!
In der reichen Schweiz sind die Alp- und Viehwirtschaft, die Waldwirtschaft und die Energiewirtschaft vor grosse Probleme gestellt. Beim Ausbleiben von Niederschlägen sind die Sicherheit bei Naturgefahren sowie die Ernährungssicherheit infrage gestellt. Vermutlich sind diese Herausforderungen um einiges komplexer als die Sanierung eines maroden Regierungsgebäudes.
Die Pflanzen, unsere Ernährer, machen uns einiges vor. Bei Mangel reduzieren sie ihre Aktivität, um mit knappen Ressourcen umzugehen. Sie ziehen Nährstoffe in die Wurzeln zurück, werfen Blätter ab und produzieren mehr Samen. Bei der Produktion von Biomasse gilt in der Not: weniger ist besser, bei der Reproduktion: mehr ist besser. Wenn sie Samen produzieren und Nährstoffe in den Wurzeln einlagern, erhöhen sie die Wahrscheinlichkeit des Überlebens. Sie brauchen die Energie für das Wesentliche. Die Überlebensstrategien der Pflanzen sind so vielfältig, dass wir davon lernen könnten.
Aus meiner Sicht wäre es an der Zeit, Ruhe zu bewahren, den ideologischen Grabenkämpfen Einhalt zu gebieten und nach echten Lösungen zu suchen. Es ist sinnvoll, bei der Lösungssuche genauer hinzuschauen, wie die Pflanzen Probleme bewältigen, denn sie haben mit ihren Strategien das Leben von Mensch und Tier ermöglicht und werden vermutlich auch uns Säugetiere überleben.
Andres Klein ist Botaniker. Er lebt in Gelterkinden.

