«Der Niveauunterschied ist massiv»
12.06.2026 Sport, FussballIm Vorstand der AC Rossoneri ist Fabrizio Piras zwar nicht mehr, dennoch ist der Itinger immer noch für die Lausner im Einsatz. Beispielsweise als OK-Chef des internationalen Juniorenturniers Visam Sport Liestal Cup, das am Wochenende stattfindet.
Alan Heckel
...Im Vorstand der AC Rossoneri ist Fabrizio Piras zwar nicht mehr, dennoch ist der Itinger immer noch für die Lausner im Einsatz. Beispielsweise als OK-Chef des internationalen Juniorenturniers Visam Sport Liestal Cup, das am Wochenende stattfindet.
Alan Heckel
Wie kommt die AC Rossoneri als kleiner Verein dazu, ein internationales Turnier zu organisieren, an dem Clubs mit grossen Namen teilnehmen?
Fabrizio Piras: Das Turnier wurde ursprünglich von Visam Sport Liestal gemeinsam mit Partnervereinen aus der Region ins Leben gerufen. Da wir bereits seit vielen Jahren ein Partner von Visam Sport Liestal sind, wurden wir angefragt, ob wir die Austragung in Lausen übernehmen möchten. Nach einer kurzen Überlegung haben wir die Anfrage gerne angenommen.
Was waren die Gründe für die Zusage?
In Lausen bieten wir mit den Fussballplätzen und der Mehrzweckhalle Stutz eine hervorragende Infrastruktur sowie ausreichend Parkplätze. Der besondere Reiz liegt darin, hier im Oberbaselbiet auch Top-Mannschaften für unsere Veranstaltungen gewinnen zu können.
Welche Erinnerungen haben Sie an «Ihre» Premiere im Vorjahr?
Nur die besten. Es war ein sehr erfolgreiches Turnier, für das wir zahlreiche Komplimente erhalten haben. Das hat uns bestätigt, dass die Entscheidung richtig war. Besonders die Begeisterung der Juniorinnen und Junioren war unvergesslich und hat das Turnier zu etwas ganz Besonderem gemacht. Deshalb freut es uns, dass Visam Sport uns erneut das Vertrauen schenkt und das Turnier wieder bei uns stattfinden wird.
Weshalb hat es denn so gut geklappt?
Wir sind ein achtköpfiges Organisationskomitee, in dem jeder seine Aufgabe kennt. Das macht alles einfacher.
Aber wie bringt man als Dorfverein renommierte Clubs dazu, in die «Provinz» zu kommen?
Durch Beziehungen! Wir alle sind schon etwas länger in diesem Business und unterhalten gute und freundschaftliche Kontakte zu Vereinen wie dem FC Basel oder dem FC Concordia. Das hat uns Türen geöffnet.
In diesem Jahr sind mit Atalanta Bergamo und der US Cremonese zwei Nachwuchsteams von Serie-A-Clubs in Lausen. Was für Forderungen stellen diese Vereine?
Keine grossen. Ihre einzigen Bedingungen waren, dass auf Rasen gespielt wird und sie einen Leistungsvergleich, also Begegnungen gegen Schweizer Top-Teams wie den FCB, den FC Zürich und den FC Lugano, haben.
Ein Name, der ebenfalls heraussticht, ist der CF Andorinha.
Das ist ein kleiner Verein von der Insel Madeira, der deshalb bekannt ist, weil Cristiano Ronaldo dort sozusagen das Fussballspielen gelernt hat. Wir sind sehr froh, dass Ronaldos erster Club mit einem U10-Team an unserem Turnier dabei ist, schliesslich geht es neben dem Fussball auch darum, den Austausch zwischen Regionen und Kulturen zu fördern.
Am Visam Sport Liestal Cup wird in den Altersklassen U10/U11, U12 und U13 gespielt. Wie gross ist der Unterschied der Turnierteil- nehmer zu den E- und D-Junioren der regionalen Dorfvereine?
Der Unterschied ist massiv! Die Orientierung, das taktische Verhalten, die Ballbehandlung, die Rotation auf dem Platz – all das findet auf einem höheren Level statt. Dazu kommen die Ruhe am Ball, die taktische Ordnung und die Systemflexibilität – regionale Vereine haben gar nicht die Kapazitäten, das alles auf diesem Niveau zu trainieren. Deshalb muss man als Trainer eines Dorfvereins seine Junioren mental gut auf eine Begegnung gegen ein Topteam vorbereiten, damit es keine negative emotionale Erfahrung wird. Wenn es blöd läuft, kassierst du in den 15 bis 25 Minuten Spielzeit eine Packung. Aus diesem Grund sollte man mit der Einstellung ins Spiel gehen, dass es eine Ehre ist, gegen so eine gute Mannschaft spielen zu dürfen.
Werden Ausnahmetalente oder zukünftige Nationalspieler zu sehen sein?
Das ist schwer zu sagen, weil der Weg in den Profifussball noch lang ist. Atalanta Bergamo gehört allerdings seit Jahren zu den besten Vereinen Italiens, was die Nachwuchsabteilung betrifft. Deshalb würde ich es nicht ausschliessen.
Was ist sonst speziell am Cup?
Die Partien werden von richtigen Schiedsrichtern geleitet, beim Leistungsvergleich sind es sogar Trios. Zum Glück unterhalten wir gute Beziehungen zum Fussballverband Nordwestschweiz, denn es war gar nicht so einfach, die Unparteiischen zu organisieren, weil am Wochenende auch die Finalspiele im Basler Cup stattfinden.
Weshalb dieses Datum?
Der Termin wurde von den Teams gewünscht, weil es für sie die letzte Möglichkeit ist, in dieser Zusammensetzung zu spielen. Nach der Sommerpause wechseln viele Junioren in die höhere Altersklasse.
Worin besteht der Reiz, das Turnier als Zuschauerin und Zuschauer zu besuchen?
Man erhält den Vergleich zwischen den Top-Mannschaften und lernt zudem andere Fussballkulturen kennen. Beispielsweise wie sich Trainer aus Italien oder Portugal beim Coaching verhalten. Das Ganze findet zudem in einer mitreissenden Atmosphäre statt.
Wo steht der Schweizer Juniorenfussball im internationalen Vergleich?
Er muss sich definitiv nicht vor den grossen Nationen verstecken. Ich war kürzlich an einem Juniorenturnier in Mönchengladbach, weil mein Neffe im Nachwuchs des FC Concordia spielt. Gegen Teams wie Borussia Dortmund oder den FC Everton war man jedenfalls mehr als nur auf Augenhöhe.
Was wird abseits der Fussballplätze für die Besucherinnen und Besucher geboten?
Es wird wie im Vorjahr eine Gastrostrasse geben, wo man Hotdogs, Grilladen und andere Leckereien essen kann. Die AC Rossoneri ist in der Region für ihre gute Gastronomie bekannt: Beim Sponsorenapéro waren alle dermassen angetan, dass wir hinterher mehr Sponsoren hatten als bei der letzten Austragung! (lacht) Ausserdem wird die Sekundarschule Sissach Kuchen verkaufen, um Geld für ihre Abschlussreise zu sammeln. Die Schülerinnen und Schüler sind mit der diesbezüglichen Anfrage an uns herangetreten und wir haben selbstverständlich zugesagt. In der Sporthalle Stutz gibt es ausserdem ein Public Viewing von zwei WM Spielen, Kanada – Bosnien-Herzegowina heute und Schweiz – Katar morgen. Dazu sorgen die Band «I Falsi Miti» sowie ein DJ für musikalische Unterhaltung.
Wird es das Turnier auch 2027 geben?
Die Wahrscheinlichkeit ist hoch. Voraussetzung ist natürlich, dass wir genügend Sponsoren finden. Aber trotz des grossen Aufwands machen die Organisation und der Kontakt mit den grossen Vereinen sehr viel Spass. Wir haben auch schon einige neue Ideen, beispielsweise ein Vorqualifikationsturnier für Vereine aus der Region.
Visam Sport Liestal Cup
ah. An diesem Wochenende findet auf der Sportanlage Stutz und Bifang der Visam Sport Liestal Cup statt. Morgen Samstag startet um 9.30 Uhr das U12-Turnier, ab 15.30 Uhr steht der Leistungsvergleich der Top-Teams auf dem Programm. Am Sonntag geht es um 9.30 Uhr mit dem U13-Turnier weiter, das U10/U11-Turnier (Start: 13.40 Uhr) bildet den Abschluss. Die Spiele dauern zwischen 15 und 25 Minuten.
Bereits heute bestreiten der CF Andorinha, Virtus Liestal, der FC Liestal und die AC Rossoneri ein Mini-Turnier. In der Turnhalle Stutz gibt es heute Freitag und morgen Samstag Unterhaltung in Form von Live-Musik sowie eine Übertragung der WM-Spiele um 21 Uhr. Der Eintritt zum Visam Cup ist frei.


