Der Musikverein gedeiht seit 150 Jahren
19.03.2026 LampenbergBlick auf eine vielfältige Geschichte
Der Musikverein des kleinen Dorfs blickt auf eine lange und interessante Geschichte zurück. Alles begann mit ledigen Männern und ohne Uniformen. Doch der Verein entwickelte sich im Lauf der Jahre stetig weiter.
Hanspeter ...
Blick auf eine vielfältige Geschichte
Der Musikverein des kleinen Dorfs blickt auf eine lange und interessante Geschichte zurück. Alles begann mit ledigen Männern und ohne Uniformen. Doch der Verein entwickelte sich im Lauf der Jahre stetig weiter.
Hanspeter Thommen
Der Musikverein Lampenberg feiert dieses Jahr sein 150-jähriges Bestehen. Grund genug, sich diesen Verein genauer anzuschauen.
Nachdem es in näherer Umgebung schon ein paar Vereinsgründungen gegeben hatte – etwa des Musikvereins Bubendorf oder des Musikvereins Oberdorf –, fand Heinrich Wagner aus Lampenberg, es sei zu ruhig und zu langweilig in seinem Dorf. Er kaufte in einem Musikgeschäft in Basel für 750 Franken einige Blechblasinstrumente. Seinem Aufruf im Dorf folgten acht junge Burschen, die sich auf diesen Instrumenten versuchten. Ohne Unterricht ging das natürlich nicht.
Deshalb wurden Mathis und Marti Thommen aus Arboldswil verpflichtet. Doch nach kurzer Zeit gaben die beiden auf. Als Ersatz wurde Herr Klemm gefunden – ein arbeitsloser deutscher Musiker. Dieser brachte die jungen Männer rasch zu einem beachtlichen Können. Da im Dorf eine geeignete Lokalität fehlte, musste in Privathäusern geprobt werden. In den ersten Statuten des Vereins wurde festgehalten, dass nur ledige Männer Mitglied sein dürfen. Es wurde als nicht schicklich angesehen, wenn unverheiratete und verheiratete Männer im gleichen Verein spielten. Diese Regelung hatte zur Folge, dass gute Musiker nach einer Heirat austreten mussten. Erst 1923, also nach 47 Jahren, wurde diese Regelung aufgehoben.
Schon bald nach der Gründung gehörte es zum Programm des Vereins, dass die Musik in besseren Restaurants der Umgebung an Sonntagabenden aufspielte. Diese Auftritte brachten Geld in die Vereinskasse. Im Jahr 1919 wurde von den Mitgliedern im Restaurant Station Lampenberg zum ersten Mal ein Theaterstück aufgeführt. Die Theatertradition hält bis heute an.
Fasnachtsfreude
Mit 17 Mitgliedern nahm der Musikverein Lampenberg am 2. Mai 1926 zum ersten Mal an einem kantonalen Musiktag teil. Dieser fand in Oberdorf statt. Das gute Abschneiden veranlasste den Verein 1927 zum Beitritt zum Musikverband Baselland. Der Musiktag hatte noch eine weitere Wirkung auf den Verein. Da der erspielte Kranz am Fest nirgends befestigt werden konnte, wurde 1929 die erste Vereinsfahne angeschafft. Der Erfolg ermutigte zudem die jungen Musikanten zur erstmaligen Teilnahme an einem eidgenössischen Musikfest: 1935 in Luzern. Dort trat man immer noch in Zivilkleidung an. Als die Lampenberger die schmucken Uniformen der anderen Vereine sahen, mussten sie auch eine solche haben. 1937 wurde sie angeschafft.
Der Musikverein Lampenberg war nicht nur bekannt für seine gute Musik. Er nahm auch aktiv an der Fasnacht im Oberbaselbiet teil. Mit zwei Fasnachtswagen zogen die Mitglieder seit den 1930er-Jahren auf einer vorgegebenen Route durch die Dörfer. In Kostümen spielten sie lustige Stücke, trugen aber auch Schnitzelbänke vor. An dieser Art von Fasnacht beteiligten sich auch andere Vereine bis in die 1950er-Jahre.
Ehrenmitglied Ruedi Thommen erinnert sich, dass es in den 1950er- und 1960er-Jahren beim Musikverein Lampenberg Brauch war, zu kantonalen Musiktagen, wenn sie nicht gerade im Unterbaselbiet stattfanden, zu Fuss zu gehen. Dieser Marsch wurde notabene jeweils mitsamt Instrument unter die Füsse genommen. Man stelle sich vor, eine Basstuba von Lampenberg bis zum Beispiel nach Tenniken zu schleppen … Dabei halfen die jungen kräftigen Burschen den armen Bassisten beim Tragen.
Raclettestube
Fast 100 Jahre lang war der Musikverein Lampenberg eine reine Blechmusik. Zudem bestand die Mitgliedschaft ausschliesslich aus Männern. Beides änderte sich 1967. Erst wurden auch Damen in den Verein aufgenommen, danach wurde durch den Zuzug von Holzbläsern aus der Blechmusik eine Harmoniemusik.
Lange Zeit sorgte sich der Musikverein Lampenberg selbst um die Ausbildung des Nachwuchses. Bemerkenswert war vor allem die Leistung von Carmela Rinderspacher. Bei ihr gingen in einem Zeitraum von 30 Jahren viele Holzbläserinnen und -bläser in den Unterricht. Heute findet die Ausbildung zwar meist durch die Musikschule beider Frenkentäler statt. Doch gewisse Instrumente werden immer noch vom Verein selbst unterrichtet. Im Dorf hat der Verein nach wie vor einen grossen Stellenwert. Er ist in viele Anlässe in Lampenberg in irgendeiner Form involviert.
Wie feiert der Musikverein Lampenberg sein grosses Jubiläum? Auf Anfrage der «Volksstimme» nennt Präsidentin Sibylle Handschin, übrigens die erste Präsidentin des Vereins, zwei Anlässe. Am 28. März findet das Jubiläumskonzert statt. Erfreulicherweise ist dieses schon jetzt ausverkauft. In diesem Jahr feiert das Dorf Lampenberg seinen 800. Geburtstag. Zu diesem Anlass findet am 5. und 6. September ein Dorffest statt. Der Musikverein Lampenberg betreibt dort eine Raclettestube. Das Besondere daran ist, dass die benötigten Kartoffeln von den Vereinsmitgliedern selbst gepflanzt, betreut und geerntet werden. Das gibt richtig musikalische Kartoffeln. Neben eigener musikalischer Unterhaltung erhalten die Lampenberger am Fest auch Besuch von umliegenden Vereinen.
Bei so viel Herzblut darf man – neben den Kartoffeln – auch beim Verein auf ein gutes Gedeihen hoffen.



