Der «Holzegge» und seine Geschichten
17.04.2026 HölsteinMarco Deragisch arbeitet leidenschaftlich gern mit Holz
«Marco’s Holzegge» nennt sich jene Kleinwerkstatt, in der Holz zu attraktiven Gebrauchs- und Dekorationsgegenständen verarbeitet wird. Der Mann dahinter – Marco Deragisch – musste sich nach einem ...
Marco Deragisch arbeitet leidenschaftlich gern mit Holz
«Marco’s Holzegge» nennt sich jene Kleinwerkstatt, in der Holz zu attraktiven Gebrauchs- und Dekorationsgegenständen verarbeitet wird. Der Mann dahinter – Marco Deragisch – musste sich nach einem Unfall neu orientieren.
Elmar Gächter
«Holzegge». Kein anderer Begriff passt besser zu jenem Reich, in dem sich fast alles um Holz dreht. Ob die alte enge Holztreppe, die bei jedem Schritt ihr heimeliges Knarren ertönen lässt, oder der angenehme Duft von Arve, Fichte oder Ahorn, der den Besucher in der tadellos aufgeräumten Werkstatt empfängt. «Ja, meine grosse Leidenschaft ist das Holz; es zu verarbeiten begeistert mich seit vielen Jahren», sagt Marco Deragisch, der im Gebäude einer alteingesessenen Holzbaufirma in Hölstein seinen Traumstandort gefunden hat. Pfeffermühlen oder Kugelschreiber in verschiedensten Holzarten oder Schneidbretter und Duftkistchen erblicken in der Handwerkerstube das Licht der Welt.
Marco Deragisch ist ein Bergler aus der Surselva, aufgewachsen unterhalb des Lukmanierpasses auf über 1300 Metern, wo auch heute noch Rätoromanisch gesprochen wird. Er blickt gerne zurück, erzählt von seinem Grossvater, dem er in der Freizeit auf dem kleinen Landwirtschaftsbetrieb mit Ausmisten und «Hagen» zur Hand ging, und von seinen Sommern auf der Alp mit Mutterkühen und Geissen. Nach wie vor ist er verwandtschaftlich verbunden mit seinem Dorf, bedauert, dass das Kloster Disentis ihm die Pacht des geliebten Maiensässes gekündigt hat.
Wie sein Vater wandte er sich beruflich der Baubranche zu, lernte später seine heutige Frau aus dem Baselbiet kennen und zog mit ihr nach Liestal. Ein Schicksalsschlag lenkte sein berufliches Leben in völlig neue Bahnen. Bei der Rekrutierung für einen neuen Job stürzte er unglücklich von einer Leiter, sodass er wegen gebrochener Brustwirbel und einer lädierten Bandscheibe seinen Beruf als Maurer nicht mehr ausüben konnte. Holz hat es Deragisch seit seiner Jugend angetan, wohl auch ein bisschen beeinflusst von seinem Vater, der in seinem Erstberuf Schreiner war. Als Quereinsteiger und Autodidakt wagte sich Marco Deragisch im kleinen Hobbyraum in Liestal mit bescheidenen Gerätschaften an einfache Gebrauchsgegenstände. «Meine ersten Versuche gingen ein bisschen daneben, doch mit dem Besuch eines Drechselkurses und dem Kauf einer Drechselbank wurde mir die Vielseitigkeit des Holzbearbeitens immer klarer.»
In allen Formen
Seine Ideen holt sich der 41-Jährige online, er besucht regelmässig Warenmärkte und bietet dort seine Produkte an. Von jedem neuen Stück fertigt er eine detaillierte Skizze an – trotz KI-Zeiten handgezeichnet –, denn genaue Qualität ist für ihn unabdingbar. «Gerne kombiniere ich dabei verschiedene Hölzer. Am liebsten arbeite ich mit Arve, allein schon wegen des Dufts», so der Bündner. Gerne geht er auch auf besondere Wünsche seiner Kundschaft ein.
Er erwähnt die grosse Laterne und die Kopflaternen, die er für eine Liestaler Fasnachtsclique erstellen konnte. «Kürzlich wünschte sich eine Frau eine Urne aus Hartholz für ihre verstorbene Katze. Weil sie sich in der Zwischenzeit ein junges Tier zugetan hat, beauftragte sie mich gleich noch mit dem Bau einer Katzenstiege zu ihrer Wohnung im zweiten Stock», erzählt Deragisch mit einem Schmunzeln.
Über die Jahre hat er sich mehrere Standbeine aufgebaut wie Bilderrahmen, bei denen er dunkles und helles Holz kombiniert, Gravuren auf Holz, Leder oder Schieferplatten sowie das Schleifen von Küchenmessern und Scheren. «Jeder Tag in meiner tollen Werkstatt macht mir Freude, ein anderes Leben könnte ich mir nicht vorstellen», sagt er, auch wenn ihn noch immer tägliche Schmerzen an seinen schweren Unfall erinnern. Laufen und Wandern sind seine wichtigsten Therapien, selbst wenn es nur eine halbe Stunde am Tag durch den «Gugen» ist, jener Hügelhöhe in der Nähe seiner Wohnung in Hölstein.
Dass er auch als Autor unterwegs ist, erwähnt er nur am Rande. «La stria da Mutschnengia» heisst sein rätoromanischer Roman, von dem Teile bereits in einer Lokalzeitung erschienen sind. «Das Werk ist noch nicht ganz fertig», winkt er ab, als der neugierige Besucher Näheres erfahren möchte. Die «Hexe von Mutschnengia» verheisst schon im Titel spannende Geschichten aus dem gleichnamigen Weiler in der ehemaligen Heimat des Verfassers.

