Der Hitzesommer setzt den Viehhaltern zu
01.10.2026 BretzwilRund 200 Kühe und Rinder an der Regionalschau
Fast 200 Kühe und Rinder nahmen am Schönheitswettbewerb der Regionalschau auf dem Dorfplatz in Bretzwil teil. Es wurden vier Missen gekürt. Die Futtersituation ist für die Viehhalter eine Herausforderung, von ...
Rund 200 Kühe und Rinder an der Regionalschau
Fast 200 Kühe und Rinder nahmen am Schönheitswettbewerb der Regionalschau auf dem Dorfplatz in Bretzwil teil. Es wurden vier Missen gekürt. Die Futtersituation ist für die Viehhalter eine Herausforderung, von Notschlachtungen war aber nicht die Rede.
André Frauchiger
Die Vieh-Regionalschau in Bretzwil als freiwilligen Schönheitswettbewerb für Kühe und Rinder gibt es seit rund 25 Jahren. Vorher war die Teilnahme an der jährlichen Viehschau ein Muss – vorgeschrieben vom Kanton. Der Wettbewerb diente zur amtlich vorgeschriebenen Gesamtvermessung der Tiere, wie Christian Sutter, einer der Initianten der Viehschau von Bretzwil, gegenüber der «Volksstimme» erklärte.
Die diesjährige Regionalschau bei prächtigem Sommerwetter zeugte einerseits von einer eindrücklichen Organisation des Anlasses durch die Züchter und überzeugte andererseits mit besonders schönen Kühen und Rindern. 120 Tiere von den Rassen Fleckvieh, Red Holstein und Holstein und 67 Tiere der Rasse Braunvieh belegten den Bretzwiler Dorfplatz.
Viele Interessierte verfolgten die Prämierungen, die von den Richtern Marco Bettini aus Landquart und Niklaus Berger aus dem bernischen Burgistein vorgenommen wurden. Zu den Bewertungskriterien beim Schönheitswettbewerb gehören jeweils unter anderem das komplette Profil der Tiere, die Risthöhe, die Körperbreite, die Grösse und Form der Euter, die körperlichen Übergänge, die Feinheit der Glieder, die Kopfform und die Beinstellungen.
Die den Schönheitswettbewerb abschliessenden Misswahlen gewannen bei den einzelnen Rassen und Kategorien folgende Tiere: Hiro’s Hope P (Red Holstein, Züchter: Sven Roth, Beinwil), Meiender Avatar Avantika (Miss Schöneuter, Red Holstein, Züchter: Manuel Ender, Büsserach), Chrihol Kilian Sf Kischa (Miss Schöneuter, Swiss Fleckvieh, Züchter: Urban Christ, Erschwil), Swat Kolibri (Swiss Fleckvieh, Züchter: Kurt Mohler, Zunzgen). Die Ehrungen erfolgten unter grossem Applaus des Publikums.
Die gut genährten Kühe und Rinder an der Regionalschau Bretzwil haben gezeigt: Die Landwirte kümmern sich um ihre Tiere – auch in schwierigen Zeiten. Die durch den Hitzesommer stark beeinträchtigte Futtermittelproduktion setzt den Viehhaltern aber finanziell stark zu. Fehlendes Winterfutter muss teuer eingekauft werden.
Besorgt, aber nicht in Panik
Die an der Viehschau anwesenden Landwirte und Landwirtinnen zeigen sich über die anhaltende Trockenheit sehr besorgt und hoffen auf ausgiebige Niederschläge. Aber sie sind nicht in Panik, wie eine Befragung der «Volksstimme» in Bretzwil ergab. Bis anhin sind die Viehhalter beziehungsweise ihre Tiere einigermassen über die Runden gekommen, insbesondere auch dank eingekauftem Futter aus dem Elsass, aus Italien und aus Deutschland. Dabei handelt es sich vor allem um Silomais, der mit Kraftfutter anzureichern ist, damit die Tiere ausreichend Eiweiss in ihrer Nahrung haben. Geprüft würden zurzeit sogar Heu-Importe aus Kanada.
Notschlachtungen seien im Augenblick kein Thema, da dies für die betroffenen Landwirte mittel- bis langfristig auch grosse Einnahmenausfälle zur Folge hätte, hiess es. Denn weniger Kühe bedeuteten einen Rückgang bei der Milchproduktion und dadurch weniger Einkünfte durch den Milchverkauf.
Landwirt Ruedi Sutter, der mit seinem Sohn Michael den Hof Hinterberg in Bretzwil betreibt, ist auch als Treuhänder tätig und hat dadurch einen spezifischen Einblick in die schwierige finanzielle Gesamtsituation der regionalen Bauernbetriebe.
Zu den vom Bund angebotenen Unterstützungsgeldern für die Bauern infolge des teuren Futtereinkaufs sagt Sutter, dass das Geld nur geliehen sei und innert einer gewissen Frist zurückbezahlt werden müsse. Dies dürfte bei Landwirten zum Teil aber sehr schwierig, wenn nicht gar unrealistisch sein. Für seine eigenen Kühe und Rinder habe er ausreichend Futter zur Verfügung, erklärt Ruedi Sutter.
Gottfried Amport aus Bretzwil ist verhalten optimistisch. Für seine 35 Kühe und Rinder reiche das vorhandene Futter für die nächste Zeit. Die Tiere könnten auch wieder auf die Weide gelassen werden, obwohl das Grasangebot wieder recht karg sei.

