Der Exot, der zum Urgestein wurde
30.10.2026 Sport, EishockeyVerteidiger Stefan Dörig erreicht die Marke von 400 Spielen für ZS
Einst kam Stefan Dörig zufällig zum EHC Zunzgen-Sissach. Am vergangenen Freitag hat der 39-Jährige gegen Rheinfelden sein 400. Spiel für die Oberbaselbieter absolviert. Ein Karriereende ist ...
Verteidiger Stefan Dörig erreicht die Marke von 400 Spielen für ZS
Einst kam Stefan Dörig zufällig zum EHC Zunzgen-Sissach. Am vergangenen Freitag hat der 39-Jährige gegen Rheinfelden sein 400. Spiel für die Oberbaselbieter absolviert. Ein Karriereende ist für den Berufsschullehrer nicht in Sicht.
Thomas Ditzler
1.-Liga-Eishockey, die Schliessung der «Kunsti» wegen des einsturzgefährdeten Dachs und der Meistertitel in der 2. Liga. Kaum ein Spieler im Kader des EHC Zunzgen-Sissach hat derart viele Höhen und Tiefen im Dress der Oberbaselbieter erlebt wie Stefan Dörig. Der gebürtige Flawiler galt mit seinem Ostschweizer Dialekt einst als Exot. Heute ist der 39-jährige Verteidiger aus der ersten Mannschaft von Zunzgen-Sissach kaum mehr wegzudenken. Das Regional-Derby gegen den EHC Rheinfelden vergangene Woche war Dörigs 400. Wettbewerbsspiel.
Dass ihn sein Weg vor rund 20 Jahren nach Sissach führte, war Zufall. «Für das Sport- und Biologiestudium kam ich von der Ostschweiz nach Basel. Trotzdem wollte ich weiterhin 1.-Liga-Eishockey spielen und schaute mich in der Region nach einem Verein um», erinnert sich Stefan Dörig. Ohne Bezug zum Verein und zur Region landete er auf die Saison 2007/08 hin beim EHC Zunzgen-Sissach.
Schwierige 1.-Liga-Zeiten
Sein erstes Meisterschaftsspiel mit ZS bestritt Dörig Ende September 2007 auswärts gegen den SC Unterseen-Interlaken. An das Resultat – eine 1:5-Niederlage – könne er sich nicht mehr erinnern, an das Spiel hingegen schon: «Die Atmosphäre in der Eishalle in Unterseen war für mich damals sehr eindrücklich.» Nach der Auswärtsniederlage folgte im ersten Heimspiel eine 0:10-Klatsche gegen Wiki-Münsingen. «Wir erlebten damals eine schwierige Zeit und spielten in der 1. Liga oft gegen stärkere Mannschaften», erinnert er sich.
Nach 19 Saisons fühlt sich Dörig im Oberbaselbiet längst zu Hause. «Wenn ich von Heimat spreche, dann meine ich hier.» Dies zeigte sich auch nach der gemeinsamen Weltreise 2015/16, als Dörig und seine Frau entschieden, wo sie sich niederlassen wollten. «Meine Frau stammt aus Uri und ich aus der Ostschweiz. Trotzdem war für uns klar, dass wir hierhin zurückkehren.» Im Oberbaselbiet hätten sie bereits Freunde und ein soziales Umfeld gehabt. «Das verdanke ich zum grossen Teil Zunzgen-Sissach», betont Dörig.
Schweizweit in den Schlagzeilen
Dazu beigetragen haben unter anderem Geschichten wie der überraschende Heimsieg gegen die Huttwil Falcons im November 2009 zu 1.-Liga-Zeiten: «Ein besonderes Erlebnis», wie Dörig rückblickend sagt. Der 4:3-Sieg im Penaltyschiessen sorgte schweizweit für Schlagzeilen: «Huttwil dominierte die Liga und wir konnten dem Favoriten ein Bein stellen. Das war eine riesige Sache.» In Erinnerung geblieben sei ihm auch die Geschichte um das Dach der Kunsteisbahn, als lange unklar war, wie es weitergehen würde. Weil er weiterhin 1.-Liga-Eishockey spielen wollte, schnürte er seine Schlittschuhe in der Saison 2013/14 für den EHC Basel/KLH, ehe er nach einer Saison zu «seinem» Zunzgen-Sissach zurückkehrte.
Mit 39 Jahren zählt Stefan Dörig zu den ältesten Spielern im ZS-Kader. Einzig Stürmer Marc Niederhauser ist noch älter. Der Übername «Papa Dörig», den er im Team trägt, kommt für den Familienvater und Berufsschullehrer nicht von ungefähr. «Er lebt unsere Werte auf und neben dem Spielfeld sehr vorbildlich», lobt ZS-Trainer Lukas Kamber seinen Schützling. Dörig sei der ruhige Pol, «ihn bringt nichts aus der Ruhe». Kamber schätzt zudem die Erfahrung und Qualitäten, die Dörig ins Team bringe. «Er verkörpert das, was man sich als Trainer von einem Teamplayer wünscht», so Kamber.
Seine Ruhe strahlt Stefan Dörig auch auf dem Eis aus: «Als Verteidiger gehört es zu meinen Aufgaben, den Torhüter zu schützen und die Gegner aus dem Weg zu räumen. Ich bin aber kein Typ, der den Faustkampf sucht.» Es bringe das Team nicht weiter, wenn alle auf dem Eis die Beherrschung verlieren: «Gerade in schwierigen Situationen braucht es Spieler, die einen kühlen Kopf bewahren. Dann musst du dich auf deine Aufgabe konzentrieren und darfst dich nicht ständig mit Gegner oder Schiedsrichter beschäftigen.» Der erfahrene Verteidiger hat in seiner langen Karriere schon einiges erlebt. «Das Niveau, das wir zu 1.-Liga-Zeiten hatten, ist mit der heutigen 2. Liga vergleichbar.» Der Sport sei viel schneller geworden und habe an Qualität gewonnen. «Als ich einst mit den Pikes Oberthurgau in der 2. Liga spielte, war das Niveau längst nicht so hoch wie heute», sagt er.
Nachwuchs folgt «Papa Dörig»
Das Eishockey hat sich zwar verändert, Stefan Dörig ist seinem Sport und dem Verein aber treu geblieben. Vor seinem 401. Einsatz im Spitzenspiel gegen den EHC Sursee morgen sagt der Routinier: «Es ist schön, wenn du so viele Spiele für einen einzigen Verein bestreiten darfst. Dass es bereits 400 Meisterschaftsspiele sind, war mir nicht bewusst», sagt er und lacht. Auch nach 20 Jahren ist Eishockey für ihn die beste Sportart: «Es ist schnell, intensiv und unglaublich faszinierend.»
Ohne sein Umfeld wäre eine solche Karriere nicht möglich gewesen, betont Dörig. Umso dankbarer sei er, dass er seinem Hobby weiterhin nachgehen könne. Während «Papa Dörig» weiter auf Aktiv-Niveau verteidigt, steht die nächste Generation bereits in den Startlöchern: «Zu sehen, mit wie viel Freude unsere drei Buben Eishockey spielen, macht riesigen Spass.»
Wie lange er noch im ZS-Fanionteam spielen wird, lässt Dörig offen. «Ob nach dieser Saison Schluss ist oder ich noch ein paar Jahre anhänge, wird sich zeigen.» Auch wegen des grossen Aufwands für den Sport sei das Karriereende ein Thema. «Irgendwann wird die Zeit zu Ende sein, das ist völlig in Ordnung. Ich spiele so lange, wie ich körperlich mithalten kann und Freude daran habe.» Dazu beigetragen haben der Zentralschweizer-Meister-Titel und der Schweizer-Meister-Titel in der 2. Liga in den vergangenen drei Saisons: «Diese Erfolge waren unbeschreiblich.»
Nach dem Karriereende dürften ihm vor allem das Garderobenleben und die sportliche Herausforderung fehlen. Noch ist es nicht so weit. Dörigs Ehrgeiz ist ungebrochen: «Nach dem Titel im Vorjahr wollen wir diesen unbedingt verteidigen.» Bei Spiel 401 wird seine ZS-Karriere morgen also noch lange nicht enden.
Zur Person
td. Die Eishockeykarriere von Stefan Dörig begann beim EHC Uzwil, wo der heute 39-Jährige in der Saison 2005/06 auch seine ersten Spiele als Aktiver bestritt. Für das Studium zog es ihn anschliessend nach Basel. In der Saison 2007/08 lief er erstmals für ZS auf. Abgesehen von einem kurzen Abstecher zum EHC Basel/KLH (2013/14) und einer Weltreise (2015/16) blieb er dem Verein seither treu. Dörig ist Berufsschullehrer und lebt mit seiner Familie in Sissach.


