Der eine geht, der andere kommt
06.11.2026 RümlingenPfarrer Michael Schaar ist der Nachfolger von Markus Enz
In der Reformierten Kirchgemeinde Rümlingen-Läufelfingen gibt es einen Wechsel: Pfarrer Markus Enz tritt nach 33 Jahren zurück, sein Nachfolger wird Michael Schaar. Die «Volksstimme» hat die beiden zum ...
Pfarrer Michael Schaar ist der Nachfolger von Markus Enz
In der Reformierten Kirchgemeinde Rümlingen-Läufelfingen gibt es einen Wechsel: Pfarrer Markus Enz tritt nach 33 Jahren zurück, sein Nachfolger wird Michael Schaar. Die «Volksstimme» hat die beiden zum Gespräch getroffen.
André Frauchiger
Sie sitzen beim Gespräch mit der «Volksstimme» einander gegenüber – im Büro des alten, malerischen Pfarrhauses in Rümlingen: Markus Enz und sein Nachfolger im Pfarramt Rümlingen-Läufelfingen, Michael Schaar. Die beiden Männer haben völlig unterschiedliche Lebensläufe. Aber viele Ansichten, die sie teilen. Beide sind aus innerer Überzeugung Pfarrer geworden. Der seelsorgerische Dienst sowie Zeit haben für die Menschen und die Gottesdienste sind ihnen besonders wichtig.
Enz absolvierte ursprünglich eine Lehre als Landwirt. Er sah für sich wegen des Strukturwandels in der Landwirtschaft aber keine Zukunft in diesem Beruf. In ihm reifte der Wunsch, Theologe zu werden. Auf dem zweiten Bildungsweg studierte er dann Theologie in Basel, Rom und Paris. 1993 übernahm er das Pfarramt in Rümlingen, zu dem auch Buckten, Häfelfingen, Känerkinden, Wittinsburg und Sommerau gehören. Später übernahm er zusätzlich auch das Pfarramt der Kirchgemeinde Läufelfingen. Mit seinem Team von Mitarbeiterinnen und vielen Freiwilligen bewältigte er in all den Jahren die vielen Aufgaben, die in der Kirchgemeinde Rümlingen-Läufelfingen anfielen.
Er wird Ende dieses Jahres in Pension gehen, aus dem Pfarrhaus in Rümlingen ausziehen und damit seinem Nachfolger, Michael Schaar, Platz machen. Dass ihm das Ausziehen nicht gerade leicht fällt, gibt er offen zu. Seine beiden Kinder sind hier aufgewachsen. Aber alles hat seine Zeit, wie er mit einem leichten Lächeln anfügt.
«Heimweh nach der Schweiz»
Michael Schaar, Jahrgang 1977, wurde in Hannover geboren. Seit seiner Kindheit habe er Pfarrer werden wollen – beeinflusst durch seinen Ortspfarrer und eine begeisterte Religionslehrerin, betont er. Nach dem Abitur studierte er Theologie, Englisch und Pädagogik in Bielefeld, Göttingen, Greifswald und im Rahmen eines Studienaufenthalts in den Vereinigten Staaten. Nach dem Studium zog es ihn für das Lernvikariat in die Schweiz, nach Zürich zur Citykirche «Offener St. Jakob». Er sammelte Erfahrungen in der Seelsorge, auch im Problemquartier um die Langstrasse. Im Jahr 2006 wurde er in Zürich ordiniert und trat eine Pfarrstelle im Zürcher Weinland an. Die dortige Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen im ländlichen Raum schätzte er sehr.
Zehn Jahre später übernahm er die Leitung des Pilgerzentrums St. Jakob in Zürich. Als «Pilgerpfarrer» entwickelte er Angebote für Menschen, die auf der Suche nach Spiritualität, Orientierung und Sinn sind. Zu seinen dortigen Aufgaben gehörten auch Gruppenpilgerreisen im In- und Ausland. Er war in dieser Zeit zudem Dozent des Evangelischen Theologiekurses, Mitglied des Kirchenparlaments und Stiftungsrat eines Altersheims. Anschliessend zog es ihn für drei Jahre nach Deutschland – als Leiter der Evangelischen Telefonseelsorge in München. Bereits nach drei Jahren hatte er aber, wie er betont, «Heimweh nach der Schweiz». 2024 trat er in die Dienste der Berner Kirche und übernahm die spezifische Aufgabe als Personalentwickler.
Ihm fehlte in dieser Stelle aber die eigentliche Seelsorge, das Halten von Gottesdiensten – und der Dienst am Mitmenschen, wie er erklärt. Da fiel ihm die ausgeschriebene Pfarrstelle für Rümlingen und Läufelfingen auf. Ihm gefiel insbesondere, dass die Stelle auch in einem «Werbefilm» vorgestellt wurde, der einen vertieften Einblick in die zu erfüllenden Aufgaben ermöglichte.
Klare Vorstellungen
Wo steht die Kirche heute? Was muss verändert werden, um mehr Menschen von der Institution Kirche zu überzeugen? Die beiden Pfarrer sind sich einig: Die Kirchen müssen näher zu den Menschen gehen, ihre Sorgen und Nöte wahrnehmen. Von Mensch zu Mensch.
Für Markus Enz ist zum Beispiel das regelmässig stattfindende Friedensgebet, das als Folge des Krieges in der Ukraine in der Gemeinde ein Bedürfnis war und inzwischen zu einer «festen Grösse» geworden ist, eine wichtige Aufgabe für die Kirche. Oder soziale Aufgaben, die vermehrt aus Kostengründen vom Staat an Private abgegeben werden. Hier sieht er spezifische Aufgaben für die Kirche. Als «Flaggschiff» bezeichnet Enz die aktive Kinder- und Jugendarbeit in der Gemeinde. Aber auch Lager-Weekends mit Jugendlichen sowie, in Zusammenarbeit mit der Spitex, einwöchige Seniorenferien. Diese Angebote seien sehr beliebt.
Die Kirche müsse aber davon absehen, die Menschen in irgendeiner Form zu «bespassen» in der Hoffnung, damit mehr Leute für die Kirche zu gewinnen, warnt Enz. Das könne nicht funktionieren. Die Kirche müsse vielmehr gegenüber den Menschen in den verschiedenen Lebenslagen «einfach offen» sein. Gezielte Seelsorge, aber auch überzeugende Predigten in Gottesdiensten seien sehr wichtig. Die Musik, darunter auch die Kammermusik und die musikalischen Vorträge des Kirchenchors, spiele in der Kirchgemeinde ebenfalls eine wichtige Rolle, erklärt Pfarrer Enz. Er bedauert, dass die Bedeutung der Gottesdienste in der Kirche abnimmt.
Beide Pfarrer sind überzeugt, dass es die Kirche auch in 20 Jahren geben wird. Voraussetzung hierfür seien engagierte Menschen. Michael Schaar sieht in der ländlichen Umgebung grundsätzlich gute Chancen für kirchliches Leben, denn die Menschen stünden einander in der Regel näher als in der Stadt. Das habe er vor allem bei seiner Stelle im Zürcher Weinland erfahren. Michael Schaar: «Wir können mit der Bevölkerung zusammen sein und dabei alle noch viel lernen. Die Menschen sollen sich in ihrem Dorf und in der Kirche wohlfühlen.» Dies sei Überzeugung, Wunsch und Ziel zugleich.
Schaar wurde von der Kirchgemeindeversammlung am 20. Juli dieses Jahres nominiert und wurde nach sechs Wochen in stiller Wahl, also ohne Urnengang, ins Amt gehoben. Er wird sein neues Pfarramt offiziell am 1. Dezember antreten. Den ersten Gottesdienst wird er aber bereits am Sonntag, 29. November, also am 1. Adventssonntag, leiten.
Abschiedsgottesdienst am Sonntag
fra. Übermorgen Sonntag, 8. November, findet um 14 Uhr in der Kirche von Rümlingen der Abschiedsgottesdienst für Pfarrer Markus Enz statt. Zwei ihm nahe stehende Pfarrerinnen werden die Liturgie leiten. Auch er wird zu Wort kommen. Mehr möchte er aber im Vorfeld nicht verraten. Nur noch dies: Es wird auch viel Musik geben.

