Den Inselsammler packt das Reisefieber
11.06.2026 SissachHeute stellt Hanspeter Gsell den ersten Band von «Ferne Welten» vor
Nach Abstechern zum Krimi und zum Ratgeber fürs Fliegen kehrt Hanspeter Gsell in seine Domäne zurück, zu seinen eigenwilligen Reisereportagen. Der Autor, Weltenbummler und Inselsammler berichtet ...
Heute stellt Hanspeter Gsell den ersten Band von «Ferne Welten» vor
Nach Abstechern zum Krimi und zum Ratgeber fürs Fliegen kehrt Hanspeter Gsell in seine Domäne zurück, zu seinen eigenwilligen Reisereportagen. Der Autor, Weltenbummler und Inselsammler berichtet in zwei Bänden unter dem Titel «Ferne Welten».
Jürg Gohl
Seit einigen Jahren gehört Hanspeter Gsell der Geschäftsleitung des «Tourism Board of Yap» an. Yap? Das ist die Hauptinsel einer mikronesischen Inselgruppe. Sie ist halb so gross wie der Bezirk Waldenburg und zählt gleich viele Bewohner wie Oberdorf und Niederdorf zusammen. Die hohe Ehre wurde dem Autor aus Sissach bei einem früheren Besuch der kleinen Insel zuteil, auf der die Regenbogen «füdliflach» sind, ausnahmslos alle Männer Bast-Handtaschen für ihre belämmernden Kau-Nüsse tragen, die beim Ausspucken wiederum schrecklich anzuschauende rote Flecken hinterlassen.
Yap, so erfahren wir weiter, widersetzt sich sehr erfolgreich allen Zivilisierungsversuchen wie beispielsweise Strom oder Brücken, welche die Inseln verbinden sollen. Die Subventionen sind irgendwo versandet. Anstelle von Euro oder Dollars wird mit Steingeld bezahlt, und die Geschichte des Iren David Dean O’Keefe, der 1872 diese Insel entdeckte und dort die Tochter des Häuptlings heiratete, wurde sogar mit Burt Lancaster in der Hauptrolle verfilmt.
Vielleicht fühlt sich der Sissacher Autor «seiner» Insel gegenüber speziell verpflichtet. Jedenfalls erfahren wir von den meisten seiner Inseln, die er später beschreibt, nicht ganz so viel wie von dieser ersten. Doch sie dient als ideales Beispiel dafür, wie er in seinem neuesten Buch mit dem Titel «Ferne Welten» vorgeht: Zum einen handelt es sich um einen Reiseführer, der in höchst unterhaltsamer Prosa historische Fakten, touristische Attraktionen und volkskundliche Besonderheiten vermittelt. Zum anderen sind in unzähligen Kapitelchen Anekdoten wiedergegeben, die das Ehepaar Gsell auf seiner Reise durch Mikronesien, Polynesien und Melanesien im Winter 2024/25 erlebte. Bei den Inselreisen wird auch tüchtig Seemannsgarn gesponnen.
«Volksstimme»-Leserinnen sind mit dem humorvollen Stil des Kolumnisten mit seinem Hang zum Überzeichnen bestens vertraut. Schmunzeln kommt nie zu kurz beim «Inselsammler», wie er sich selber bezeichnet.
Seine zynische Seite
Eher ungewohnt ist indes seine zynische Seite. Beim Lesen lässt es niemanden unberührt, wenn er schildert, wie die jeweiligen Länder, die gerade «Besitzer» einer dieser Inseln waren, herablassend mit der Bevölkerung umsprangen und wie sie umsiedelten, um ungehindert ihre Atomtests durchzuführen. Er klagt an, wenn andere diese Bewohner «zivilisieren» wollen. Aus jeder Zeile ist herauszulesen, wie Hanspeter Gsell diesen Gruppen mit all ihren Eigentümlichkeiten grosse Sympathien und Respekt entgegenbringt und sich nie in die Rolle des weisen, weissen Westlers wirft.
Ausgehend von Mikronesien über Malaysia, Borneo, die Molukken zurück nach Yap nimmt uns der Autor mit auf seine Reise, die er im fast 300 Seiten umfassenden Buch beschreibt. Diese sind in acht Kapitel gegliedert, die er mit Reportagen überschreibt. Diese Bezeichnung gibt den Stil des verfassten Textes treffend wieder.
«Ferne Welten» ist das elfte Buch aus seiner Feder. Zu seiner Bibliografie zählen Kolumnen-Sammlungen, der skurrile Krimi «Seelenfänger», der, oh Wunder, auf einer Südsee-Insel spielt, oder zuletzt ein amüsanter Ratgeber für Flugzeug-Passagiere. Zudem schrieb Hanspeter Gsell unter dem Titel «Wo die Kühe Hüte tragen» die Erlebnisse eines Onkels in Afrika um. Hinzu kommen verschiedene Reisereportagen. Reisen und Fernweh dominieren.
Im kommenden Jahr macht der Ostschweizer aus Sissach das Dutzend voll. Dann lässt er dem ersten Band über «Ferne Welten» den zweiten folgen. Aufgeteilt in sieben weitere Reportagen liefert der frühere Musiker, Weinhändler und Wirt die Fortsetzung nach. Die in Yap begonnene Reise wird, so viel sei verraten, in der Karibik enden.

