Dem Willen des Volkes gerecht geworden
03.11.2026 KienbergGenossenschaftlicher Wohnraum ist bezugsbereit – vier von sechs Wohnungen vermietet
Die Baugenossenschaft Kienberg stellte am Samstag ihr neues Wohnhaus vor. Die Besuchenden liessen sich davon überzeugen, dass es sich in den neuen Wänden an der Hübelistrasse gut leben ...
Genossenschaftlicher Wohnraum ist bezugsbereit – vier von sechs Wohnungen vermietet
Die Baugenossenschaft Kienberg stellte am Samstag ihr neues Wohnhaus vor. Die Besuchenden liessen sich davon überzeugen, dass es sich in den neuen Wänden an der Hübelistrasse gut leben lässt. Das Objekt, das viele Hürden nehmen musste, bereichert das Dorf.
Otto Graf
«Es fehlen nur noch die Fensterläden. Dann sind die Bauarbeiten an unserem Sechsfamilienhaus abgeschlossen», stellte Ruedi Bienz, Präsident der Baugenossenschaft Kienberg, anlässlich des Tags der offenen Tür am vergangenen Samstag fest. Der Aufruf zum Besichtigen der Räumlichkeiten der auf drei Stockwerke verteilten 2,5-, 3,5- und 4,5- Zimmer-Wohnungen löste ein grosses Echo aus.
Die Besuchenden, darunter viele Mitglieder der Genossenschaft, kamen zum Schluss, dass hervorragende Arbeit geleistet und das Geld richtig eingesetzt wurde. Dabei sah es anfänglich gar nicht nach einem Happy End aus, wie Bienz weiter berichtete und die wechselvolle Geschichte des Hauses aufrollte. Vor mehr als 30 Jahren erstand die Gemeinde Kienberg an der Hübelistrasse neben der Kirche ein grosses Grundstück mit einem alten Wohnhaus, das bis vor etwa zehn Jahren als Asylunterkunft diente.
Die Pläne, dort ein neues Feuerwehrmagazin zu bauen, mussten unter anderem auf Geheiss der Gebäudeversicherung des Kantons Solothurn fallengelassen werden. Dann setzte der Gemeinderat eine Arbeitsgruppe mit dem Auftrag ein, zu eruieren, wie das Areal angesichts der knappen Finanzen genutzt werden kann.
An einem Informationsanlass kam zum Ausdruck, dass ein Verkauf der Liegenschaft für die Bevölkerung nicht infrage kommt. Im Gegenteil: Eine Baugenossenschaft sollte aufgrund einer bereits vorhandenen Studie ausloten, wie den Erwartungen des Volkes Rechnung getragen werden kann, damit die Parzelle unter der Kontrolle der Gemeinde verbleibt und nicht zum Spekulationsobjekt Aussenstehender wird.
Im zweiten Anlauf gesichert
Folglich wurde im Juni 2022 eine Baugenossenschaft mit dem Ziel gegründet, das alte Haus abzubrechen und an dessen Stelle gemeinnützigen und erschwinglichen Wohnraum zu schaffen. Nun stand die Genossenschaft vor der Herkulesaufgabe, die veranschlagten Baukosten, die wegen der coronabedingten Verzögerungen von 2,6 Millionen Franken auf 2,9 Millionen Franken stiegen, auf ein tragbares Niveau zu senken und die Finanzierung zu sichern.
Beides gelang schliesslich. Doch die Suche nach einem Generalunternehmer und einem Kreditinstitut und weiteren finanziellen Ressourcen erwies sich als komplexe Angelegenheit, wie Bienz hervorhob. Unzählige Anfragen endeten mit Absagen. Schliesslich fand die Genossenschaft in der Husner Holzbau AG in Frick als Generalunternehmung und in der Freien Gemeinschaftsbank Genossenschaft Basel zwei Partnerfirmen, die mit Herzblut hinter dem überarbeiteten Projekt standen.
Mit dem von den Genossenschafterinnen und Genossenschaftern einbezahlen Anteilen, Darlehen einer Stiftung des Bundes und von Privaten sowie einer Bank-Hypothek stand die Finanzierung. So konnte der Baurechtsvertrag im April 2024 der Gemeindeversammlung vorgelegt werden – und scheiterte unerwartet. Als Gründe nannte Bienz den zahlenmässig sehr starken Aufmarsch der Gegnerinnen und Gegner an der Gemeindeversammlung.
Doch Gemeinderat und Genossenschaftsvorstand liessen sich durch den Rückschlag nicht beirren. Ein halbes Jahr später hiess die Versammlung den Vertrag im zweiten Anlauf mit Zweidrittelsmehrheit doch noch gut. Dieser räumt der Genossenschaft das Recht ein, auf einem genau definierten Areal von rund zehn Aren ein Wohnhaus zu bauen und zu betreiben.
Im Sommer vergangenen Jahres begannen die Bauarbeiten. Gemeindepräsidentin Adriana Marti-Gubler und Vertreter der an der Planung, am Bau und der Finanzierung beteiligten Firmen würdigten das Werk. Genossenschaft und Gemeinde hätten dank der Zusammenarbeit das bekommen, was sie erhofft haben: Ein Haus für die Kienbergerinnen und Kienberger, das zum Dorf passt. Vier der sechs Wohnungen sind bereits vermietet und für zwei Einheiten stehen Interessierte auf der Liste.

