Verbundfeuerwehr dürfte bald in Stützpunktfeuerwehr aufgehen
Der Verbundfeuerwehr Delta fehlt es an Nachwuchs und Führungskräften. Das stellt die Gemeinden Böckten, Diepflingen und Thürnen vor Herausforderungen. Nun haben die Verantwortlichen eine Lösung ...
Verbundfeuerwehr dürfte bald in Stützpunktfeuerwehr aufgehen
Der Verbundfeuerwehr Delta fehlt es an Nachwuchs und Führungskräften. Das stellt die Gemeinden Böckten, Diepflingen und Thürnen vor Herausforderungen. Nun haben die Verantwortlichen eine Lösung mit «Sissach» gefunden.
Janis Erne
Es war eine brenzlige Situation: Am 22. Juni brach in einem Mehrfamilienhaus in Thürnen mitten in der Nacht ein Brand aus – ein Teil des Gebäudes stand in Flammen. Die Bewohner konnten das Haus selbstständig verlassen, doch eine Person wurde verletzt. Die angerückten Feuerwehrleute verhinderten Schlimmeres und konnten den Brand löschen.
Seit mehr als 20 Jahren sorgt in Böckten, Diepflingen und Thürnen eine Verbundfeuerwehr für die Sicherheit der insgesamt rund 3200 Einwohnerinnen und Einwohner. Wie lange noch, ist jedoch unklar. Denn die Feuerwehr Delta kämpft – wie viele andere Korps im Kanton – mit einem Nachwuchsproblem und einer Überalterung ihrer Kaderleute.
«Die Korpsgrösse von 35 Leuten reicht gerade noch so, doch wir haben zu wenig Offiziere», erklärt «Delta»- Kommandant Simon Buser. «Fallen ein bis zwei Führungskräfte aus, wird es schnell eng bei der Einsatzplanung», ergänzt Dieter Wüthrich, Präsident des Feuerwehrrats und Diepflinger Gemeindepräsident. Auch beim Tagespikett gebe es Engpässe, da die meisten Mitglieder neben der Feuerwehr weitere Verpflichtungen haben: Sei es die Familie, der Beruf, Hobbys oder Vereinsmitgliedschaften.
Daher wird «Delta» ab 2027 enger mit der Stützpunktfeuerwehr Sissach zusammenarbeiten. Diese ist für die Gemeinden Sissach, Itingen, Nusshof, Zunzgen und bald auch Wintersingen zuständig und übernimmt darüber hinaus Aufgaben für das gesamte Oberbaselbiet. «Delta» und «Sissach» haben eine Vereinbarung für eine «vertiefte Zusammenarbeit» unterzeichnet. Die Basellandschaftliche Gebäudeversicherung (BGV), die das Feuerwehrwesen im Kanton beaufsichtigt, hat der Kooperation laut Dieter Wüthrich bereits zugestimmt.
Simon Buser sagt dazu: «Wir arbeiten schon länger zusammen, zum Beispiel auch bei der Regionalen Jugendfeuerwehr, doch nun intensivieren wir die Kooperation nochmals ein Stück.» Ein wesentlicher Teil der vertieften Zusammenarbeit werden gemeinsame Übungen und Einsätze sein, erläutert der Kommandant. «Delta» rücke bei Ereignissen in ihrem Gebiet aus, und Sissach unterstütze bei Bedarf.
Im kommenden Jahr wird die Verbundfeuerwehr sicher noch eigenständig bleiben. Was danach kommt, ist offen. Eine Integration in die Stützpunktfeuerwehr Sissach ist geplant, auch wenn noch keiner der direkt Beteiligten diesen Schritt als beschlossene Sache bezeichnet. Zunächst müssten ohnehin Verträge ausgearbeitet und diese den Gemeindeversammlungen der betroffenen Dörfer vorgelegt werden.
«Ein Zeichen der Zeit»
Simon Buser will noch bis Ende 2027 «Delta»-Kommandant bleiben. Er hängt aber vielleicht noch ein Jahr an, falls bis dahin keine Nachfolge gefunden wird, wie der 43-Jährige sagt. Könnte er wünschen, würde er die Verbundfeuerwehr in Böckten, Diepflingen und Thürnen beibehalten. Doch er sehe, dass es zunehmend schwierig wird, die erforderliche Einsatzstärke aufrechtzuerhalten. «Wichtig ist, dass wir uns jetzt Gedanken machen und nicht erst, wenn es fünf nach zwölf ist.» Das sieht auch Feuerwehrratspräsident Dieter Wüthrich so, der in seiner ersten Zeit im Diepflinger Gemeinderat noch die Gründung der Feuerwehr Delta begleitet hatte: «Die gesellschaftliche Entwicklung zwingt uns zu neuen Modellen. Grössere Verbünde sind ein Zeichen der Zeit.»
Unabhängig von der Organisationsform dürfte für die Bevölkerung letztlich entscheidend sein, dass die Feuerwehr auch in Zukunft rasch und zuverlässig Hilfe leisten kann – so wie beim Brand im vergangenen Juni in Thürnen oder beim Inferno im Sommer 2022 in Diepflingen, als eine Zimmerei, eine Autowerkstatt, eine Wohnung und das Axova-Lager niederbrannten (siehe Bild).