David gegen Goaliath
27.08.2026 SportFür viele Amateurfussballerinnen und -fussballer ist es der Karriere-Höhepunkt: ein Cup-Spiel gegen ein Team aus der höchsten Liga. Das ist mehr als bloss ein Match, der ganze Verein ist auf den Beinen, alle organisieren, planen und machen ein grosses Fest daraus. Wie zuletzt der FC Liestal, der die Berner Young Boys auf dem «Gitterli» empfing und 4000 Fans willkommen heissen konnte. Dass die Profis aus der Bundesstadt am Ende vier zu null gewannen? Es tat der Stimmung keinen Abbruch, gefeiert wurde bis spät nachts …
Ein solches Cup-Highlight hat einst auch der FC Oberdorf erlebt: Am 18. September 2004 war der grosse FC Basel z’Hof zu Gast. Das Los war für Oberdorf wie ein Sechser im Lotto. «Es war der grösste Anlass in der Geschichte des Vereins. Absoluter Rekord!», sagt Fritz Felber 22 Jahre später. Rekordverdächtig war auch die Organisation des Grossanlasses, nachdem der Schweizerische Fussballverband die Auslosung vorgenommen hatte. «Innerhalb einer Stunde hatten wir das 16-köpfige OK beisammen», sagt der FCO-Ehrenpräsident stolz. Grosse Tribünen hinter beiden Toren wurden aufgebaut, damit möglichst viele Menschen Platz finden würden. Am Matchtag selbst sahen dann sagenhafte 5600 Zuschauerinnen und Zuschauer ein unterhaltsames Spiel und die Oberdörfer Niederlage. Das Resultat? Nebensache! Für Spieler wie Ramon Krattiger, Stefan Grossmann, Silvan Schafroth und Goalie Daniel Imhof war es bestimmt ein unvergessliches Erlebnis, gegen Promis wie Mladen Petric, Boris Smiljanic und Julio Hernan Rossi aufzulaufen. Nicht zu vergessen, dass auch die beiden vormaligen FCO-Junioren David und Philippe Degen für Basel auf dem Platz standen. «So etwas wird es nie mehr geben», ist sich Fritz Felber sicher. Und schwelgt umso lieber in den Erinnerungen.
Nie mehr … Auch ich dachte mir «Bitte nie mehr!», nachdem ich mit dem FC Concordia Basel aus der zweiten Liga selbst mal ein Erstrundenspiel im Schweizer Cup gegen die Frauen des FC Basel bestritten hatte. Nicht unbedingt mein Karriere-Höhepunkt – fiel das Spieldatum doch ausgerechnet auf den Folgetag des Polterabends von Schulfreundin Jenny. Mit viel zu wenig Schlaf und müdem Kopf stand ich wacklig zwischen den Pfosten und versuchte, den Schaden in Grenzen zu halten. Zum Glück sah nur eine Handvoll Leute unsere Eins-zu-zehn-Niederlage, wenige hatten sich an jenem Sonntagvormittag auf die Sportanlagen St. Jakob verirrt. Auch dies ein klassisches «David gegen Goliath». Oder besser: … gegen «Goal-iath».
Seraina Degen
Seraina Degen (1986) ist in Niederdorf aufgewachsen. Als Torhüterin spielte sie lange leidenschaftlich Fussball, heute bleibt sie beruflich am Ball – als Redaktorin bei SRF Sport.

