Das Ziel «Grossanlass» erreicht
14.07.2026 Sport, LeichtathletikHeinz Degen
«Mein Ziel war es schon immer, einmal an einem Grossanlass für die Schweiz zu starten.» Mit dieser Motivation ging Yael Grossmann in die Saison 2026 – und tatsächlich unterbot die Leichtathletin gerade in drei Disziplinen die für die ...
Heinz Degen
«Mein Ziel war es schon immer, einmal an einem Grossanlass für die Schweiz zu starten.» Mit dieser Motivation ging Yael Grossmann in die Saison 2026 – und tatsächlich unterbot die Leichtathletin gerade in drei Disziplinen die für die U18-Europameisterschaft geforderten Limiten: 400 Meter Hürden, 400 Meter flach und 800 Meter. Auf die Frage, welche denn ihre Lieblingsdisziplin sei, antwortet die Hölsteinerin, dass sie schon sehr gerne die Hürdenstrecke laufe, und sie ergänzt: «Den 400-Meter-Hürdenlauf finde ich super spannend und abwechslungsreich – vor allem während des Rennens. Man muss sich immer wieder auf das nächste Hindernis konzentrieren. Das gefällt mir.»
Noch hat die 17-Jährige keine spezielle Taktik im Sinne von systematisch vorgesehener und dann auch im Rennen ausgeführter Schrittfrequenz, da ihr doch noch etwas die Erfahrung über die Hürden fehle. «Ich laufe mehr oder weniger einfach los und schaue dann, wie ich auf die nächste Hürde zukomme. Aber ich kann inzwischen mit beiden Beinen abspringen», sagt sie, «das muss man schon draufhaben.»
Obwohl Grossmann diese Disziplin erst vor einem Jahr in ihr Programm aufgenommen hat, steht sie schon mit einer Bestzeit von 61,40 Sekunden zu Buche. Bei den U18-Frauen ist sie in der Schweiz die Nummer zwei hinter Mina Hirsbrunner aus Langnau, die dieses Jahr mit 57,85 Sekunden neuen Schweizer Rekord lief.
Vom Becken auf die Bahn
Der Trainingsaufbau respektive die Gewichtung gestaltet sich bei drei Disziplinen nicht immer einfach, und doch will Grossmann vorläufig weiterhin auf alle Sparten setzen. Lag im Wintertraining und bei den ersten Rennen der Fokus noch auf den 800 Metern, wurden danach – auch mit mehr Schnelligkeitstraining – die 400 Meter Hürden forciert.
Für die Planung des Trainings und den Saisonaufbau ist Yaels Mutter Angela Grossmann verantwortlich. Auf diese spezielle Situation angesprochen, erklärt die Hölsteinerin, dass dies Vor- und Nachteile habe. Grundsätzlich findet sie es toll, dass die Mutter immer dabei ist – speziell an den Wettkämpfen und in den Trainingslagern. Zudem lassen sich Themen wie Ernährung und Regeneration so viel einfacher gestalten. «Andererseits», so die junge Athletin weiter, «sagt man zur Mutter vielleicht einmal etwas, was man bei einem externen Trainer eher unterlassen würde. Oder man nimmt ein Problemchen von zu Hause mit ins Training.»
Im August startet Yael Grossmann in ihr drittes Jahr am Gymnasium in Liestal. In der Sportklasse finden auch weitere Trainings mit anderen Übungsleitern statt. Bevor sie zur Leichtathletik gekommen ist, war sie Schwimmerin. Schwimmen als Leistungssport, findet die junge Frau, sei aber extrem monoton. Ausserdem habe sie einige schlimme Trainingslager erlebt, in denen sie von Heimweh geplagt wurde. Der wichtigste Grund aber für den Wechsel der Sportart war, dass ihr, als sehr offener Person, der Austausch mit anderen fehlte: «Man ist immer im Wasser mit sich selber und seinen Gedanken beschäftigt. Ich geniesse es, in der Leichtathletik in einer grösseren Gruppe zu trainieren, in der man sich gegenseitig unterstützt, zusammen lacht – das ist mega cool.» Auch Trainingseinheiten auf der Bahn könnten manchmal etwas eintönig sein, trotzdem fühle sich die junge Athletin des LV Frenke-Fortuna im Stadion viel wohler als im Schwimmbecken.
Die Schwester als Vorbild
Die 17-Jährige hat ein spezielles Vorbild: ihre Schwester Lynn, die zwei Jahre älter ist als Yael. Letztere gibt zu, dass sie der grossen Schwester nacheiferte und auch immer die gleichen Disziplinen in Angriff genommen hat – ausser nun die 400 Meter Hürden. Dazu kommt, dass Lynn Grossmann vor zwei Jahren an der U18-Europameisterschaft teilnehmen konnte und Yael damals den Entschluss fasste, dass sie das auch erreichen möchte. Die beiden Schwestern hätten ein tolles und sehr enges Verhältnis und geniessen es, zusammen zu trainieren und sich gegenseitig zu pushen, so Yael Grossmann.
Für die Gymnasiastin war die Zeit vor der Selektion sehr belastend. Sie war selber überrascht, wie stark sie der Druck und die Ungewissheit bis zur Selektion beschäftigt haben. Dass es nun geklappt hat, ist mit Sicherheit der grösste Erfolg in ihrer bisherigen Karriere. Zuoberst in ihrem Palmarès stehen bis jetzt eine Silbermedaille an der U18-Schweizermeisterschaft über 400 Meter Hürden und ein U16-Schweizer-Rekord mit dem Team über 3 × 1000 Meter. Es bleibt zu hoffen, dass sich da bald die nächsten Highlights notieren lassen – vielleicht schon an den U18-Europameisterschaften, die von Donnerstag bis Sonntag im italienischen Rieti abgehalten werden.
Coletti ebenfalls für EM selektioniert
td. Neben Yael Grossmann von der LV FrenkeFortuna wurde mit der Tecknauerin Aurina Coletti eine weitere Leichtathletin aus der Region von Swiss Athletics für die Wettkämpfe an der U18-EM selektioniert. Die U18-Vize-Schweizermeisterin des SC Liestal wird in Rieti (It) über 2000 Meter Steeple an den Start gehen. Für die fünfte Ausgabe der U18-Europameisterschaften wurden von Swiss Athletics insgesamt 41 Athletinnen und Athleten aufgeboten.

