«Das war ein riesiges Happening»
15.09.2026 ReigoldswilJohannes Sutter erinnert sich an den Neubau der Wasserfallen-Bahn
Vor 20 Jahren wurde die Wasserfallen-Luftseilbahn in Rekordzeit neu gebaut. Projektleiter Johannes Sutter erinnert sich an eine intensive und besondere Bauzeit. Und an Pläne für eine Verlängerung, die bis ...
Johannes Sutter erinnert sich an den Neubau der Wasserfallen-Bahn
Vor 20 Jahren wurde die Wasserfallen-Luftseilbahn in Rekordzeit neu gebaut. Projektleiter Johannes Sutter erinnert sich an eine intensive und besondere Bauzeit. Und an Pläne für eine Verlängerung, die bis heute in seiner Schublade liegen.
Lorenz Degen
Herr Sutter, wenn wir genau 20 Jahre zurückgehen, woran erinnern Sie sich da?
Johannes Sutter: Mitte September 2006 waren wir in den letzten Zügen mit dem Gondelbahn-Neubau auf die Wasserfallen. Ich war damals 34 Jahre alt und Projektleiter des Neubaus. Es war mein erstes Seilbahn-Projekt und es ist mir in sehr guter Erinnerung geblieben.
Weshalb?
In den Alpen sind neue Seilbahnen nichts Ungewöhnliches, bei uns im Jura hingegen schon, schliesslich geschieht ein solcher Neubau nur etwa alle 50 Jahre. Als der grosse Transporthelikopter Kamow die neuen Masten aufstellte, war das ein riesiges Happening: Auf dem Tschoppenhöfer Sixfeld wollten 2000 Leute zuschauen, wie das abläuft. Da mussten eine Wirtschaft mit Grill und Bratwürsten eingerichtet, Trassierbänder gespannt und der Autoverkehr geregelt werden. Es handelte sich um eine Dimension, die selbst die erfahrenen Seilbahnbauer überrascht hat, interessiert doch ein «Mastenflug» in den Alpen normalerweise niemanden.
Wie erlebten Sie den Bahnbau?
Die Suche nach Geld zog sich sehr lange hin, aber als die Finanzierung gesichert war, musste alles sehr rasch gehen. Ich staune heute noch, dass wir im Mai mit dem Abbruch anfingen und die neue Bahn Anfang Oktober bereits fertig war. So einen eng terminierten Bauplan, der dann auch noch aufging, habe ich nie mehr erlebt. Ich war später unter anderem beim Neubau der Weissenstein-Bahn beteiligt, dort wurde sogar der Rechtsweg bis zum Bundesverwaltungsgericht beschritten, was acht Jahre kostete. Und der Bahnbau dauerte mit acht Monaten fast doppelt so lang wie derjenige auf die Wasserfallen.
Den grossen Streitpunkt bildete dort der Erhalt der alten Bahn. Bei der Wasserfallen-Luftseilbahn war dies offenbar kein Thema?
Die Luftseilbahn von 1956 war vom Bundesamt für Verkehr abgesprochen worden, obschon man relativ kurz vorher noch einiges investiert hatte. Aber dieser Stilllegungsentscheid konnte nicht hinterfragt werden, sodass wir von Anfang an schauten, wie wir eine neue Bahn erstellen können. Mir persönlich tat dies auch weh, denn ich bin Fan alter Seilbahnen, bei denen alles leichter, einfacher und übersichtlicher war als heute. Darum steht auch ein «Gondeli» bei mir im Garten – und auf dem Balkon hängt ein «Weissenstein-Sesseli»! (lacht)
Es gab die Idee, die Wasserfallen-Bahn weiter hinauf zum Vogelberg zu führen, daraus wurde jedoch nichts.
Ja, wir haben die Bergstation sogar so vorbereitet, dass eine Verlängerung Richtung Vogelberg möglich wäre. Aber diese Idee scheiterte aus drei Gründen: Zum einen gab es Gegner aus dem Bereich Naturund Umweltschutz, dann war die Landeigentümerin auf dem Vogelberg, die Familienstiftung Vögelin, nicht bereit, Land herzugeben, und schliesslich meldete sich Opposition aus Reigoldswil, aus Angst vor der Verkehrsbelastung und zu vielen Besuchern. Diese drei unterschiedlichen Gegenkräfte bremsten das Vorhaben aus.
Ist die Idee Vogelberg für immer begraben?
Das Projekt liegt immer noch in meiner Schublade! Es ist fixfertig, sozusagen baureif. Doch wir haben im Stiftungsrat der Luftseilbahn immer gesagt, dass dies frühestens unsere Kinder anpacken werden, im Moment verfolgen wir das Ziel jedenfalls nicht weiter. Wenn man es anginge, müsste zuerst das Verkehrsproblem in Reigoldswil gelöst werden. Gegen die Bevölkerung der Standortgemeinde lässt sich so ein Projekt nämlich nicht realisieren.
Wie zufrieden sind Sie mit dem aktuellen Sommer?
Erstaunlich gut. Früher sagte man, ein heisser Sommer treibe die Leute in die Schwimmbäder. Aber weil es bei uns auf 900 Metern über Meer etwa 6 Grad kühler war als im Tal, kamen die Leute zahlreich auf den Berg. Leider mussten wir wegen Trockenheit den Seilpark schliessen, das war eine neue und unschöne Erfahrung. Aber insgesamt hatten wir einen ordentlichen Sommer und freuen uns auf einen goldenen Herbst.
«Heidi Tschopp war wie eine Bähnli-Muetter»
ld. Der Neubau der Luftseilbahn Reigoldswil-Wasserfallen wäre ohne eine Frau aus Hölstein nicht möglich geworden: Heidi Tschopp (1941 – 2025), ehemalige Gemeindepräsidentin und damals Landrätin, hat sich vor allem um die Finanzen gekümmert, wie sich der ehemalige Stiftungsratspräsident Ruedi Mohler (77) erinnert: «Rastlos weibelte Heidi im ganzen Kanton herum für die neue Luftseilbahn, bei Gemeinden, Stiftungen, Firmen und der Regierung. Dank ihrem Eifer kamen schliesslich die nötigen 8,5 Millionen Franken zusammen.»
Heidi Tschopp war bereits viele Jahre vorher für die Luftseilbahn aktiv, als diese aus der Autobus AG Liestal herausgelöst und in eine Stiftung überführt wurde. «Zusammen mit Hans Sutter aus Arboldswil regte Heidi einen ‹Bähnli-Club› an. Diese Fan-Vereinigung sollte primär Mittel beschaffen und Sympathien einwerben, was auch gelang.» Ruedi Mohler erinnert sich, dass die Sitzungen mit Heidi nicht immer einfach waren. «Sie hatte eine zupackende und direkte Art, wie sie das von ihrem Industrie-Betrieb her gewohnt war. Langes Diskutieren mochte sie gar nicht, sie wollte etwas entscheiden und umsetzen.» Dabei blieb sie immer sehr bodenständig. «Heidi war wie eine Bähnli-Muetter.»
Als die neue Luftseilbahn eröffnet wurde, taufte man das Restaurant neben der Bergstation zu Ehren der langjährigen Stiftungsratspräsidentin (1995 – 2006) auf den Namen Heidi-Stübli. Mohler, der Ende Juni das Stiftungspräsidium an Simon Dürrenberger übergab, blickt zufrieden auf seine Präsidentenzeit als Nachfolger von Peter Meier, Alt-Kantonsgerichtspräsident, zurück: «Für mich waren es sechseinhalb intensive, aber spannende Jahre, die mit Corona anfingen und dem trockensten Sommer der jüngeren Zeit endeten. Dazwischen haben wir vieles am Berg bewegt, vom neuen Spielplatz bis zum Kauf der ‹Hinteren Wasserfallen›. Die Wasserfallen bleibt für mich auch weiterhin ein wichtiger Bezugspunkt.»

