Das sonnenverwöhnte Oberbaselbiet
07.08.2026 PolitikSabine Bucher, Landrätin GLP und Gemeinderätin Sissach
Normalerweise geniessen wir es und sind vielleicht sogar ein bisschen stolz darauf: Sissach und das Oberbaselbiet sind bekannt für schönes Wetter. Die umliegenden Hügelketten leiten die ...
Sabine Bucher, Landrätin GLP und Gemeinderätin Sissach
Normalerweise geniessen wir es und sind vielleicht sogar ein bisschen stolz darauf: Sissach und das Oberbaselbiet sind bekannt für schönes Wetter. Die umliegenden Hügelketten leiten die Wolken um oder bringen sie zum Entleeren, bevor sie uns erreichen. Deshalb gilt unsere Region als sonnenverwöhnt und darum wächst an unseren Südhängen guter Wein.
Diesen Sommer sehen es wohl die meisten anders. Mittlerweile freuen sich fast alle über ein bisschen Regen. Das erinnert mich an meine Zeit in Australien vor 30 Jahren: Dort tanzten die Kinder zum Teil im Regen. Schirme brauchte man nicht; man trocknete ja eh gleich wieder. Regenwasser wurde gesammelt und als Trinkwasser benutzt. Es schmeckte viel besser als das chemisch aufbereitete Leitungswasser.
Bei uns hingegen schmeckt das Hahnenwasser bestens. Trinken dürfen wir es auch aktuell uneingeschränkt, doch beim sonstigen Verbrauch ist Sparen angesagt. In einigen Gemeinden wurden bereits sehr detaillierte Massnahmen für den Alltag kommuniziert: Beim Warten auf Warm- wasser soll das kalte Wasser aufgefangen und genutzt werden. Spül- und Waschmaschinen sollen nur laufen, wenn sie ganz voll sind. Auch Kinder sollen daran erinnert werden, nur kurz zu duschen. Wenn wir dies beherzigen, wird uns vielleicht bewusst, mit welcher Selbstverständlichkeit wir bisher den Hahn aufdrehten. Es ist ein Privileg unserer Gesellschaft, jederzeit frisches Trinkwasser zur Verfügung zu haben.
Bereits im Frühling wurden die Departemente im Gemeinderat Sissach verteilt. Gerne habe ich die Verantwortung für unsere Wasserversorgung übernommen, getragen von der Idee, die selbstverständliche Verfügbarkeit dieses kostbaren Guts stets sicherzustellen. Und nun bin ich gestartet, mitten in dieser Trockenheit. Zum Glück darf ich auf ein eingespieltes Team zählen, das den Grundwasserspiegel, den Verbrauch sowie die Wetteraussichten laufend analysiert und daraus die nötigen Massnahmen ableitet.
Es ist normal, dass bei Trockenheit der Wasserverbrauch einer Gemeinde grundsätzlich steigt: Zum alltäglichen Verbrauch kommt vielerorts das Giessen hinzu. Doch es gilt abzuwägen: Welche Pflanze soll noch gegossen werden? Rasen wird nach einer Dürre meist wieder grün. Auch südländische Kräuter und Weinreben vertragen eine gewisse Tro- ckenperiode. Topf- und Jungpflanzen sowie die meisten Gemüsearten gehen ohne Wasser ein. Generell gilt: Nur dort giessen, wo es wirklich nötig ist, und lieber selten etwas mehr als täglich ein bisschen. Und umso besser, wenn dafür Regenoder Restwasser verwendet werden kann.
Es ist ein trauriges Bild, wenn vieles rundherum dürr wird. Und gleichzeitig sensibilisiert es uns zu einem bedachtsameren und vielleicht auch dankbareren Umgang mit unserem Trinkwasser. Dankbar bin ich auch für unser sicheres System und unsere Fachleute: Wir dürfen uns darauf verlassen, dass im Notfall Bezugsstationen für Trinkwasser eingerichtet werden. Um zurückzukommen auf den Wein: Vielleicht schenkt uns dieser Sommer einen besonders guten Jahrgang. Hoffen wir, dass wir darüber nicht vergessen, wie wertvoll unser Wasser ist.
In der «Carte blanche» äussern sich Oberbaselbieter National- und Landratsmitglieder sowie Vertreterinnen und Vertreter der Gemeindebehörden zu einem selbst gewählten Thema.

