«Das hat ihm Spass gemacht!»
05.11.2026 SissachDokumentarfilm über Robert Häfelfinger und seine «Cheesmeyer»-Erinnerungen feiert bald Premiere
Der kürzlich verstorbene Architekt Robert Häfelfinger ist im Dokumentarfilm «Cheesmeyer – ein Blick zurück» zu sehen. Die Sissacherin Ariane ...
Dokumentarfilm über Robert Häfelfinger und seine «Cheesmeyer»-Erinnerungen feiert bald Premiere
Der kürzlich verstorbene Architekt Robert Häfelfinger ist im Dokumentarfilm «Cheesmeyer – ein Blick zurück» zu sehen. Die Sissacherin Ariane Rufino dos Santos wollte so die mündlich überlieferte Geschichte des ehemaligen Warenhauses festhalten.
Robert Bösiger
Frau Rufino dos Santos, hat der kürzlich verstorbene Robert Häfelfinger den Film noch sehen können?
Ariane Rufino dos Santos: Ja, zum Glück! Wir haben eine persönliche Visionierung des Rohschnitts im Büro von ihm mit Tochter Kathryn, die uns viel geholfen hat, und Sohn Robert junior organisiert, und er war begeistert. Auch während der Dreharbeiten haben wir ihn immer wieder «unseren Filmstar» genannt – das hat ihm Spass gemacht!
Wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen Dokumentarfilm zum Thema zu realisieren?
Ich bin anlässlich der Vernissage des Heimatmuseums zu «800 Jahre Sissach» mit Robert Häfelfinger vor der «Cheesmeyer»-Wand gestanden – fünf Generationen mit Familienfotos – und «Robi» hatte die Fotos erklärt. Da sagte ich spontan zu ihm: «Darüber sollte man doch einen Film drehen …» Im Wissen, dass viele dieser Geschichten, er war damals schon 94 Jahre alt, mit ihm vergessen gehen werden, wenn er nicht mehr da ist.
Und wie hat er auf die Anfrage reagiert?
Er war erfreut und sagte sinngemäss, darauf habe er schon lange gewartet.
Geht es im Film mehr um das Gebäude «Cheesmeyer» oder um die Person Robert Häfelfinger?
Schwierig zu sagen. Es ist beides, das Gebäude und seine Geschichte, seine Bedeutung für das Dorf, erzählt vom langjährigen Besitzer und Hauptprotagonisten, unter anderem an seiner allerletzten Führung am 2. Mai dieses Jahres. Er spricht aber auch in seinem Büro über seinen Werdegang als Architekt, seine Ausbildung und Tätigkeit in den USA sowie über die Rückkehr nach Sissach.
Wie anspruchsvoll und aufwendig war es, diesen Film zu realisieren?
Wir hatten im Herbst vergangenen Jahres den Entschluss gefasst. Mein Bruder Stephan Burckhardt, Absolvent der London Film School und erfahrener Filmer, war bereit, sich Zeit dafür zu nehmen. Aber wir brauchten etwas Budget; es nahm Zeit in Anspruch, bis wir ein paar Zusagen hatten. Die konkrete Umsetzung begann Anfang dieses Jahres. Im Februar war Robi Häfelfinger im Spital, so konnten wir erst Anfang März mit dem Drehen beginnen. Da war er erst fünf Tage zu Hause und noch geschwächt. Rückblickend betrachtet hätten wir mit dem Drehen schon im Herbst beginnen müssen.
Von wann bis wann ist der Film entstanden? Gab es Hindernisse?
Mein Bruder und ich sind beide vielseitig engagiert, und andere Projekte standen manchmal terminlich im Weg. Robi Häfelfingers Gesundheitszustand war eine Sorge, die uns begleitete. Auch seine Erinnerungen nahmen ab, und die Erzählungen wurden «einsilbiger». Der Film ist inklusive Planung, Mittelsuche und Schnitt zwischen November 2025 und September dieses Jahres entstanden. Der letzte Drehtag war Anfang Mai, das Schneiden nahm danach einige Zeit in Anspruch. Dann hatten wir die Idee, mit dem Volksmusiker Simon Dettwiler ein Schwyzerörgelistück aus der Sammlung Hanneli Christen von der «Sissacher Musik» zu unterlegen. Das war schön.
Sind Ihre Erwartungen erfüllt worden?
Auf jeden Fall, auch wenn ich mir den Aufwand kleiner vorgestellt hatte. Mein Bruder war von Anfang an der Meinung, mehr als 15 Minuten lang dürfe der Film nicht werden, sonst würden sich die Leute wegzappen oder an etwas anderes denken. Es sollte eine visuelle Erfahrung der Schönheit dieses Orts werden, und kein historisches Dokument mit Anspruch auf Vollständigkeit. Und heute stelle ich fest: In einer Viertelstunde kann man doch so einiges zeigen.
Wie zufrieden sind Sie und Ihr Bruder mit dem Ergebnis?
Ich war von der ersten Visionierung des Rohschnitts an begeistert. Und mein Bruder wird wohl das Resultat auch am Feedback an der Premiere messen. Es war witzig, in diesen zwei für uns neuen Rollen zusammenzuarbeiten, ebenfalls eine Première: ich am Kontakte einfädeln, Termine abmachen, Gesuche mailen, aber auch am Licht, am Taschenschleppen; und er der Regisseur und Kameramann. Ich wusste von früheren Filmen, dass er ein sehr gutes Auge dafür hat.
Wann und in welchem Zusammenhang wird man den Dokfilm sehen können?
Erstmals am 11. November im «Cheesmeyer», dem Tatort sozusagen. Die Denkmalpflege wollte ihn schon am Tag des Denkmals vorführen, aber da war er noch nicht fertig. Und weiter könnte ich mir vorstellen, ihn bei Gelegenheit auch im Heimatmuseum zu zeigen, ihn dem Staatsarchiv anzubieten, ihn gelegentlich auch online zu stellen. Möglichkeiten gibt es viele.
Was gibt es aus Ihrer Sicht noch zu sagen?
Ich hoffe, dass die Menschen aus Sissach, die mit der Geschichte des Dorfs verbunden sind und Interesse daran haben, das Alte zu bewahren – und von denen gibt es einige –, unsere Eigeninitiative wertschätzen und etwas mit dem Film anfangen können. Ältere Menschen sind wie lebende Museen: Hört man ihnen zu, lernt man viel.
Ein Haus voller Geschichte
Der Kaufmann Josef Meyer-Kunz, bekannt als «Cheesmeyer», kam 1858 nach Sissach und träumte von einem eigenen Warenhaus. Nach seinem Tod verwirklichten seine Nachkommen diesen Traum und eröffneten 1903 das vom Architekten Hans Bernoulli entworfene Grosskaufhaus im Dorfzentrum.
Heute beherbergt das denkmalgeschützte Gebäude verschiedene Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe.
Die Theaterschaffenden Kaspar Geiger und Andreas Daniel Müller haben das Haus zudem zu einem lebendigen Kulturund Begegnungsort mit einem Bistro gemacht.
