Das haben wir schon immer so gemacht
25.08.2026 PolitikDominique Zbinden, Landrätin Grüne, Sissach
Viele Traditionen unserer Gesellschaft begleiten mich bereits ein Leben lang. So bin ich seit klein auf aktive Fasnächtlerin, werfe beim Eierleset jeweils mehr oder weniger präzise die Eier in den Korb ...
Dominique Zbinden, Landrätin Grüne, Sissach
Viele Traditionen unserer Gesellschaft begleiten mich bereits ein Leben lang. So bin ich seit klein auf aktive Fasnächtlerin, werfe beim Eierleset jeweils mehr oder weniger präzise die Eier in den Korb und marschiere jährlich am Banntag die Grenzen meiner Bürgergemeinde ab. Doch alle diese Traditionen haben auch ihre Kehrseiten. Viele Menschen stören sich am Abfall und Lärm, welche die Fasnacht verursacht. Auch der damit einhergehende Alkoholkonsum führt zu vielen Herausforderungen. Beim Eierleset ist die Verwendung von so vielen Eiern heute eigentlich nicht mehr zeitgemäss, beim Banntag wird in vielen Dörfern noch geschossen und an zwei Orten dürfen nur die Männer mitgehen.
Die Gesellschaft und ihre Traditionen verändern sich. Wo früher die Beizenfasnacht im Zentrum stand, ist heute die Wagenburg mit ihren Bars für viele der Höhepunkt der Fasnacht. Früher konnte man am Eierleset die Eier, die während der Fastenzeit liegen geblieben sind, verwerten, heute fastet praktisch niemand mehr. So müssen wir uns immer wieder fragen, welche Traditionen wir aufrechterhalten wollen und wie wir sie in die heutige Zeit integrieren können.
Eine Tradition, die aktuell immer häufiger in Verruf gerät, ist das Zünden von Feuerwerk. Viele Menschen stören sich am Lärm, andere ärgern sich über den Abfall. Dieses Jahr konnten wir unfreiwillig testen, wie es sich anfühlt, wenn wir auf diese Tradition verzichten. Aufgrund der Trockenheit wurde bereits früh ein absolutes Feuerverbot und in diesem Zusammenhang auch ein Feuerwerksverbot verkündet. Wohl im Zusammenhang mit der frühen Ankündigung und der wirklich aussergewöhnlichen Trockenheit konnte ich dieses Mal wirklich keinen einzigen Knall hören.
Auch die Feuerwerkstradition hat sich über die Jahre verändert. Während man sich früher vielleicht ein, zwei Raketen gegönnt hat, sind heute immer häufiger auch bei Privatpersonen ganze Batterien üblich. Die Menge an Feuerwerk hat sich in den vergangenen 30 Jahren praktisch verdoppelt. Kein Wunder also sind Feuerwerksverbote heute auf allen Ebenen ein Thema. In diversen Gemeinden gab es in den letzten Jahren Abstimmungen über kommunale Feuerwerksverbote. Einige wurden angenommen, andere teilweise auch sehr knapp abgelehnt.
Auch auf kantonaler Ebene ist zu diesem Thema ein Vorstoss hängig. Im November folgt nun auch die Feuerwerksinitiative auf nationaler Ebene. Dabei geht es jedoch nicht darum, Feuerwerk komplett zu verbieten. Es soll lediglich lärmintensives Feuerwerk verboten werden, um so Menschen, Wild- und Haustiere, die unter der Knallerei leiden, zu entlasten. Ausnahmen für organisierte, grosse Feuerwerke sollen auch weiterhin möglich bleiben. Sodass wir auch in den nächsten Jahren einen so gemütlichen 1. August feiern können, ohne uns um unsere Haustiere sorgen zu müssen. Die Frage bleibt daher: Was wollen wir für unsere Traditionen in Kauf nehmen? Und gehört es nicht auch zu Traditionen, dass sie sich mit uns verändern?
In der «Carte blanche» äussern sich Oberbaselbieter National- und Landratsmitglieder sowie Vertreterinnen und Vertreter der Gemeindebehörden zu einem selbst gewählten Thema.

