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18.06.2026 ThürnenChristian Schwarz ist am «Eidgenössischen» verantwortlich für das Fahnenschwingen
Als Jugendlicher schwang Christian Schwarz erstmals die Fahne. Jetzt, mit 68 Jahren, steht er vor der Aufgabe, dass 173 Fahnenschwinger und -schwingerinnen am Eidgenössischen ...
Christian Schwarz ist am «Eidgenössischen» verantwortlich für das Fahnenschwingen
Als Jugendlicher schwang Christian Schwarz erstmals die Fahne. Jetzt, mit 68 Jahren, steht er vor der Aufgabe, dass 173 Fahnenschwinger und -schwingerinnen am Eidgenössischen Jodlerfest in Basel auftreten können.
Carolina Mazacek
Christian Schwarz war 16 Jahre alt, seine Grossmutter feierte ihren 80. Geburtstag. Es wäre doch schön, wenn am Fest jemand zu Ehren der Jubilarin die Fahne schwenken würde, fand man. Die Wahl fiel auf Christian. Das war der Funke, der eine Leidenschaft weckte, die nie erlöschen sollte. Nach vielen Jahren in der Fahnenschwinger-Szene ist der heute 68-Jährige für die Organisation des Fahnenschwing-Wettbewerbs verantwortlich.
«Ich bin da so hineingerutscht», sagt der aus dem Fricktal stammende Schwarz. Und dann legte er eine steile Karriere hin: Bereits mit 24 war er Obmann, sechsmal gewann er den Wanderpreis des Nordwestschweizer Verbands und einmal erreichte er den zweiten Platz im «Eidgenössischen». Im Verband hat er tatkräftig mitgeholfen, sei es als Kursleiter, Juror oder Präsident.
«Allmählich spüre ich, dass es an der Zeit ist, aufzuhören», sagt er. Die rechte Schulter plagt ihn, die Sehnen sind nach einer Operation erneut gerissen und er kann den Arm nicht mehr strecken. «Nach 52 Jahren als Fahnenschwinger kann man in Ruhe in Pension gehen», sagt er ohne Groll.
Der Veteran lässt seine Fahne aber nicht ganz verstauben. Er schwingt sie im Duett mit seinem Bruder Walter. «Wir konnten am vorletzten Neujahrskonzert des Eidgenössischen Jodlerverbands in Luzern vor 1600 Menschen schwingen. Das war wunderschön», erzählt er.
Beim Eidgenössischen Jodlerfest ist Schwarz für die Logistik und die Helfer beim Fahnenschwinger-Wettkampf zuständig – die Krönung seiner Laufbahn als Funktionär. «1990 habe ich am ‹Eidgenössischen› in Solothurn das Fahnenschwingen organisiert und da war es nicht abwegig, dass die Wahl für Basel auf mich fiel.»
Zunächst dachte Schwarz, Basel als Austragungsort des Jodlerfestes sei gewagt, auf der anderen Seite habe das erste «Eidgenössische» 1924 auch in Basel stattgefunden und seither keines mehr: «Es war langsam Zeit, dass Basel wieder an der Reihe ist, und das Motto ‹Stadt und Land mitenand› ist sehr schlüssig.»
Die Wettkämpfe der Fahnenschwinger finden in der Turnhalle des Gymnasiums Leonhard oberhalb des Barfüsserplatzes statt. Die Fahnen werden am Freitag von 16 bis 22 Uhr und dann während des ganzen Samstags geschwungen. 173 Fahnenschwinger haben sich an einem Unterverbandsfest qualifiziert. Damit ist die Teilnahmerzahl höher, als Schwarz erwartet hatte, denn damit startet in Basel mehr als die Hälfte der rund 300 Aktiven in der Schweiz.
Wie viele andere Vereine haben auch die der Fahnenschwinger Schwierigkeiten, neue Mitglieder zu gewinnen. Während in der Innerschweiz der Brauch noch stark verankert sei, sehe es in der urbanen Region Basel nicht gut aus: Im Kanton Basel-Stadt zum Beispiel gibt es gemäss Schwarz keinen einzigen aktiven Fahnenschwinger.
Würfe bis zu acht Meter hoch
Wer denkt, Fahnenschwingen sei lediglich das Werfen und Fangen einer Fahne, unterschätzt die Fertigkeit der Aktiven. «Die Fahne wiegt zwischen einem und eineinhalb Kilogramm, sie wird bis zu acht Meter in die Luft geworfen und dabei muss man einen guten Stand haben», erklärt Schwarz. Und bei den Wettkämpfen müssten beide Hände benutzt werden, weshalb er mit seiner lädierten Schulter nicht mehr antreten könne. «Es braucht Kraft, um die Fahne hoch zu schwingen, damit sie sich schön dreht», erklärt der Profi. Dabei würden Handgelenk und Schulter belastet: «Das sind Bewegungen, die nicht so oft gemacht werden.»
Fällt die Fahne eines Teilnehmers bei der Vorführung zu Boden, steigt er in die nächsttiefere Klasse ab. Dies hat historische Gründe, wie Schwarz erklärt: «In der Schlacht galt: Fällt die Fahne auf den Boden, ist die Schlacht verloren.» Für das Jodlerfest aber ist rein gar nichts verloren. Alles sei auf einem guten Weg, sagt der Thürner: «Das OK ist ein gut eingespieltes Team.» Mit Pascal Oberli, der für die Jury beim Wettbewerb der Fahnenschwinger zuständig ist, laufe die Zusammenarbeit gut. Auch genügend Helfer seien vorhanden. «Es wird eine grandiose Stimmung in der Altstadt geben», ist Schwarz überzeugt. Nun muss nur noch das Wetter mitspielen.

