Campino und das Jodlerfest
30.06.2026 PolitikMichael Bürgin, Gemeindepräsident Bennwil, parteilos
Letzthin habe ich ein tolles Interview mit Campino, dem Sänger der Band «die Toten Hosen», gelesen. Er wurde gefragt, welches Instrument er gerne beherrschen würde. Einerseits ist diese ...
Michael Bürgin, Gemeindepräsident Bennwil, parteilos
Letzthin habe ich ein tolles Interview mit Campino, dem Sänger der Band «die Toten Hosen», gelesen. Er wurde gefragt, welches Instrument er gerne beherrschen würde. Einerseits ist diese an einen Sänger oder eine Sängerin gestellte Frage eine sehr freche: Als ob die Stimme kein musikalisches Handwerk braucht. Andererseits hat Campino phänomenal geantwortet: Ein Instrument beherrscht man nicht, man spielt es.
Ich finde diese Antwort gleich für ganz viele Sachen im Leben hervorragend. Ein sehr geschätzter Einwohner von Bennwil sagt mir immer, es brauche eine Diktatur in Bennwil (und ich bin überzeugt, er wäre ein toller Diktator). Ich selber will aber niemanden beherrschen und kann dies auch nicht, vielleicht weil ich Musiker bin und immer gelernt habe, spielerisch mit Problemstellungen umzugehen. Ich glaube an das Kind im Menschen.
Was mich nun zum Eidgenössischen Jodlerfest in Basel führt: Es war soooo schön! Trotz unerträglicher Hitze – die Stadt Basel war eine vorbildliche Gastgeberin, die Jodlerfamilie hat sich von ihrer besten und schönsten Seite gezeigt, und einige Vorträge waren schlicht zum «Dervoozäpfe» schön. Und die weichen Gesichter auch von den härtesten Stämmen beim Singen … Ein Genuss!
Am schönsten waren für mich die vielen glücklichen Gesichter der Zuschauerinnen und Zuschauer beim Festumzug. Egal welchen Alters, welcher Couleur, in der Tracht oder im Badekleid, man winkte sich gegenseitig freudig zu und zollte den Ausübenden viel Dankbarkeit. Was für ein vereinendes Gefühl. Ein Teil dieses Gefühls zu sein, beschwingte mich auch am Sonntag noch bis tief in die Nacht.
Wir Menschen kommen so gut miteinander aus, wenn wir nicht beherrschen wollen. Und was für Ängste hatten wir Jodlerinnen und Jodler vorab: Beherrschen wir unser Wettlied, beherrscht der Kollege sich mit dem Alkoholkonsum vor dem Vortrag, beherrscht Basel diesen Grossanlass, beherrsche ich mich beim Festen, sodass ich nicht noch Jahre später hören muss: «Weisch no dr Bürgi …»
Und dann der Vortrag: Spielend haben wir alle Ängste beiseite gelegt und einfach zusammen musiziert, schauten uns an und horchten dem Nachklang im Münster. Die Zeit blieb stehen, das Glück war da. Alle Ängste waren Blödsinn.
Es gibt eine japanische Weisheit, die ich sehr mag. Sie lautet: «97 Prozent aller Sorgen, die wir uns machen, machen wir uns umsonst. Weil es anders kommt als befürchtet. Also: Einfach keine Sorgen machen!»
Übrigens, liebes Amt für Kultur und lieber Kulturrat: Ich fordere Sie auf, Sabine Bader-Oberli den Baselbieter Kulturpreis zu geben. Sie singt und dirigiert nicht nur grossartig – sie lebt Musik!
In der «Carte blanche» äussern sich Oberbaselbieter National- und Landratsmitglieder sowie Vertreterinnen und Vertreter der Gemeindebehörden zu einem selbst gewählten Thema.

