Bus weg – und trotzdem zahlt der Kanton drauf
06.10.2026 Reigoldswil, BretzwilKostenvergleich wurde aus Zeitgründen nicht vorgenommen
Seit Dezember fährt kein Bus mehr direkt von Bretzwil nach Reigoldswil. Für die Sekundarschüler organisiert der Kanton seither einen privaten Transport. Jetzt zeigen neue Zahlen: Der Schülertransport kostet ...
Kostenvergleich wurde aus Zeitgründen nicht vorgenommen
Seit Dezember fährt kein Bus mehr direkt von Bretzwil nach Reigoldswil. Für die Sekundarschüler organisiert der Kanton seither einen privaten Transport. Jetzt zeigen neue Zahlen: Der Schülertransport kostet deutlich mehr als die gestrichene Buslinie.
Melanie Frei
Seit vergangenem Dezember kann die Bevölkerung nicht mehr mit dem Bus von Bretzwil nach Reigoldswil fahren: Der Kanton hat die Linie 74 damals ersatzlos gestrichen. Für den Transport der betroffenen 20 bis 30 Sekundarschüler musste die Bildungs-, Kulturund Sportdirektion (BKSD) einen privaten Transportanbieter beauftragen.
Die Kosten dieses Schülertransports belaufen sich auf ungefähr 260 000 Franken im laufenden Jahr, wie die BKSD auf Anfrage der «Volksstimme» schreibt. Ursprünglich waren 180 000 Franken vorgesehen. Die Abweichung von 80 000 Franken erklärt die Bildungsdirektion damit, dass die budgetierten Kosten auf einer «ersten Schätzung» beruhten.
Bevölkerung ist verärgert
Die Kosten für den Schülertransport sind brisant: Denn die Buslinie 74 nach Reigoldswil, die der Kanton zum Ärger der Bretzwilerinnen und Bretzwiler einstellte, war für den Kanton deutlich günstiger. Pro Jahr subventionierte der Kanton diese Linie mit rund 160 000 Franken, wie die Bauund Umweltschutzdirektion auf Anfrage schreibt.
Die Ausgaben des Kantons haben sich mit der Streichung der Buslinie 74 und der Einführung eines privaten Schülertransports also um rund 100 000 Franken erhöht. Kommt hinzu, dass der Nutzen für die Bevölkerung sank: Denn die Linie 74, die zuletzt ebenfalls nur zu Schulzeiten verkehrte, stand der gesamten Bevölkerung offen.
Wieso kam es zu diesem fragwürdigen Entscheid? Zwar stützte sich der Kanton zu Recht auf den deutlich zu geringen Kostendeckungsgrad der 74er-Linie, doch eine Gegenüberstellung zwischen der Weiterführung des regulären Busbetriebs und der heutigen Lösung mit privatem Schülertransport nahm er nicht vor. «Dieser Vergleich fand aus zeitlichen Gründen nicht statt», schreibt die BUD.
Politischer Druck bleibt bestehen
André Frauchiger wohnt in Bretzwil und gehört zu den Initianten einer Petition gegen die Einstellung der Busverbindung. Die von der «Volksstimme» recherchierten Zahlen überraschen ihn nicht. An der Situation für die übrige Bevölkerung habe sich nichts geändert, schildert er. Im Car nach Reigoldswil dürfen nach wie vor nur Schülerinnen und Schüler mitfahren. Wer etwa für einen Arzt- oder Altersheimbesuch oder zum Einkaufen mit dem Bus ins Nachbardorf gelangen will, muss den Umweg über Liestal nehmen – Zeitaufwand: rund 80 Minuten statt wie früher 10 Minuten.
Noch vor der tatsächlichen Streichung des 74er-Busses hatte sich im vergangenen Herbst Widerstand formiert. André Frauchiger, Barbara Bulloni, Hanni Huber und Rolf Sternizke sammelten Unterschriften. Sie kritisierten den Verlust der direkten Verbindung ins Nachbardorf und verlangten ein attraktiveres Angebot statt der ersatzlosen Streichung. Von einem Drittel der Bretzwiler Bevölkerung konnten innert drei Tagen Unterschriften gesammelt werden.
Anschliessend befasste sich der Landrat mehrfach mit der Busverbindung. Ende Oktober 2025 überwies er nach dringlicher Beratung ein Postulat von Sandra Strüby-Schaub (SP, Buckten), das die Prüfung von Alternativen verlangte. Dieses Geschäft ist derzeit in der landrätlichen Bauund Planungskommission hängig.
In einer Stellungnahme hielt der Regierungsrat an der Streichung der Linie 74 fest. Auch Alternativen sieht die Exekutive, die das Thema auf Verlangen des Landrats derzeit nochmals prüft, skeptisch: Eine Verlängerung der Linien 70 (Liestal–Reigoldswil) oder 71 (Liestal–Lauwil) nach Bretzwil wäre nur mit Mehrkosten umsetzbar; auch ein Rufbusangebot würde zusätzliche Fahrzeuge benötigen. Als ausreichende Erschliessung für Bretzwil nannte die Regierung die Linie 111 (Liestal–Laufen), den Schulbus und den Gemeindefahrdienst.
Mit den neusten Zahlen stellt sich nun aber die Frage, ob es nicht günstiger gewesen wäre, die Buslinie 74 zu erhalten – Kostendeckungsgrad und gesetzliche Vorgaben hin oder her. So hätten sich zudem lange politische Diskussionen und Unmut in der Bevölkerung sparen lassen. Für 2027 schreibt der Kanton die Durchführung des Schülertransports neu aus. Im Rahmen dessen kündigt die BUD eine «Kosten-Nutzen-Analyse» an. Wie viel eingespart werden kann, bleibt abzuwarten; ebenso, ob die Einsparungen die Kosten für den Betrieb des 74er-Busses unterschreiten werden.
Zur Transparenz: André Frauchiger, einer der Urheber der Petition zum Erhalt der Buslinie 74, schreibt regelmässig Beiträge für die «Volksstimme».

