Kürzlich in der «BaZ»: Da erschien ein Inserat, in welchem ein Metzger für seine «Kalbs Schnitzel» wirbt. Was bei Frank Wedekinds Drama «Frühlings Erwachen» oder bei Robert Schneiders «Schlafes Bruder» als kunstvoller Genitiv ...
Kürzlich in der «BaZ»: Da erschien ein Inserat, in welchem ein Metzger für seine «Kalbs Schnitzel» wirbt. Was bei Frank Wedekinds Drama «Frühlings Erwachen» oder bei Robert Schneiders «Schlafes Bruder» als kunstvoller Genitiv («Wes-Fall») bejubelt wird und zur hohen Literatur zählt, ist beim Metzger schlicht falsches Deutsch. Dafür müssen wir nicht ihn an den Schweins Ohren ziehen, sondern die Annahmestellen für Inserate, die sich gefälligst um richtiges Deutsch bemühen sollen. Das gilt insbesondere bei Todesanzeigen.
Kurz davor sowie danach geraten die Verantwortlichen für den Inlandteil der «bz», also der Verbund der «Aargauer Zeitung», für einmal in den Schwenkbereich des Radars der Sprachpolizei. Zwar lassen sie sich keinen offensichtlichen Fehler zuschulden kommen, dafür aber ein journalistisches Ärgernis. Sie warteten mit dem Titel auf: «Büsser sitzt in Abu Dhabi fest». Im nachfolgenden Text selber ist dann nur noch konsequent und ohne Vornamen von «Büssi» die Schreibe, ohne je zu erklären, wer dieser «Büssi» eigentlich ist. Da fehlen nicht nur ein paar grundlegende Erklärungen für alle, die am Sonntag nach dem «Tatort» den Fernseher abdrehen, sondern man vergreift sich im Zusammenhang mit dem schrecklichen Krieg im Iran schlicht in der Sprachebene.
Gleiches nur drei Tage später. Da titelt die «bz»: «Über 85 000 Mal der Lappen weg». Es versteht sich, dass das Wortungetüm «Fahrausweis» in der Überschrift keinen Platz findet. Doch die vulgäre, dafür handliche Bezeichnung dafür hätte problemlos durch «Ausweis» ersetzt werden können, zumal die Gassenbezeichnung «Lappen» hinterher im Artikel nie auftaucht, geschweige denn erklärt wird.
Jürg Gohl