Bringen und holen zum Nulltarif
10.03.2026 WintersingenGabriele Frei organisierte eine Kleidertauschbörse
In zwangloser Atmosphäre Kleider bringen und holen, das war zum vierten Mal möglich in der «Schüüre 70» in Wintersingen. Die Initiative dazu stammt von Gabriele Frei, die beruflich unter anderem als ...
Gabriele Frei organisierte eine Kleidertauschbörse
In zwangloser Atmosphäre Kleider bringen und holen, das war zum vierten Mal möglich in der «Schüüre 70» in Wintersingen. Die Initiative dazu stammt von Gabriele Frei, die beruflich unter anderem als Aufräumcoach tätig ist.
Brigitte Keller
«Diese Bluse gefällt mir, die würde ich sofort nehmen.» Diesem Wunsch kann Gabriele Frei, die den Kleidertausch-Anlass auf die Beine gestellt hat, ausnahmsweise nicht nachkommen, denn diese Bluse trägt sie selber an diesem Nachmittag. Alles andere, was an den Bügeln hängt oder auf den Tischen liegt, darf mitgenommen werden, und das erst noch gratis.
Schon zu Beginn um 13 Uhr liegen in der «Schüüre 70» auf den aufgestellten Tischen Hosen, T-Shirts, Pullis und diverse weitere Kleidungsstücke bereit. Zusätzlich hängen an ein paar herbeigeschafften Kleiderständern Röcke und Blusen. Auch Schuhe, Taschen und Hüte sind zu entdecken. All dies hat Gabriele Frei mitgebracht und zusammen mit zwei Helferinnen damit einen Ort zum gemütlichen Kleidertausch hergerichtet. Im hinteren Teil des Raums, Richtung Garten, stehen zudem Kuchen und Kaffee bereit.
Das Besondere an diesem «temporären Laden»: Hier wird nichts verkauft, sondern alles getauscht respektive verschenkt. Man kann Kleider bringen – oder auch nur welche holen. Die ersten interessierten Besucherinnen sind schon da, ein paar bringen gut erhaltene Kleider mit und stöbern anschliessend selber durchs Angebot. «Sportsachen sind auch begehrt», erzählt Frei beim Rundgang, «was aber kaum gefragt ist, sind Artikel für Männer.» Ebenfalls kaum getauscht werden hier Kinderkleider. Das Gros der Auswahl richtet sich an Frauen.
Es ist der vierte Kleidertausch-Anlass, den Gabriele Frei organisiert hat. Noch wird der Anlass nicht überrannt, doch langsam aber sicher spricht er sich herum. Es gibt bereits Besucherinnen, die regelmässig kommen, eine der ersten kommt gar aus Basel. Unter all den Sachen könnte sich ja ein neues Lieblingsteil oder eine richtige Trouvaille befinden. Ihre Kleidertauschbörse, so Freis Motivation, soll einen kleinen Beitrag dazu leisten, dass nicht immer mehr neue Kleider gekauft werden müssen, sondern die vorhandenen noch jemandem Freude bereiten können.
Etwas kommt, etwas geht
Damit der eigene Kleiderschrank dabei nie überquillt, hat Frei ein einfaches Rezept: «Wenn eine Sache kommt, muss mindestens eine Sache gehen.» Diesen Grundsatz gibt sie auch bei ihrer Tätigkeit als Aufräumcoach an ihre Kundschaft weiter. Und von dort stammt denn auch jeweils ein Teil der Kleider, die an der Kleiderbörse ein zweites Leben geschenkt bekommen. Diejenigen Stücke, die keine Abnehmerinnen finden, bringt Frei danach zu Brockenstuben oder karitativen Institutionen. Qualitativ guten Jeansstoff nehme zudem gerne die Papiermühle in Basel entgegen, die daraus blaues Papier herstellt.
In ihrem «früheren Leben» war Gabriele Frei Consultant in der Pharmabranche. Ihr Beruf brachte die gebürtige Berlinerin 1999 in die Schweiz. Die ersten acht Jahre wohnte sie in Bern, danach in Maisprach und seit ein paar Jahren lebt sie mit ihrem Mann in Wintersingen. Dazwischen musste sie sich zwangsläufig auch von ein paar «Altlasten» trennen; ein Burnout zeigte ihr auf, dass sie sich beruflich verändern musste.
Heute unterstützt sie Menschen auf Wunsch beim Entrümpeln und Aufräumen und ist zudem als Naturheiltherapeutin mit Schwerpunkt psychologische Astrologie und Blüten-Therapie tätig. Ein weiteres Standbein ist Freis künstlerische Tätigkeit, Malkurse in ihrem Atelier.
«Das sind drei schöne Bereiche, in denen ich tätig sein kann und die sich auch gut ergänzen», erzählt Frei. Sie freut sich, wenn Menschen sich treffen und zusammen etwas Schönes erleben. «Das ist mir das Wichtigste, dass man eine gute Zeit zusammen hat und auch merkt, dass jeder selber etwas Gutes dazu beitragen kann.» Eine weitere Gelegenheit dafür bietet sich am 25. April in der «Schüüre 70», wenn Gabriele Frei zur ersten Pflanzen- und Samentauschbörse in Wintersingen aufruft.

