«Boogie» lässt Beton verschwinden
01.09.2026 TittertenGraffitikünstler André Morgner aus Zuzgen gestaltet Bunker neu
Ein unscheinbarer Bunker im Titterter Hinterfeld ist zum Kunstwerk geworden. Der international bekannte Graffitikünstler André «Boogie» Morgner hat die militärische Anlage mit einer ...
Graffitikünstler André Morgner aus Zuzgen gestaltet Bunker neu
Ein unscheinbarer Bunker im Titterter Hinterfeld ist zum Kunstwerk geworden. Der international bekannte Graffitikünstler André «Boogie» Morgner hat die militärische Anlage mit einer verblüffenden, an Details reichen Vier-Jahreszeiten-Tarnung versehen.
Willi Wenger
Ein Bunker im Titterter Hinterfeld strahlt seit wenigen Tagen in neuem Glanz. Verantwortlich dafür ist der international bekannte Graffitikünstler André Morgner aus Zuzgen. «Boogie», wie er in der Szene genannt wird, hat ein Werk geschaffen, das überzeugt und fasziniert: Als Vier-Jahreszeiten-Tarn-Bemalung ist es eine bestechend detailgetreue Darstellung, die sich ins Gelände zwischen Titterten und dem Sixfeld – liegt zwischen Reigoldswil und dem «Tschoppehof» – einfügt.
«Boogie», aufgewachsen im Erzgebirge im deutschen Bundesland Sachsen und beim Mauerfall 13 Jahre alt, hat einst Kommunikationsdesign in Wiesbaden studiert und mit dem Diplom abgeschlossen. Seit mittlerweile 17 Jahren lebt er mit seiner Frau in der Schweiz, zuerst in Rheinfelden und seit sechs Jahren nun in Zuzgen im unteren Fricktal.
Der 49-Jährige, der sich seinen Übernamen selbst gegeben hat, sagt beim «Volksstimme»-Besuch im Gelände, dass es ihm bei diesem einzigartigen Auftrag des Bunkervereins Titterten nicht ums Militärische gegangen sei: «Es hat mich einfach fasziniert und war eine Chance und Herausforderung zugleich. Wann bekommt man schon einmal die Gelegenheit, einen Bunker zu gestalten?» Die Verbindung zum Bunkerverein entstand über einen Freund und besteht seit gut einem Jahr, ergänzt Morgner.
Morgner, der die Landschaft um Titterten mit jener seiner ursprünglichen Heimat vergleicht, hat erstmals einen Bunker «verschönert». Dies gelang ihm mit Unterstützung seines Sprayerkollegen und Freundes Andrea Cocco alias «Peace» aus Bern. Der Bunker, dessen Geschichte und auch die Umgebung wurden in den «neuen» Bunker eingebunden. Die Aufgabe war sehr anspruchsvoll, «zumal am Objekt keine einzige glatte Fläche vorhanden ist. Auch die Höhe der Wände ist nicht ohne gewesen», kommentiert «Boogie». So musste ein grosser Teil der zwei Tage dauernden Arbeiten von der Leiter und bei mitunter wackeligem Untergrund ausgeführt werden. Die Bemalung, die «von hinten» dreidimensional inszeniert ist, sei, so «Boogie», ebenfalls eine Herausforderung gewesen. Aber: «Es hat mir und ‹Peace› grossen Spass gemacht, hier im Baselbiet tätig sein zu dürfen.» Es sei immer toll, etwas Schönes zu hinterlassen.
Auf allen Kontinenten zu Hause
«Boogie» hat vor Jahresfrist beim Besuch des Bunkervereins Tittertenberg spontan den Auftrag zur Bemalung angenommen. «Es hat mich gereizt, das an dieser Begegnungsstätte für einen Freundschaftspreis machen zu dürfen», erklärt er. Entstanden ist – so auch die Beurteilung von Vereinspräsident Michael Lüscher aus Tenniken – ein Kunstwerk, das sich zwischen den Bäumen komplett in die Landschaft integriert. Auf die Frage, was passiere, wenn es regnet, stürmt oder schneit, versichert der Künstler: «Die Bemalung bleibt zu hundert Prozent farbecht.» «Boogie» ist als selbstständiger Graffitikünstler ein ehrgeiziger Macher in seinem Beruf und weltweit eine Kapazität. Seine Leidenschaft für Graffitis hat ihn in mittlerweile 45 Länder auf allen Kontinenten geführt. Dieser Tage fliegt er nach Hongkong und Australien, um dort tätig zu sein. Sein professionelles Schaffen hat ihm verschiedene kommerzielle Kooperationen mit grossen Marken ermöglicht. «Boogie» nennt in diesem Zusammenhang die Unternehmen BMW, Google, Sony, Marvel, Burton Snowboards, Fairtrade, Alfa Romeo, das Dolder in Zürich oder die Formel- 1-Boliden des ehemaligen Schweizer Rennstalls Sauber. Als Ausgleich zum Beruf ist «Boogie» vielfach in den Bergen und am Meer anzutreffen. Er gehe im Winter auch sehr gerne Snowboarden oder geniesse einfach die Natur.
Bunker-Präsident Michael Lüscher freut sich zusammen mit seinen Mitgliedern auf den Tag des offenen Bunkers vom kommenden Samstag. Er sagt, dass dies für alle ein historischer Moment sein werde, wenn sie den neuen Bunker bestaunen dürfen. Dieser wird im Rahmen eines Baugesuchs der Gemeinde Titterten, der Eigentümerin, von einer «Militärischen Anlage Bunker» in eine «Militär-historische Anlage» umfunktioniert. Schliesslich sagt Lüscher, dass das geschaffene Werk nur dank Sponsoren möglich wurde. Einen substanziellen Beitrag steuerte dabei die Abteilung Kulturförderung der Baselbieter Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion bei.

