«Bolero»-Ruine unter dem Hammer
21.05.2026 SissachMit einstigem Motel beschäftigt sich das Betreibungsamt
Seit Jahren verfällt das frühere Motel und spätere «Bolero» auf der Passhöhe des Unteren Hauensteins. Nun bahnt sich auf dem Areal die nächste Wende an: Für August ist eine ...
Mit einstigem Motel beschäftigt sich das Betreibungsamt
Seit Jahren verfällt das frühere Motel und spätere «Bolero» auf der Passhöhe des Unteren Hauensteins. Nun bahnt sich auf dem Areal die nächste Wende an: Für August ist eine Zwangsversteigerung angesetzt. Damit könnten auch die jüngsten Neubaupläne scheitern.
David Thommen
Auf dem ehemaligen «Bolero»- Areal auf der Passhöhe des Unteren Hauensteins sieht es nach einer nächsten Wendung in einer langen Geschichte voller Ankündigungen und Verzögerungen aus. Für das Gelände ist im August eine Zwangsversteigerung geplant: «Derzeit wird die erwähnte Liegenschaftssteigerung vorbereitet», teilt das zuständige Betreibungsamt Olten-Gösgen auf Anfrage mit. Die Steigerungsbedingungen und Dokumentation zur Liegenschaft würden anschliessend veröffentlicht. Und weiter: «Dies kann jedoch noch einige Wochen dauern. Bis dahin können zum Inhalt des Geschäfts keine Informationen abgegeben werden.»
Der heutige Eigentümer Peter Wegmüller bestätigt, dass eine entsprechende Versteigerung im Raum steht. Konkretere Angaben zu den Hintergründen will der Mitte-60-jährige Unternehmer, der nach eigenen Angaben sein Geld einst im Ausland als Lieferant von Sand und Kies für die Betonindustrie verdient hat, jedoch ebenfalls nicht machen. So viel aber sagt er: «Ich bin ein Kämpfer. Dass ich weiterkämpfe, das ist ganz klar.» Er habe schon viel in das Projekt investiert und wolle nicht frühzeitig aufgeben.
Gleichzeitig sagt er zunächst, dass er die angekündigte Neuentwicklung des Areals in der ursprünglich vorgesehenen Form nicht mehr realisieren werde. Auf Nachfrage relativiert er diese Aussage wieder: «Ich sage ‹Jein›.» Weitere Erklärungen wollte er gegenüber der «Volksstimme» nicht abgeben.
Viele Pläne, wenig Fortschritt
Das 1956 eröffnete ehemalige Motel auf der Passhöhe beschäftigt die Gemeinde Hauenstein-Ifenthal seit Jahren. Nachdem der Motelbetrieb an der Grenze zu Läufelfingen unrentabel geworden war, zog dort der damalige Erotikbetrieb Bolero ein, der 2012 definitiv geschlossen wurde. Danach verfielen die Gebäude zunehmend. Vandalen beschädigten die leer stehenden Häuser, die Natur überwucherte das Gelände immer stärker. Zwischenzeitlich diente das Areal sogar der Armee für Häuserkampf-Übungen. Betrachtet man das grosse Hauptgebäude heute von der Passstrasse aus, sind nicht zuletzt auch Brandspuren zu erkennen.
Bereits vor dem Einstieg des aktuellen Besitzers hatte es ambitionierte Ideen für das Gelände gegeben. Ein damaliger Investor aus Zürich plante auf der Passhöhe ein Seminarzentrum mit Hotelbetrieb. Ein Zürcher Architekturbüro entwarf dafür einen markanten Rundbau mit rund 90 Zimmern, der als Hotel- und Tagungskomplex auf dem Pass hätte entstehen sollen. Das Projekt scheiterte jedoch nach der Corona-Pandemie – offenbar wegen eines abgesprungenen Investors und Ankernutzers aus der Industrie.
Im Jahr 2022 kaufte Peter Wegmüller das knapp 9000 Quadratmeter grosse Grundstück. Der im Oberbaselbiet aufgewachsene Unternehmer präsentierte der Bevölkerung 2023 Pläne für mehrere Einfamilienhäuser, Wohnungen, eine Halle sowie ein Café-Restaurant mit dem Namen «Kaffi Balero», für das er bereits Visitenkarten zur Hand hatte.
Der Abriss der bestehenden Ruine schien damals bevorzustehen. Die Gemeinde erteilte 2023 laut Medienberichten die entsprechende Bewilligung und der Besitzer liess das überwachsene Gelände roden, was für Aufsehen sorgte. Gebaut oder abgebrochen wurde seither jedoch nichts.
Gemeindepräsident Stefan Berchtold hatte in den Medien mehrfach erklärt, die Einflussmöglichkeiten der Gemeinde seien begrenzt. Gleichzeitig machte die Gemeinde deutlich, dass für eine Entwicklung des Areals klare Bedingungen gelten und dass die Gemeindeversammlung via Gestaltungsplan dabei mitreden werde. Im Dorf wird das Areal seit Jahren als Problemfall wahrgenommen. Mit seiner prominenten Lage – mit prächtigem Weitblick auf das Mittelland und die Alpen – gilt die frühere Motel- und Bordellruine vielen als Schandfleck. Wann sich dies ändert, scheint im Moment wieder offen.

