Kanton lässt den Untergrund untersuchen
Anfang der 2030er-Jahre muss der Chienbergtunnel in Sissach saniert werden. Messungen im Bereich des Tagesbruchs von 2002 liefern wichtige Erkenntnisse für die Sanierungsplanung.
Janis Erne
Den meisten ...
Kanton lässt den Untergrund untersuchen
Anfang der 2030er-Jahre muss der Chienbergtunnel in Sissach saniert werden. Messungen im Bereich des Tagesbruchs von 2002 liefern wichtige Erkenntnisse für die Sanierungsplanung.
Janis Erne
Den meisten Anwohnern ist er längst aufgefallen: der blaue Bohrturm, der etwas oberhalb von Sissach steht – auf einem Feld beim Rank der Rheinfelderstrasse Richtung Fluh. In den vergangenen Wochen hat er sich mehrmals verschoben. An fünf Stellen wurde bis zu 70 Meter tief in den Boden gebohrt, um mit den gewonnenen Bohrkernen die Beschaffenheit des Untergrunds zu untersuchen.
Grund dafür ist der darunterliegende Chienbergtunnel, der Anfang der 2030er-Jahre aus Sicherheitsgründen saniert werden muss. Bevor die komplexe Sanierung beginnen kann, ist eine gründliche Planung erforderlich – «und dafür braucht es aktuelle Daten», wie Reto Wagner sagt. Er ist beim Baselbieter Tiefbauamt für die Kantonsstrassen verantwortlich und zeigte der «Volksstimme» zusammen mit dem zuständigen Geologen die Bohrungen.
Das Bohrgebiet steht unter besonderer Beobachtung, seit dort im Jahr 2002 der Tunnel während des Baus eingestürzt ist. Knapp 25 Jahre später werden vor der ersten grossen Sanierung – allein die Planung kostet rund 15 Millionen Franken – neue Messsysteme platziert. Sie erfassen unter anderem die Beschaffenheit und Verformung des Untergrunds sowie den Wasserstand und die Temperatur. Daraus sollen Rückschlüsse auf das Verhalten des Gebirges gezogen werden, das auf den Tunnel drückt.
Vorerst keine Überraschungen
Es gebe Daten der permanenten Überwachung, sagt Geologe Martin Meyer von der Firma Geotechnisches Institut Basel. Die aktuellen Messungen entlang der Tunnelachse ergänzten diese und seien wichtig, damit die anspruchsvolle Sanierung geplant und letztlich erfolgreich durchgeführt werden könne. Denn: Der durch Wasser aufquellende Gipskeuper stellt eine grosse Herausforderung dar. Er drückt auf den Tunnel, verformt ihn und verursacht Risse in der Tunnelsohle.
Dieses Problem soll entschärft werden, damit die Sanierungsintervalle verlängert werden können, wie «Strassenchef» Reto Wagner erklärt. Die jetzt geplante Sanierung umfasst deshalb nicht nur die Fahrbahn und die Tunneltechnik, sondern auch die speziell ausgebauten Bereiche der sogenannten Hebungszone West unterhalb des Messgebiets. Sie ist eine von zwei entlang der Fahrbahn und schützt den Tunnel mit verschiedenen Installationen vor dem Quelldruck des Gesteins.
Bei den Gesteinsschichten bestätigen erste Ergebnisse der jüngsten Messungen die bisherigen Erkenntnisse, wie Geologe Martin Meyer erläutert: «In der Nähe der Oberfläche gibt es verwitterten Gipskeuper-Fels, der bröckelig ist. In Tunnelnähe ist der Gipskeuper als harter Fels ausgebildet, wobei hier bei Wasserzutritt der bekannte Quellprozess in Gang gesetzt wird.»
Nun ist es an den Planern, ein entsprechendes Sanierungskonzept zu erarbeiten. Der Bohrturm hat seinen Dienst getan und wird in diesen Tagen abgebaut und abtransportiert.