Blüten gegen die Trostlosigkeit
12.05.2026 EptingenDie Gemeinde Eptingen setzt bei der Neugestaltung ihres Friedhofs auf mehr Natur, Farbe und Begegnung. Über zwei Dutzend Freiwillige halfen mit, die Anlage mit Hunderten Pflanzen freundlicher und pflegeleichter zu gestalten.
Elmar Gächter
Es ist ...
Die Gemeinde Eptingen setzt bei der Neugestaltung ihres Friedhofs auf mehr Natur, Farbe und Begegnung. Über zwei Dutzend Freiwillige halfen mit, die Anlage mit Hunderten Pflanzen freundlicher und pflegeleichter zu gestalten.
Elmar Gächter
Es ist Samstagmorgen, 9 Uhr, auf dem Friedhof in Eptingen. Bodendecker, Prachtstauden, Taglilien, Rittersporn, Glockenblumen, Fuchsia, Pfingstrosen und viele weitere Arten warten darauf, von fleissigen Händen gepflanzt zu werden. Rund 800 Jungpflanzen stehen in ihren Töpfen auf der rund 50 Meter langen Böschung – fachmännisch ausgewählt und gruppenweise zusammengestellt, um die Besucherinnen und Besucher des Gottesackers künftig von Frühling bis Herbst mit einem Blütensegen zu empfangen.
Mehr als zwei Dutzend Einwohnerinnen und Einwohner, darunter Familien mit ihren Kindern, sind dem Aufruf des Gemeinderats gefolgt, den etwas oberhalb des Dorfes gelegenen Friedhof farbenfroher zu gestalten. «Der Friedhofbesuch ist meist mit Trauer verbunden, umso wichtiger ist es, das Umfeld mit etwas Schönem und Aufmunterndem zu gestalten», hält Gemeinderat Anesti Ries fest. Lange Zeit sei der Friedhof in dieser Hinsicht vernachlässigt worden.
Die Ideen für die Neugestaltung stammen von Anesti Ries und Sascha Plüss. Plüss ist seit eineinhalb Jahren als Gemeindeangestellter unter anderem für Pflege und Unterhalt des Friedhofs zuständig. «Er ist mir ein Anliegen, weil er Hoffnung machen soll für Neues. Wenn die Leute schon wegen etwas Traurigem hierherkommen, sollte die letzte Ruhestätte nicht auch noch traurig aussehen», lautet sein Credo. Zusammen mit seinem Mitarbeiter hat er die Böschung flacher gestaltet, die Monobepflanzung mit Cotoneaster entfernt, mehr Pflanzfläche geschaffen und einen Stromanschluss installiert, um den Friedhof im Dezember weihnächtlich zu beleuchten. Ganz wichtig war ihm und dem Gemeinderat zudem, den Zugang von der Aufbahrungshalle in das tiefer liegende Areal mit einer Rampe barrierefrei zu gestalten. Die Neubepflanzung sorge das ganze Jahr für etwas Blühendes und das Immergrün auch im Winter für einen farbigen Tupfer und führe zudem zu einem pflegeleichteren Unterhalt.
Weitere Pläne
Auch Monika und Werner Speiser schätzen einen schönen Friedhof und helfen bei solchen Anlässen gerne mit. Auch, um den Kontakt zur Dorfbevölkerung zu pflegen. «Ich mache diese Arbeit sehr gerne und es freut mich, wenn es hier künftig wieder blüht und nicht mehr das Unkraut die Flächen beherrscht», sagt Monika Speiser, die seit ihrer Geburt in Eptingen wohnt. Die Gemeinschaft zu pflegen ist auch für Patrick Meury einer der Gründe, sich
an diesem Werk zu beteiligen. In Eptingen spüre man den Zusammenhalt, wenn es darum gehe, bei den verschiedensten Anlässen gemeinsam anzupacken. Als gelernter Landschaftsgärtner spricht er Sascha Plüss ein grosses Lob aus: «Wenn die Arbeit so optimal vorbereitet ist, wird das Pflanzen zur Meditation.»
Teilnehmerin Bettina Kürmann schätzt neben einem gepflegten Friedhof vor allem die schönen Begegnungen beim Besuch des Gottesackers: «Wenn man hierherkommt, ist es eine bewusste Handlung, sich an Menschen zu erinnern, die einem nahegestanden sind. Wichtig sind mir auch die Pflege und der Unterhalt des individuellen Grabschmucks.»
Abgeschlossen ist die Neugestaltung mit der Pflanzaktion noch nicht. Sascha Plüss plant einen Rosenbogen neben der Abdankungshalle und spricht von Kletterrosen, welche die etwas sterile Urnenwand auflockern sollen. Zudem soll das Gemeinschaftsgrab auf der kleinen Wiese, die immer mehr belegt sei, auf dem grösseren, tiefer liegenden Grabfeld erweitert und dabei möglichst naturnah bepflanzt werden. Alle Teilnehmenden waren nach der Arbeit zu einer gemütlichen Grillrunde eingeladen. Plüss schätzt solches Beisammensein vor allem auch, weil man mit der Bevölkerung ins Gespräch komme. «Die Leute trauen sich bei einem lockeren Smalltalk viel eher zu sagen, wo der Schuh drückt», ist Plüss überzeugt.
Die Bevölkerung bepflanzte den Friedhof neu

