«blpk» kauft das Sixmadun-Areal
18.06.2026 SissachDie neue Investorin will Mietwohnungen realisieren
Die Helvetia Versicherung hat ihrer Ankündigung Taten folgen lassen und das frühere Sixmadun-Areal beim Sissacher Bahnhof abgestossen. Käuferin ist die Basellandschaftliche Pensionskasse («blpk»). Sie will ...
Die neue Investorin will Mietwohnungen realisieren
Die Helvetia Versicherung hat ihrer Ankündigung Taten folgen lassen und das frühere Sixmadun-Areal beim Sissacher Bahnhof abgestossen. Käuferin ist die Basellandschaftliche Pensionskasse («blpk»). Sie will Mietwohnungen bauen.
Christian Horisberger
Es endete mit einem Eklat: Nach mehrjähriger Planung hat die Helvetia Versicherung im August vergangenen Jahres das Handtuch geworfen. Anstatt das erworbene Areal der früheren Sixmadun in der Nähe des Sissacher Bahnhofs neu zu bebauen, hat sie nach spät eingebrachten Forderungen der Baselbieter Denkmal- und Heimatschutzkommission (DHK) und der Arealbaukommission (ABK) entschieden, das Projekt aufzugeben und einen Käufer für ihr Grundstück zu suchen.
Damit hatte sie Erfolg. Wie die Helvetia auf Anfrage der «Volksstimme» erklärt, hat sie das Areal mitsamt den Gewerbe- und Bürobauten soeben an die Basellandschaftliche Pensionskasse («blpk») verkauft. Die Verurkundung ist vergangene Woche erfolgt. Über den Verkaufspreis wurde Stillschweigen vereinbart. Als «Zückerli» überliess die Helvetia der Käuferin die Vorschläge, die vier Architekturbüros für die Bebauung des Areals an zentraler Lage bei einem Wettbewerb eingereicht hatten.
Es wäre somit möglich, dass die Käuferin das Siegerprojekt des Basler Architekten Harry Gugger oder einen anderen Wettbewerbsbeitrag weiterentwickelt und umsetzt. Dies sei vorstellbar, sagt Georg Meier, Leiter Portfolio Management der Adimmo AG, der im Auftrag der «blpk» die Planung des Areals leitet. «Wir wollen so viel wie möglich von der Vorarbeit, die nicht schlecht war, für uns nutzen», hält er fest, «mehrere Teilnehmer des Wettbewerbs hatten interessante Ansätze.» Auf einen weiteren Wettbewerb möchte Meier jedenfalls verzichten: «Das kostet Geld, braucht Zeit und ob das Ergebnis bei allen involvierten Stellen ankommt, ist nicht sicher.» Als Erstes aber will der Immobilienfachmann die Geschichte aufarbeiten. Um zu verstehen, woran das Projekt der Helvetia gescheitert ist, wolle er das Gespräch mit Vertretern der kantonalen Stellen suchen. Die Investorin mit ihrem wirtschaftlichen Interesse befinde sich in einem Spannungsfeld mit weiteren Anliegen: dem Schaffen von Mietwohnungen, verdichtetem Bauen an zentraler Lage sowie denkmalschützerischen Vorgaben. «Wir machen das nicht zum ersten Mal», sagt Meier, «ich hoffe, dass wir auch hier einen Weg finden, der für alle akzeptabel ist.»
Mit dem Sissacher Gemeindepräsidenten Peter Buser hat Meier bereits Kontakt aufgenommen: «Ich habe vonseiten der Gemeinde grosses Interesse daran gespürt, dass die Pensionskasse ein Wohnbauprojekt umsetzt.» Dies bestätigt Präsident Buser: «Ich bin froh, dass es sich bei der ‹blpk› um eine Investorin handelt, die an einem langfristigen Engagement interessiert ist und Mietwohnungen baut und nicht mit Eigentumswohnungen eine rasche Rendite herausholen will.»
«Viele Köche …»
Schon vor den Gesprächen mit den Vertretern der kantonalen Stellen stehen für Adimmo-Kadermann Meier zwei Dinge fest: Eine Nutzung der bestehenden Gebäude kommt für die Investorin nicht infrage und sie wird einen Quartierplan erarbeiten, ohne die Grundstücke zweier Nachbarn – die Firma Buess Weinhandel und die Familie Handschin – einzubeziehen, wie dies die Helvetia getan hatte. «Wenn alle auf ihren eigenen Vorteil schauen, ist das Risiko gross, dass man irgendwann vor einem Scherbenhaufen steht», sagt Meier: «Viele Köche verderben den Brei.»
Mit dem Ausschluss der Nachbarparzellen braucht sich die «blpk» auch nicht mit der Frage nach dem denkmalschützerischen Wert der Liegenschaft «Alti Schmitti» zu befassen, die sich auf einem der fremden Grundstücke befindet. Das plötzliche Interesse der Denkmal- und Heimatschutzkommission an diesem verlotterten Haus dürfte mit ein Grund gewesen sein, weshalb die Helvetia das Handtuch geworfen hat.
Durch den «Alleingang» könnte sich für die neue Eigentümerin des Areals gar eine höhere Nutzung als im bisherigen Quartierplanentwurf ergeben, tönt Portfolio-Manager Meier an. Sofort fügt er an, dass sich dies in der Abstimmung mit Kanton und Gemeinde zeigen werde: «Wir achten auf das Gesamtbild.» Aber noch stehe man ganz am Anfang. Weitere Angaben zum Bauvorhaben hofft er im Spätsommer machen zu können, wenn er sich aufgrund der anstehenden Gespräche ein klares Bild von der Gesamtsituation verschafft hat.
Bis sich auf dem Gelände «etwas bewegt», wie Meier sagt, werde es voraussichtlich noch etwa zwei Jahre dauern. Den bisherigen Mietern in der ehemaligen Sixmadun/ Tobler werde daher die Möglichkeit geboten, ihre Verträge noch bis Ende nächsten Jahres zu verlängern.
Die Frage nach der voraussichtlichen Höhe der Investition lässt der Immobilienentwickler vorderhand offen. Denn das Volumen sei neu zu definieren und es könne auch noch nicht gesagt werden, wie viele Tiefgaragengeschosse erforderlich sind, sagt er. Man könne aber von einem zweistelligen Millionenbetrag ausgehen. Für die Pensionskasse handle es sich um ein Vorhaben «mittlerer Grösse». Zur Erinnerung: Im Projekt der Helvetia Versicherung waren auf dem Areal 45 Mietwohnungen, Flächen für stilles Gewerbe und als Option ein Gastrobetrieb geplant.

