Bleibt die Tigermücke?
04.09.2026 SissachMittlerweile sind drei Fundorte bestätigt – Fallen sollen Ausbreitung zeigen
Anfang August wurde die Asiatische Tigermücke erstmals in Sissach gesichtet. Inzwischen gibt es drei bestätigte Fundorte. Noch ist unklar, wie gross das Vorkommen tatsächlich ist – ...
Mittlerweile sind drei Fundorte bestätigt – Fallen sollen Ausbreitung zeigen
Anfang August wurde die Asiatische Tigermücke erstmals in Sissach gesichtet. Inzwischen gibt es drei bestätigte Fundorte. Noch ist unklar, wie gross das Vorkommen tatsächlich ist – und ob sich die invasive Mücke im Oberbaselbiet dauerhaft festsetzen kann.
Brigitt Buser und David Thommen
Klein, schwarz und unscheinbar stehen die Plastikkübel an schattigen Orten in Sissach. Rund ein halbes Dutzend solcher Fallen hat das Team des Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Instituts (Swiss TPH) inzwischen aufgestellt. Sie sollen zeigen, wie weit sich die Asiatische Tigermücke im Dorf bereits ausgebreitet hat.
Die erste Meldung aus Sissach ging Anfang August ein. Kurze Zeit später informierte die Gemeinde die Bevölkerung darüber, dass die invasive Stechmücke im Ort angekommen sei. Seither sind weitere Funde hinzugekommen. Mittlerweile wurde die Tigermücke an drei Stellen im Gebiet zwischen Schloss Ebenrain und Friedhof sicher nachgewiesen. Aus diesem Perimeter hätten sich zudem mehrere Personen mit verdächtigen Beobachtungen gemeldet, sagt Martin Gschwind, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Swiss TPH und Leiter des regionalen Tigermückenmonitorings.
Wie weit die Mücke in Sissach tatsächlich vorgedrungen ist, lässt sich derzeit nicht abschliessend sagen. Es sei denkbar, dass es weitere betroffene Gebiete gibt, sagt Gschwind. Seit gestern ist das bisher bekannte Vorkommen in Sissach auf der Internet-Verbreitungskarte der Asiatischen Tigermücke eingezeichnet.
Larven im Schirmständer
Dass sich die Mücke in Sissach nicht nur vorübergehend aufhält, sondern hier auch vermehrt, ist bereits belegt. An einem der Fundorte stiessen die Fachleute in einem mit Wasser gefüllten, nicht verschlossenen Sockel eines Schirmständers auf Larven.
Für die Tigermücke sind solche unscheinbaren Wasseransammlungen ideale Brutplätze – Blumenuntersetzer, Giesskannen, herumliegendes Spielzeug oder andere Gefässe mit wenig stehendem Wasser genügen. Der jüngste gemeldete Fund in Sissach stammt unmittelbar aus dem Gebiet hinter dem Friedhof. Friedhöfe gelten als bekannte Brutstätten, weil sich etwa in Blumenvasen immer wieder Wasser sammelt.
Um weitere Vorkommen aufzuspüren, hat das Monitoringteam seine Eiablagefallen aufgestellt. Es handelt sich um kleine schwarze Plastikkübel, die mit einem Tigermückensymbol gekennzeichnet und zu rund zwei Dritteln mit Wasser gefüllt sind. Darin steckt eine 2,5 Zentimeter breite Holzleiste, die knapp über den Rand hinausragt. Weibliche Tigermücken legen ihre schwarzen Eier knapp oberhalb der Wasseroberfläche auf dieser Leiste ab.
Die Fallen werden wöchentlich kontrolliert. Dabei nehmen die Fachleute die Holzleisten heraus und untersuchen sie später unter dem Mikroskop. Der Kübel wird geleert und gereinigt, anschliessend kommen frisches Wasser und eine neue Holzleiste hinein. Dem Wasser wird zusätzlich ein Granulat mit dem Bakterium «Bacillus thuringiensis israelensis», kurz Bti, beigegeben. Der biologische Wirkstoff tötet allfällige aus den Eiern geschlüpfte Mückenlarven ab, ohne dass die Falle dadurch ihre Funktion als Eiablagestelle verliert.
Bei den hohen Temperaturen dieses Sommers konnte die Entwicklung vom Ei bis zur erwachsenen Mücke innerhalb von gut einer Woche erfolgen. Jetzt im Spätsommer nimmt die Mückenproduktion langsam ab. Vorbei ist die Saison damit aber noch nicht: Weibchen können nach einer Blutmahlzeit weitere Eier produzieren. Diese sind trockenresistent und können mehrere Monate überstehen – auch bis zum nächsten Frühling.
Wohl im Auto mitgereist
Wie die Tigermücke nach Sissach gelangt ist, lässt sich nicht rekonstruieren. Gschwind hält es für denkbar, dass sie als blinder Passagier in einem Auto mitgereist ist – wahrscheinlich aus Basel oder dessen Umgebung. Dass die Tiere vom Wind bis nach Sissach verfrachtet worden sind, hält er für wenig wahrscheinlich. Die bislang nächstgelegene bekannte und wachsende Population befindet sich im Grenzgebiet von Frenkendorf, Füllinsdorf und Liestal. Im Raum Basel ist die Tigermücke schon deutlich weiter verbreitet: «In diesem Jahr ist es aufgrund der Wetterbedingungen extrem», sagt Gschwind. Menschen in Basel und umliegenden Gemeinden würden teilweise regelrecht von den tagaktiven Mücken attackiert. Beim Swiss TPH meldeten sich Betroffene, die derart verzweifelt seien, dass sie am Telefon beinahe weinten, sagt Gschwind.
Aus eigener Kraft überwinden Tigermücken nur beschränkte Distanzen. Der Fund in Sissach bedeutet deshalb nicht zwingend, dass das lästige Insekt nun nach und nach das ganze Oberbaselbiet besiedelt. Ebenso wenig stehe fest, dass sich die Tigermücke in Sissach dauerhaft etablieren wird. Neu auftretende Populationen können laut Gschwind auch wieder zum Verschwinden gebracht werden. Voraussetzung sei allerdings, dass Brutstätten konsequent beseitigt beziehungsweise behandelt werden. Im öffentlichen Raum ist dafür die Gemeinde zuständig, auf privaten Grundstücken sind es die Eigentümer, Bewohner oder Unternehmen.
Gerade in neu betroffenen Gebieten fehle häufig noch die nötige Sensibilität und Routine, stellt Gschwind fest und mögliche Brutstellen würden leicht übersehen. «Das rächt sich dann rasch», sagt er. Die Tigermücke ist mehr als nur ein lästiger Gast: Im schlimmsten Fall kann sie Krankheitserreger wie die Viren des Dengueoder Chikungunya-Fiebers von einem infizierten Menschen auf weitere Personen übertragen. Einen spezifischen natürlichen Fressfeind, der ihre Bestände zuverlässig in Schach halten würde, hat die Asiatische Tigermücke bislang nicht.
Bei verdächtigen Mücken: Möglichst fotografieren oder einfangen und über muecken-schweiz.ch oder tigermuecke@ swisstph.ch (Tel. 061 284 81 11) melden.



