«BirdLife» räumt mit Naturschutz-Mythos auf
02.04.2026 RünenbergSchweiz steht schlechter da als gedacht
Auch wenn in unserer Region zahlreiche Projekte zur Förderung der Artenvielfalt am Laufen sind, ist das Bewusstsein, dass unsere Natur dringend Schutz benötigt, bei der Bevölkerung noch nicht angekommen.
Brigitt ...
Schweiz steht schlechter da als gedacht
Auch wenn in unserer Region zahlreiche Projekte zur Förderung der Artenvielfalt am Laufen sind, ist das Bewusstsein, dass unsere Natur dringend Schutz benötigt, bei der Bevölkerung noch nicht angekommen.
Brigitt Buser
An der Delegiertenversammlung von «BirdLife Baselland» in Rünenberg erklärte Raffael Ayé, Geschäftsführer von «BirdLife Schweiz», das Nein zur Biodiversitätsinitiative sei kein Votum gegen die Natur gewesen. Abgelehnt worden sei sie in einer Zeit multipler Krisen. Zudem sei im Initiativtext unter anderem der Schutz von baukulturellem Erbe sehr prominent platziert worden.
X Umfragen hätten aber deutlich gezeigt, dass der Bevölkerung die Natur sehr wichtig sei. Kurz nach der Abstimmung empfanden 76 Prozent der befragten Stimmberechtigten die Zerstörung der Natur als gravierend. Eine Umfrage aus dem Vorjahr ergab, dass 72 Prozent der Befragten ein guter Erhaltungszustand der Biodiversität sehr wichtig sei, 27 Prozent sei dies eher wichtig – zusammen sensationelle 97 Prozent.
Man könnte meinen, diese Antworten seien bloss ein Lippenbekenntnis. Ayé bezweifelt das jedoch. Als Beleg verwies er auf die grösstenteils ausgebuchten Grundkurse und Exkursionen, die «BirdLife Schweiz» jedes Jahr anbietet. Die Differenz liege nicht darin, ob die Bevölkerung die Natur liebe – vielmehr sei ihr immer noch nicht bewusst, wie es tatsächlich um die Natur in der Schweiz stehe. Grund dafür sei der Mythos, dass die Schweiz in Sachen Naturschutz vorbildlich sei, der sich unglaublich zäh halte.
So sei kaum bekannt, dass die Schweiz eine längere Rote Liste gefährdeter Arten führe als ihre Nachbarländer. Auch dass die Schweiz im Vergleich zu anderen europäischen Ländern – mit Ausnahme von Bosnien-Herzegowina – anteilsmässig weit weniger Schutzgebiete ausweise, habe die Bevölkerung noch nicht erreicht.
Man sei überzeugt, die Schweiz sei diesbezüglich strenger und fortschrittlicher als die umliegenden Länder. Dem sei aber nicht so. Hinzu komme, dass in Randgebieten von Naturschutzgebieten Gemüse produziert werde, ohne Rücksicht auf den Einsatz von Pestiziden. Auch mache der biologische Einsatz zur Schädlingsbekämpfung keinen Halt vor Nützlingen oder stark gefährdeten Arten.
Zahlreiche Projekte
Abschliessend motivierte Ayé die anwesenden Delegierten der Natur- und Vogelschutzvereine von «BirdLife Baselland»: Es sei wichtig, der Bevölkerung zu vermitteln, wie ernst es um den Naturschutz in der Schweiz stehe. Ein weiteres Ziel in diesem Jahr ist die Kartierung der Waldschnepfen, deren Rückgang bisher nicht erklärt werden kann, sowie die Kartierung von Waldameisennestern. Beide Projekte sind auf freiwillige Helfer angewiesen. Gemeinsam mit dem Ebenrain Sissach wurde 2025 zudem ein Projekt zur Förderung des Eisvogels lanciert. Zunächst musste eruiert werden, wo an den wichtigsten Fliessgewässern des Kantons geeignete natürliche Brutwände bereits vorhanden sind und wo künstliche Brutmöglichkeiten angebracht werden müssen.
Wichtig dabei ist, dass Brutwände in regelmässigen Abständen vorhanden sind, da ein Eisvogelpaar ein Revier von etwa 1 bis 3 Kilometern Flusslänge besetzt. Auf einen Aufruf zur Kartierung meldeten sich erfreulicherweise 40 Freiwillige aus der Sektion, sodass diese erfolgreich abgeschlossen werden konnte.

