«Beide Projekte sind durchaus vergleichbar»
27.03.2026 GelterkindenFür Gemeindepräsident Christoph Belser bleibt «Campus Loggia» zielführend
Der Gemeinderat und das Befürworterkomitee wurden mit dem alternativen Schulhausprojekt für Gelterkinden kalt erwischt, aber nicht aus der Fassung gebracht. Der ...
Für Gemeindepräsident Christoph Belser bleibt «Campus Loggia» zielführend
Der Gemeinderat und das Befürworterkomitee wurden mit dem alternativen Schulhausprojekt für Gelterkinden kalt erwischt, aber nicht aus der Fassung gebracht. Der Gemeindepräsident hält die Weiterbearbeitung des zur Abstimmung stehenden Projekts noch immer für zielführend.
Christian Horisberger
Mit der Präsentation des Projekts «Ratio» haben Gegner des zur Abstimmung stehenden Projektierungskredits für ein neues Primarschulhaus in Gelterkinden einen Coup gelandet. Eine Gruppe von Baufachleuten hat ein Vorprojekt ausgearbeitet, das nach ihren eigenen Angaben alle für den Neubau gestellten Anforderungen erfüllt und für vier Millionen Franken günstiger realisiert werden könne, als das 11 Millionen teure Projekt «Campus Loggia», das aus einem Architekturwettbewerb als Sieger hervorgegangen ist (siehe «Volksstimme» von gestern, Seite 3).
Er und die weiteren Mitglieder seines Komitees seien am Mittwoch von der Arbeitsgemeinschaft «Ratio» völlig überrascht worden, sagt Lars Trachsler, Präsident des Befürworterkomitees auf Anfrage der «Volksstimme». Deshalb könne er sich dazu inhaltlich auch noch nicht seriös äussern. Das Komitee wolle zunächst prüfen, ob bei beiden Projekten mit denselben Parametern gearbeitet worden ist.
Schule nicht einbezogen?
Bemerkenswert findet der Präsident des Pro-Komitees, dass das alternative Projekt innert weniger Wochen entstanden ist. Hier setzt er auch ein Fragezeichen: Es handle sich um ein Bauwerk für die nächsten Jahrzehnte, was eine seriöse Planung voraussetze, in welche die Benutzer – die Schule – zwingend einbezogen werden müssten. Dass dies geschehen ist, halte er für unwahrscheinlich.
Gemeindepräsident Christoph Belser (SP) stellt aufgrund der Unterlagen zum Projekt «Ratio», die er auf Umwegen erhalten habe, fest, dass die Raumdisposition sehr ähnlich ist wie jene des Projekts «Campus Loggia». Er bleibt bei seiner Aussage, wonach ein neues Projekt die Gemeinde nicht günstiger zu stehen komme als das zur Abstimmung stehende: Mache man den Vergleich mit den gleichen Kostenpositionen, so seien die Projekte in finanzieller Hinsicht durchaus vergleichbar.
Und so kommt Belser zu dieser Aussage: Bei den Gebäudekosten, dem mit Abstand grössten Ausgabenposten, lägen die beiden Projekte in einem vergleichbaren Bereich. Im zur Abstimmung stehenden Projekt seien die Planungshonorare und eine Reserve eingerechnet. Diese fehlten hingegen in der Kostenschätzung der Arbeitsgemeinschaft «Ratio». Und: Im Bereich Umgebung würden die Projekte eine Differenz von rund 1,3 Millionen Franken aufweisen. Belser: «Wie bereits an der Gemeindeversammlung erwähnt, sieht der Gemeinderat insbesondere in den Umgebungsarbeiten Optimierungspotenzial.»
Eine Weiterbearbeitung des «Campus Loggia» ist für den Präsidenten somit nach wie vor zielführend, wie er sagt. In der Projektierungsphase würden die Detaillierung und Optimierung des Projekts erfolgen, ebenso die Ausschreibungen: «Damit diese Arbeiten gestartet werden können, braucht es nun den Projektierungskredit, über den wir am 26. April abstimmen werden.»
Bodengewinn für Gegner
Das Befürworterkomitee werde in seinem Abstimmungskampf auf das neu vorgelegte Projekt eingehen, sagt Trachsler. Insbesondere werde man darauf hinweisen, dass eine Ablehnung des Projektierungskredits für den «Campus Loggia» über etwas mehr als eine Million Franken nicht gleichbedeutend wäre mit einem Ja zum Projekt «Ratio».
Obwohl sein Komitee vom Coup der Gegner überrumpelt worden sei und die Gegner im Abstimmungskampf etwas Boden gewonnen haben dürften, sieht Trachsler darin für seine Seite auch etwas Positives: «Die Gegner anerkennen damit, dass es diesen Schulraum wirklich braucht.» Dies habe das Referendumskomitee bisher angezweifelt.
Der Arbeitsgemeinschaft «Ratio» gehören nicht weniger als vier ehemalige Gemeinderatsmitglieder an; unter ihnen die früheren Gemeindeoberhäupter Christine Mangold und ihr Vorgänger Michael Baader (beide BZG). Der amtierende Gemeindepräsident Christoph Belser ist davon nicht begeistert: «Wenn ehemalige Gemeinderatsmitglieder zu diesem Zeitpunkt auf diese Weise gegenüber dem aktuellen Gemeinderat auftreten, erachte ich das als nicht sehr konstruktiv. Der aktuelle Gemeinderat durfte doch die eine oder andere Altlast aus früheren Amtsperioden übernehmen.»
Deshalb die Frage an Belser, ob der Gemeinderat das Projekt der Arbeitsgemeinschaft «Ratio» in Betracht ziehen wird, falls das Referendum erfolgreich ist? Dieser sagt dazu knapp: «Die Planungsarbeiten müssten neu aufgegleist werden. Die Beschaffungen unterliegen den gesetzlichen Vorgaben des öffentlichen Beschaffungswesens.»
