Badi schliesst drei Wochen früher
25.08.2026 GelterkindenSparmassnahmen wegen Trinkwassersituation verschärft
Um die Versorgung mit Trinkwasser weiterhin sicherzustellen, hat der Gelterkinder Gemeinderat einschneidende Massnahmen verfügt. So wird die Freibad-Saison verkürzt und das Autowaschen in öffentlichen Waschanlagen ...
Sparmassnahmen wegen Trinkwassersituation verschärft
Um die Versorgung mit Trinkwasser weiterhin sicherzustellen, hat der Gelterkinder Gemeinderat einschneidende Massnahmen verfügt. So wird die Freibad-Saison verkürzt und das Autowaschen in öffentlichen Waschanlagen verboten.
Christian Horisberger
«Jeder Tropfen zählt!» Dies schreibt der Gelterkinder Gemeinderat in seiner neuesten Bekanntmachung zum Wassersparen. Die Massnahmen sind einschneidend: Aus den Empfehlungen, auf das Bewässern von Grünflächen und Gärten, das Autowaschen auf dem Hausplatz oder das Auffüllen von Pools mit Trinkwasser aus dem öffentlichen Netz zu verzichten, sind Verbote geworden. Zudem untersagt der Gemeinderat neu den Betrieb von Autowaschanlagen und hat entschieden, dass die Badi Gelterkinden anstatt am 20. September bereits am 30. August den Freibadbetrieb einstellt.
«Die Trinkwasserversorgung ist aufgrund der Zusammenschlüsse Gelterkinden, Ormalingen und Rothenfluh regional zwar noch gewährleistet, jedoch reichten die Niederschläge der letzten Tage nicht aus, um die Grundwasservorkommen zu stabilisieren oder anzureichern», heisst es in der Mitteilung auf der Gemeinde-Website. Gemeindepräsident Christoph Belser präzisiert: Die Wasserversorgungen von Rothenfluh und Ormalingen seien am Limit, Gelterkinden helfe aus, was wiederum auch die eigene Situation verschärfe.
Mit der vorzeitigen Schliessung des Schwimmbads könne einiges an Frischwasser eingespart werden. Das Einsparpotenzial schätzt Belser auf «mehrere Dutzend» Kubikmeter pro Tag. «Wir gehen als Vorbild voran, auch wenn dies bedeutet, dass unbequeme Massnahmen getroffen werden müssen», erklärt der Präsident. Immerhin sei der Ansturm auf die Badi mit dem Ende der Sommerferien eingebrochen und es gehe ohnehin dem Saisonende entgegen.
Abos gelten nun für Hallenbad
Bisher ist das vorzeitige Saisonende des Freibads bei der Bevölkerung entweder noch nicht oder aber gut angekommen. Zumindest sind beim Gemeindepräsidenten dazu noch keine Reaktionen eingegangen. Dazu beitragen könnte der Entscheid, dass die Sommersaison-Abos ihre Gültigkeit für das Hallenbad behalten – bis ende September. Hingegen wird das Hundeschwimmen am 20. September, dem ursprünglich letzten Tag der Freibad-Saison, ersatzlos gestrichen.
Für die weiteren Gartenbäder in der Region ist ein vorzeitiges Saison-Ende kein Thema. «Wir stehen laufend in Kontakt mit der Wasserversorgung, und es gibt keine Anzeichen darauf, dass der Betrieb vor dem geplanten Saisonschluss am 13. September eingestellt werden muss», sagt Markus Hügli. Der Geschäftsführer der Sport Sissach AG als Betreiberin der Kunsteisbahn und des Schwimmbads schwärmt von einem anhaltenden Besucheransturm – trotz der braunen Rasenfläche in der Badi als Folge der eingestellten Bewässerung. Andererseits hätten die Hitze und die intensive Nutzung der Becken zu einem deutlich erhöhten Frischwasserverbrauch geführt: Viele Gäste trügen mehr Schweiss, Sonnencrème und Schmutz ins Wasser und hohe Wassertemperaturen begünstigten die Vermehrung von Keimen, erklärt Hügli. Dagegen sei der Wasserverlust durch Verdunstung vernachlässigbar.
Eine Woche später als Sissach beendet das Gitterlibad in Liestal die Freiluftsaison. Planmässig. Geschäftsführer Christian Stäubli, der über die Situation in Gelterkinden im Bild ist, sagt, dass es seitens der Stadt Liestal während der gesamten Saison keinerlei Anzeichen gegeben habe, dass das Wasser für den Schwimmbadbetrieb knapp werden könnte. Eine Schliessung vor dem 20. September sei «kein realistisches Szenario». Stäubli betont, dass Wassersparen fürs «Gitterli» ein Dauerthema sei: So sei die Anlage in diesem Jahr mit einer neuen Wasseraufbereitungsanlage ausgerüstet worden. In den ersten vier Monaten nach deren Inbetriebnahme hätten gesamthaft bereits 4000 Kubikmeter Frischwasser eingespart werden können – bei einem Jahresverbrauch von 42 000 Kubikmetern.
Die Badi von Waldenburg wird die Saison laut Gemeindepräsidentin Andrea Sulzer plangemäss am 30. August beenden. Das gleiche gilt für die Gartenbäder in Zunzgen und Buus. In diesen drei Gemeinden stand eine Betriebseinschränkung aufgrund der Wassersituation nie zur Debatte.
Kostenloses Brauchwasser
Die Gemeinde Gelterkinden informierte am Freitag zusätzlich zu den neuen Auflagen für die Trinkwassernutzung auch über die Möglichkeiten für den Brauchwasserbezug: Wasser von den alten Reservoiren Röthen und Frändleten, die nicht mehr an die Wasserversorgung angeschlossen sind, kann in Absprache mit dem Brunnmeister kostenlos für landwirtschaftliche und gewerbliche Zwecke genutzt werden. Am Dorfbrunnen, der ebenfalls mit nicht aufbereitetem Quellwasser gespeist wird, können sich Kleinbezüger ohne Voranmeldung bedienen.
Gemeindepräsident Belser hofft, dass die gemeinsam mit Ormalingen und Rothenfluh getroffenen Massnahmen dazu beitragen, den Trinkwasserverbrauch weiter reduzieren zu können, nachdem die bereits geltenden Massnahmen «ein Stück weit» gewirkt hätten.
