Ausmarchung innerhalb des Teilverbands
07.05.2026 Sport, Weitere SportartenOberdorf empfängt am 17. Mai die besten Nordwestschweizer Athleten
Beim Basellandschaftlichen Kantonalschwingfest in Oberdorf sind keine hochkarätigen Gäste angekündigt. Doch dass sich die Nordwestschweizer Schwinger auch unter sich spannende Feste liefern können, ...
Oberdorf empfängt am 17. Mai die besten Nordwestschweizer Athleten
Beim Basellandschaftlichen Kantonalschwingfest in Oberdorf sind keine hochkarätigen Gäste angekündigt. Doch dass sich die Nordwestschweizer Schwinger auch unter sich spannende Feste liefern können, haben sie in jüngerer Zeit zur Genüge bewiesen.
Sebastian Wirz
Noch vor wenigen Jahren wäre bei dieser Ausgangslage alles andere als ein Aargauer Sieg eine riesige Überraschung gewesen: Beim Basellandschaftlichen Kantonalschwingfest vom 17. Mai findet sich unter den Gästen kein Eidgenosse und kein Teilverbandskranzer. Doch aufgrund der Entwicklungen der vergangenen Jahre müssen sich Schwingfans nicht auf eine langweilige inner-aargauische Ausmarchung im Oberbaselbiet einstellen. Denn auch wenn mehrere Aargauer Schwinger zu den Favoriten zählen, ist ihre Dominanz längst angekratzt.
Auf der einen Seite sind da die Baselbieter: Lange Zeit hatte der Landkanton keinen aktiven Eidgenossen. 2007 hatte der Buckter Damian Zurfluh den letzten eidgenössischen Kranz gewonnen. Doch seit dem Heim-Esaf 2022 in Pratteln weiss das Baselbiet mit Adrian Odermatt und Lars Voggensperger zwei «Böse» in seinen Reihen, die konstant in den vorderen Rängen zu finden sind. Auch im aktuellen Jahr haben sie an beiden besuchten Kranzfesten Eichenlaub geholt. 2025 kam mit Sascha Streich überraschend ein dritter Baselbieter Eidgenosse hinzu. Streich wohnt zwar in Möhlin, trainiert aber beim Schwingklub Muttenz.
Lars Voggensperger sticht nicht nur wegen seines 2. Rangs am Wochenende beim Solothurner Kantonalen hervor. Der Schönenbucher ist in Stüsslingen sowie eine Woche davor beim Ob- und Nidwaldner Kantonalschwingfest gar ohne Niederlage geblieben. Auch beim Rangschwinget in Grenchen eine Woche davor war er unbesiegt. Wer die Resultate nachschlägt, muss bis zum 12. April zurück, um einen verlorenen Gang Voggenspergers zu finden. Insgesamt landete er in dieser Outdoor-Saison bei 24 Gängen nur ein einziges Mal auf dem Rücken.
1600 Sitzplätze
Dass Voggensperger in dieser Zeit aber auch kein Fest für sich entschieden hat, deutet auf eines der Probleme hin: Er hat zu viele gestellte Gänge, um konstant ganz vorne zu landen. Beim «Solothurner» am vergangenen Sonntag kam hinzu, dass er keinen einzigen Plattwurf, also keine Note 10, verzeichnen konnte. Obwohl Sieger Sinisha Lüscher auch einen Gestellten auf dem Notenblatt hatte, verpasste Voggensperger den Festsieg so um einen Viertelpunkt. Dennoch ist der 25-Jährige das heisseste Baselbieter Eisen in Oberdorf.
OK-Präsident Michel Kuonen gibt sich zwar neutral. Nach seinem persönlichen Favoriten befragt, sagt er: «Es
sollen alle unverletzt nach Hause gehen und der Beste soll gewonnen.» Doch nach einer kurzen Denkpause schiebt er nach: «Schön wäre es schon, wenn der Sieg im eigenen Kanton bleibt.» Zum letzten Mal ist der Heimsieg 2016 Roger Erb gelungen. Seither wartet das Baselbiet trotz des Aufschwungs der vergangenen Jahre auf einen Vollerfolg am eigenen Fest.
Nicht nur die Aargauer um die Eidgenossen Nick Alpiger, Tim Roth und Tobias Widmer werden den Heimsieg vereiteln wollen. Der Kanton Solothurn ist um seine junge Garde an Spitzenschwingern zu beneiden. Sinisha Lüscher (20) und Marius Frank (21) haben beide vergangenes Jahr ihren ersten eidgenössischen Kranz gewonnen und sind stark in die Saison 2026 gestartet. Frank hat in Grenchen und Sissach «kleine» Festsiege gefeiert und am «Solothurner» den Kranz gewonnen. Lüscher, der im aargauischen Muhen wohnt und für den SK Olten-Gösgen schwingt, stand bei drei Outdoor-Schwingfesten dieses Jahr einmal an zweiter Stelle und zweimal zuoberst – jüngst bei seinem ersten alleinigen Kranzfestsieg am Solothurner Kantonalschwingfest.
Auch ohne illustre Gäste spricht alles für einen spannenden Wettkampf unter den besten Nordwestschweizer Schwingern, bei dem sich alle Kantonalverbände Chancen ausrechnen dürfen. «Wir haben starke Eidgenossen und ein offenes Feld an unserem Fest», drückt es OK-Präsident Kuonen aus. Auch über den Sieg eines Nicht-Eidgenossen würde er sich freuen – und über Neukranzer. «Wenn einer beim eigenen Fest seinen ersten Kranz gewinnt, wäre das sehr schön.» Beim Bezirksschwingklub Waldenburg, der das Fest gemeinsam mit dem Fussballclub bei der Primarschule Oberdorf organisiert, sieht Kuonen dafür ebenso Kandidaten wie im restlichen Baselbiet.
Je nach Wetter hofft der OK-Präsident auf 2000 bis 2500 Gäste. 1600 von ihnen finden sitzend Platz: «Wir haben uns entschieden, keine grosse, nummerierte Tribüne mit Sitzschalen zu stellen, sondern mehrere kleinere Gerüste.» Entsprechend gibt es keine reservierten Plätze und nur eine Ticket-Kategorie. Ab kommenden Mittwochnachmittag startet der Aufbau der Tribünen und des Festzelts. Die Schulstrasse wird gesperrt. Bis am Montagabend soll das Kantonalschwingfest 2026 in Oberdorf dann nur noch eine Erinnerung sein. Am liebsten eine mit einem Baselbieter Heimsieg.




