Aus für Pfarrhauskeller?
26.03.2026 WaldenburgBrandschutz im Lokal ist ungenügend
Nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana verschärfen die Behörden die Vorschriften. Nun droht dem beliebten «Theater im Pfarrhauskeller» in Waldenburg das Ende. Wegen Brandschutzmängeln und ausbleibender Investitionen ...
Brandschutz im Lokal ist ungenügend
Nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana verschärfen die Behörden die Vorschriften. Nun droht dem beliebten «Theater im Pfarrhauskeller» in Waldenburg das Ende. Wegen Brandschutzmängeln und ausbleibender Investitionen vonseiten der Kirchgemeinde steht der Theaterverein vor existenziellen Problemen.
Pascal Kamber
Ob Lesungen, Konzerte oder Theater: Der Pfarrhauskeller in Waldenburg ist ein beliebter Ort für Kleinkunst. Seit 1984 treten in den Räumlichkeiten an der Pfarrgasse jeden Monat einmal Künstlerinnen und Künstler aus der ganzen Schweiz auf. Der Keller ist im Besitz der Stiftung Kirchengut Baselland und wird von der Kirchgemeinde der Reformierten Kirche Langenbruck-Waldenburg-St. Peter gemietet. Hinter dem kulturellen Angebot steht aber ein sechsköpfiges Team des Vereins Theater im Pfarrhauskeller, das jeweils halbjährlich ein Programm zusammenstellt.
Damit könnte jedoch schon bald Schluss sein. «Ich wurde am Dienstagabend von Kirchenpflegepräsident Michel Degen telefonisch darüber informiert, dass wir de facto ein Hausverbot für den Pfarrhauskeller haben», sagt Leo Engeler, Co-Präsident des Theatervereins. Der Grund: mangelhafter Brandschutz. «Michel Degen teilte mir mit, dass die Kirchenstiftung und die Kirchenpflege nicht bereit seien, in zusätzliche Massnahmen für den Brandschutz zu investieren. Diese braucht es aber, damit wir den Keller weiter nutzen können», sagt Engeler. Im Nachgang zur Brandkatastrophe vom vergangenen Silvester in Crans-Montana kam ein Gutachten zum Schluss, dass im Pfarrhauskeller der Haupt- und auch der Nebeneingang nicht brandschutzkonform sind. Beide Eingänge müssten mindestens 90 Zentimeter breit sein, damit im Notfall genügend Platz für die flüchtenden Menschen vorhanden wäre.
Während sich die Vorgaben für den Haupteingang laut Engeler mehr oder weniger problemlos umsetzen liessen, sehe die Sache beim Nebeneingang komplizierter aus: Weil sich dieser unter einer historischen Treppe befindet, könne der Durchgang maximal nur auf 80 Zentimeter verbreitert werden. Zu wenig, finden die Behörden. Folglich dürfen gemäss den Vorschriften statt wie bisher bis zu 80 nur noch 50 Personen im Keller eine Vorstellung geniessen. «Wenn wir mehr Gäste begrüssen wollen, braucht es zwingend diesen zweiten Fluchtweg», sagt Engeler.
Intensive Sanierung
Die Beschränkung der Zuschauerzahl würde sich in finanzieller Hinsicht happig auswirken. Für seine Veranstaltungen verlangt der Theaterverein keinen Eintritt, stattdessen steht am Ausgang ein Kollekten-Topf bereit. «Wir brauchen pro Jahr drei bis vier Veranstaltungen mit mehr als 50 Gästen, damit wir genug einnehmen, um ein ausgeglichenes Budget präsentieren zu können. Ist das nicht mehr möglich, müssen wir den Laden schliessen», sagt Engeler.
Die zu schmalen Eingänge sind indes nicht die einzigen Punkte, die im Gutachten bemängelt wurden. Auch die elektronischen Anlagen müssten auf den neuesten Brandschutz-Stand gebracht werden. Alles in allem kommt so laut Leo Engeler ein Investitionsbedarf von rund 50 000 Franken zustande. «Wir haben der Kirchenpflege angeboten, das Geld selber aufzutreiben. Sie wollte davon aber nichts wissen», sagt Engeler. Er vermutet, dass bei den Verantwortlichen nach einer zurückliegenden, aufwendigen Sanierung des Pfarrhauses die Luft «etwas draussen» sei. «Damals mussten viele Auflagen der Denkmalpflege berücksichtigt werden. Wahrscheinlich hält sich deshalb die Lust in Grenzen, jetzt noch zusätzlich etwas für den Keller zu machen», sagt Engeler.
Michel Degen verneint nicht, dass die Sanierung viel Energie kostete. «Es war ein langer und anspruchsvoller Prozess», sagt der Kirchenpflegepräsident. Man habe damals schon gewisse Massnahmen umgesetzt. «Nach der Katastrophe in Crans-Montana stellten wir aber fest, dass das alleine nicht mehr ausreicht und wir jetzt die Sicherheitsvorschriften einhalten müssen», so Degen. Die Kirchenstiftung habe zwar mit der Baukommission geprüft, was alles nötig sei, um den Pfarrhauskeller in einen brandschutztauglichen Zustand zu versetzen. «Der bürokratische Aufwand ist aber viel zu gross für das, was am Ende herausschaut. Das können und wollen wir nicht machen», sagt Degen.
Der Entscheid sei schmerzhaft und tue ihm leid. «Dass der Theaterverein den Keller nicht mehr nutzen darf, ist sehr schade – auch für Waldenburg. Der Verein hat das toll gemacht und dafür gesorgt, dass unser Dorf weiterherum bekannt wurde», sagt Degen. Ihm sei bewusst, dass die Kirche als Ersatz nicht den gleichen Reiz biete wie der Keller. Die Kirchenpflege will den Theaterverein nicht im Regen stehen lassen. «Wenn wir irgendwie helfen können, dann gerne», sagt Degen.
Alternativen prüfen
Leo Engeler gibt zu, dass er und seine Mitstreiter vom Hausverbotsentscheid der Kirchgemeinde ziemlich überrascht wurden. «Mit einer solchen Breitseite hätten wir nicht gerechnet. Für uns ist das eine Katastrophe», sagt er. Wie es nun mit dem Theaterverein weitergehen soll, sei unklar. Bis zur Sommerpause wären noch zwei Veranstaltungen im Pfarrhauskeller geplant. Diese wie von der Kirchenpflege vorgeschlagen in der Kirche durchzuführen, sei nett gemeint, so Engeler. Aber: «Das ist nicht das Gleiche», sagt er, «manchmal besuchen uns nur ein paar wenige Gäste, sie wirken in diesem grossen Raum ziemlich verloren.»
Zusammen mit seinem Team will Engeler nun Alternativen prüfen, um den Keller zu retten. Dabei nimmt er auch die Politik in die Verantwortung: «Beim Brandschutz müssen die Behörden zwischen Gastronomie und Kultur unterscheiden. Bei uns trinken die Gäste im Keller nichts, sondern tun dies gegenüber in der Pfarrscheune. Im Keller sitzen sie nur da und applaudieren am Ende. Ich sehe hier beim besten Willen kein Brandrisiko.»
Ob die Behörden diesen «Missstand», wie es Engeler nennt, beheben, bleibt abzuwarten. Ebenso, was mit dem Theaterverein geschieht. Engeler gibt sich aber kämpferisch: «Wir geben nicht auf.»

