Aus einer Vision wird Realität
07.08.2026 OberdorfNeue Privatschule startet am Montag
Mit der «Lebendigen Schule» entsteht in Oberdorf ein neuer Lernort für Primarschulkinder. Nach acht Jahren Vorarbeit erfüllt sich Initiantin Kathrin Käser ihren Traum einer Privatschule, die individuelle Förderung und ...
Neue Privatschule startet am Montag
Mit der «Lebendigen Schule» entsteht in Oberdorf ein neuer Lernort für Primarschulkinder. Nach acht Jahren Vorarbeit erfüllt sich Initiantin Kathrin Käser ihren Traum einer Privatschule, die individuelle Förderung und ganzheitliches Lernen ins Zentrum stellt.
Sander van Riemsdijk
Mit der Gründung einer Privatschule in Oberdorf geht nach acht Jahren Vorarbeit für die Primarschul- und Klassenlehrerin Kathrin Käser ein Herzenswunsch in Erfüllung. Gleichzeitig entsteht für Kinder im Waldenburgertal ein neuer Lernort, an dem ihre individuellen Stärken, Interessen und Entwicklungsmöglichkeiten im Mittelpunkt stehen sollen. Angelehnt an die Philosophie «Kopf, Herz und Hand» des Pädagogen Johann Heinrich Pestalozzi, öffnet Käser ihre Türen für Primarschülerinnen und -schüler bis zur zweiten Klasse.
Bereits im darauffolgenden Jahr sollen der Kindergarten und die dritte Klasse dazukommen. Anschliessend soll die Schule bis zur sechsten Klasse schrittweise erweitert werden. «An der ‹Lebendigen Schule› werden Kinder in ihren Stärken und Schwächen unterstützt, wobei die Orientierung klar auf den Stärken liegt», sagt Kathrin Käser.
Im April 2025 konnte die Lehrerin nach langem Suchen aus privaten Mitteln ein Haus mitten in Oberdorf kaufen. Nachdem sie es ein Jahr lang mit tatkräftiger Unterstützung von ihrer Familie, ihren Freunden und aus der Bevölkerung umbauen und einrichten konnte, wurde ihre Vision von einer eigenen Schule im Waldenburgertal Realität. «Um eine solche Privatschule zu gründen, braucht es eine unglaubliche Begeisterung und eine feste innerliche Überzeugung für das Gelingen des Projekts», sagt Käser. So konnte sie grosse finanzielle, bauliche und administrative Herausforderungen meistern.
Für die letzten Renovationsarbeiten sowie die Erstausstattung der Schule fehlten zunächst die finanziellen Mittel. Dank eines Crowdfundings kamen bis Ende August 2025 mehr als 19 000 Franken zusammen. Für Käser war das ein starkes Zeichen des Vertrauens aus der Region.
Der Kanton Baselland erlaubt die Führung von Privatschulen bis und mit Sekundarstufe II. Eine solche ist bewilligungspflichtig. Die Bewilligung wird erteilt, wenn die an die öffentlichen Schulen gestellten Anforderungen erfüllt werden. Die Privatschulen im Bereich der obligatorischen Schulzeit (Primarstufe und Sekundarstufe I) unterstehen der Aufsicht der Bildungsdirektion.
Kein einfaches Unterfangen
Beim Einreichen ihres Gesuchs mit Unterlagen wie Schul-Leitbild, pädagogisches und organisatorisches Konzept, Qualitätsmanagement sowie Businessplan beim Amt für Volksschule (AVS) sei sie von den Mitarbeitenden mit viel Wohlwollen unterstützt worden, sagt Käser. Die Räumlichkeiten wurden im Vorfeld vom Bauamt als Schulstandort geprüft, auch das Brandschutzkonzept wurde genehmig. «Das Verfahren mit all den benötigten Unterlagen war intensiv. Umso mehr schätzte ich die offene, konstruktive und unterstützende Begleitung durch die Mitarbeitenden des Kantons», sagt Kathrin Käser.
Die erstmalige Bewilligung für die Führung einer Privatschule ist auf ein Jahr befristet. Während des ersten Betriebsjahrs erfolgt mindestens eine Besichtigung der Schule inklusive Gespräch und Einsicht in die Qualifikationen und Sonderprivatauszüge der Mitarbeitenden durch das AVS. Werden die Bestimmungen eingehalten, wird ab dem folgenden Schuljahr eine unbefristete Bewilligung verfügt.
Für die neue Schule laufen die letzten Vorbereitungen. Während der Sommerferien wurden die Schulräume fertig eingerichtet, das Schulmaterial ergänzt und der Umschwung kinderfreundlich hergerichtet. Einige Arbeiten dauern noch an.
Den Unterricht erteilt Käser ab dem kommenden Montag fürs Erste selbst. Erst- und Zweitklässler sollen eine Lerngemeinschaft bilden und dazu beitragen, die Werte und Grundgedanken der «Lebendigen Schule» mitzugestalten. Kathrin Käser verwirklicht sich damit einen Traum, der – so ist sie überzeugt – das Waldenburgertal langfristig bereichern wird.

