Kulturhistorischer Dorfrundgang mit Ausführungen
Die Nostalgie nahm beim historischen Dorfrundgang in Sissach mit dem früheren Lehrer Kurt Häring einen wichtigen Teil ein. Er erzählte den zahlreichen Interessierten viel Wissenswertes zu seinem Dorf.
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Kulturhistorischer Dorfrundgang mit Ausführungen
Die Nostalgie nahm beim historischen Dorfrundgang in Sissach mit dem früheren Lehrer Kurt Häring einen wichtigen Teil ein. Er erzählte den zahlreichen Interessierten viel Wissenswertes zu seinem Dorf.
Sander van Riemsdijk
Es geht wohl vielen Menschen so, die schon seit Jahren in Sissach wohnhaft sind oder sogar hier geboren wurden: Man fährt oder geht durchs Dorf und glaubt, nun wirklich jede Ecke, jedes Haus zu kennen. Oder vielleicht doch nicht?
Wenn der pensionierte Lehrer Kurt Häring von der Arbeitsgemeinschaft für Natur- und Heimatschutz (AGNHS) am vergangenen Donnerstagabend mit Start vor dem «Cheesmeyer» auf dem historischen Dorfrundgang durch Sissach fragt, wozu eigentlich die Wacht diente, was das Heidengässli mit Heiden zu tun hat, warum der Neuweg so genannt worden ist und was es mit der Bezeichnung «Sissacher Loch» meteorologisch auf sich hat, dann bleibt so mancher der 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Antwort schuldig.
Auf dem etwa eineinhalbstündigen Rundgang, der im Nu ausgebucht war, konnte Kurt Häring viele Fragen beantworten und mit seinem profunden Hintergrund- und Sachwissen vieles über die interessante Geschichte und die Entwicklung Sissachs erläutern.
Der Rundgang bot die Chance, unentdeckten, baulich bemerkenswerten Schönheiten wie den alten Häusern am Wuhrweg oder der Mühle (erstmalige Erwähnung 1323), die bis 1905 in Betrieb war, auf die Spur zu kommen. Der Spaziergang zeigte gewachsene Lebensstrukturen und historische Zusammenhänge auf. Dabei durfte die Historie über die Obere Fabrik und die kleine Steinbrücke über die Ergolz an der Rheinfelderstrasse natürlich nicht fehlen.
Der Puls des Dorfs schlug früher nicht zuletzt bei der Schule. Die Dorfschule – das erste Mal 1589 als Deputantenschule erwähnt – hatte den Ruf, eine der besten Landschulen zu sein. Im Jahr 1820 wurde das alte Schulhäuschen neben der Kirche eingeweiht, das gelegentlich Platz bot für «bis zu 154 Alltags- und 94 Repetierschülerinnen und -schüler», wie Kurt Häring an der Führung mit einem Schmunzeln erläuterte.
In früheren Jahren war die Rivalität zwischen Sissach und Gelterkinden ein grosses Thema. Als 1840 der Turm der reformierten Kirche ein zweites Mal aufgestockt wurde – das erste Mal fand eine solche 1611 statt – sollte, um die grössere Bedeutung Sissachs gegenüber Gelterkinden zu unterstreichen, statt eines Sattel- oder Käsbissendachs wie in Gelterkinden ein spitzes Helmdach gebaut werden.
Verpflegung in sieben Beizen
Kurt Häring konnte neben Überlieferungen aus früheren Zeiten von einem Glücksfall für Sissach berichten, als die Eisenbahn ab 1858 bis Olten fahren konnte. Sämtliche Züge, die internationalen Züge eingeschlossen, machten in Sissach Halt. Eine zweite Lokomotive war nämlich nötig, um das Homburgertal hochzufahren, was für den Vorspann etwa eine halbe Stunde dauerte. Die Reisegäste stiegen aus und verpflegten sich in einer der sieben Beizen an der Bahnhofstrasse. «Es gab Zeiten, da hatte Sissach 30 Wirtschaften», so Häring.
Mit einem längeren Aufenthalt in der reformierten Kirche mit weiteren Informationen zur Sissacher Geschichte und zum Innenbau der Kirche endete der Rundgang.