Augenzwinkernd und zuweilen etwas schräg
27.08.2026 LäufelfingenTheaterdarbietungen am Dorffest führen in die vielfältige Geschichte des Passdorfs
Wie unterhaltsam Geschichte sein kann, davon kann sich das Publikum am Wochenende überzeugen: Ein Ensemble des Theatervereins «Bühne12» nimmt das Publikum mit auf einen komödiantischen Rundgang durch «Gschicht und Gschichte us 800 Johr Läufelfinge».
Brigitte Keller
Ein eindrückliches Sammelsurium an Requisiten wurde in den vergangenen Wochen im Probelokal im «Silo 12» zusammengetragen. Jetzt, wo das dreitägige Dorffest Läufelfingen bald losgeht, wurde alles hinunter ins Dorf zu den fünf Stationen verfrachtet, wo die einzelnen Szenen spielen werden. Auch zwei alte Schulbänke befinden sich darunter. Damit wird flugs auf einem Hausvorplatz bei der Unterführung an der Eptingerstrasse eine «Schulstube» aufgebaut.
Die Idee zu einem Strassentheater während des Dorffestes hatte Autor und Regisseur Danny Wehrmüller. Mit der einzigartigen Geschichte Läufelfingens kam er erstmals vertieft in Berührung im Zusammenhang mit der Freilichtinszenierung des Stücks «Hauenstein» 2022 im Läufelfinger Steinbruch «Silo 12». Viele der damaligen Darstellerinnen und Darsteller sind dem Theaterspielen treu geblieben, bekanntlich folgte 2024 mit «Lysistrata24» eine weitere Open-Air-Produktion. Im vergangenen September wurde aus der theaterbegeisterten Crew ein eingetragener Verein mit dem Namen «Bühne12» und mit Karin Gysin-Schmutz als Präsidentin.
Das Motto ist ein wichtiger Teil
«Nicht jeder interessiert sich prinzipiell für Geschichte», darüber ist sich Danny Wehrmüller im Klaren, «also muss man Sachen bringen, die vom Theatralischen her attraktiv sind.» Mit diesem Bewusstsein machte er sich an die Auswahl geeigneter Begebenheiten aus der aufregenden Geschichte Läufelfingens. Dabei konnte er auf die wertvolle Unterstützung von Margrit Balscheit, der ehemaligen Läufelfinger Gemeindepräsidentin, zählen. «Wir haben uns bei den Vorbereitungen des Stücks ‹Hauenstein› kennengelernt», erzählt Wehrmüller. «Sie kennt sich aus wie kaum jemand sonst und war mir eine unschätzbare Hilfe.» Das Ganze komme sehr komödiantisch daher, zugespitzt und theatralisch überhöht, aber die Fakten, Namen und Jahreszahlen müssten wasserdicht sein.
Im improvisierten Schulzimmer beginnt «der Unterricht», die Frühgeschichte und die Geschichte der Homburg stehen auf dem Stundenplan. Allein schon das Benehmen der «Kinder» und des «grazilen Burgfräuleins» sorgen von der ersten Sekunde an für Lacher und beste Laune beim Publikum. Besucherinnen und Besucher, egal ob gross oder klein, einheimisch oder auswärtig, werden ihren Plausch daran haben. Es wird gespielt, getanzt und gesungen, man weiss kaum, wohin man blicken soll, um auch ja nichts zu verpassen. Gerade schleicht sich ein «Füürtüfel» an und mischt die Geschichtsstunde zusätzlich auf.
«Läufelfinge brennt (duure)» ist bekanntlich das Motto des Dorffestes. Das Thema «Feuer» hat Autor Danny Wehrmüller beim Drehbuchschreiben ebenfalls aufgenommen, und es kommt – neben der Figur des Feuerteufels – in jeder der fünf Szenen in irgendeiner Form, auch mal mehr symbolisch, vor.
«Läufelfinge brennt» heisst ebenfalls das von Wehrmüller getextete und komponierte und von Adrian Borer mit der Gitarre begleitete Lied, das am Anfang der ersten Szene seine Premiere feiert.
Fliegender (Kostüm-)Wechsel
Nach der «Schulstunde» geht es weiter zur zweiten Spielstätte. Während das Publikum gemütlich dorthin spazieren kann, müssen sich die Darstellerinnen und Darsteller beeilen, denn sie müssen sich auch noch gleichzeitig umziehen. An der nächsten Station geht es um die Industrialisierung und darum, wie sie das Dorf beinahe gespalten hätte. «Läufelfingen war erstaunlich früh kein reines Bauerndorf mehr», erklärt Danny Wehrmüller, «und das hat zu einem tiefen Zwist geführt.» Es sei sogar dazu gekommen, dass es zwei Männerchöre gegeben habe, einen Arbeitermännerchor und den bürgerlichen mit dem Namen «Frohsinn».
Ein weiterer Aspekt der Dorfgeschichte, dem ein gut zehnminütiges Intermezzo des Strassentheaters gewidmet ist, ist die Heimposamenterei. Und natürlich darf auch der Bau des Hauensteintunnels ab dem Jahr 1853 nicht fehlen, wobei sich die dargebotene Szene mit einem ganz speziellen Aspekt befasst, der so manchem und mancher noch nicht bekannt sein dürfte. Passend zum Thema «Feuer» hat es mit Wasser respektive dessen «Abgraben» zu tun. Und last but not least taucht die Schauspiel-Crew und mit ihr das Publikum an der letzten Station in den reichen Läufelfinger Sagenschatz ein.
Siebenmal auf Tour
bke. Die Schauspielerinnen und Schauspieler der «Bühne12» sind während des Dorffestes siebenmal unterwegs und machen jeweils an fünf Stationen Halt. Gestartet wird zu folgenden Zeiten immer an der Eptingerstrasse bei der Unterführung: Am Freitag um 18.30 Uhr; am Samstag um 11.00, 13.30, 16.00 sowie 18.30 Uhr und am Sonntag um 11.00 und 14.30 Uhr. Dauer inklusive Wege von Station zu Station rund 90 Minuten.

