Auf Fledermaussuche
24.07.2026 SissachAudiorekorder zeichnen Ultraschallrufe der Tiere auf
Häufig verrät nur die Aufnahme der Ultraschallrufe von Fledermäusen deren Anwesenheit. Im Rahmen der Aktion «Lebendige Nacht» wurden die Geräusche der heimlichen Flieger der Nacht im Ebenrain ...
Audiorekorder zeichnen Ultraschallrufe der Tiere auf
Häufig verrät nur die Aufnahme der Ultraschallrufe von Fledermäusen deren Anwesenheit. Im Rahmen der Aktion «Lebendige Nacht» wurden die Geräusche der heimlichen Flieger der Nacht im Ebenrain aufgenommen.
Barbara Saladin
Mops, Zwerg, Bechstein, Bart, Fransen, Wimpern, Wasser, Weissrand: Die Namen einheimischer Fledermausarten sind recht fantasievoll. 30 verschiedene leben in der Schweiz, womit die Ordnung der Fledertiere die artenreichste unter den Säugetieren hierzulande ist. Mehr als die Hälfte davon steht aber auf der Roten Liste der gefährdeten Arten, und sehr viele Menschen bekommen wohl kaum je eine Fledermaus zu Gesicht.
Zwei, die genau diesen heimlichen Nachtbewohnern auf der Spur sind, sind die Biologin Julia Felber, Leiterin des Projekts «Wilde Nachbarn beider Basel», und Miro van den Berg, Praktikant beim ausführenden Verein Stadtnatur. Vergangene Woche waren die beiden in Sissach unterwegs.
Im Ebenrain hängten sie an Zäunen und Bäumen unscheinbare kleine Kästchen auf – sowohl bei der Landwirtschaftlichen Schule als auch im Schlosspark: Audiorekorder, welche die nächtlichen Geräusche der Fledermäuse aufzeichnen können. Für eine Nacht hingen die winzigen Elektronikgeräte dort und nahmen von kurz vor Sonnenuntergang bis kurz nach Sonnenaufgang sämtliche Geräusche im Ultraschallbereich auf.
«Wilde Nachbarn beider Basel» läuft seit drei Jahren. Die letzte Leitart war der Igel, in diesem und dem nächsten Jahr liegt der Fokus auf den Fledermäusen. Bei dem Projekt geht es um mehr Biodiversität in den beiden Kantonen und vor allem auch um die Sensibilisierung der Bevölkerung für die Bedürfnisse der heimlichen Nachbarn. Fledermäuse etwa brauchen Dunkelkorridore, Jagdgebiete mit ausreichendem Nahrungsangebot sowie geeignete Quartiere. «Auch wenn das Verständnis für Fledermäuse steigt, nehmen die Probleme leider zu», sagt Julia Felber. Gerade bei jenen Arten, die in und an Gebäuden leben, existiert eine regelrechte Zwickmühle: Einerseits werden Häuser zum Sparen von Energie immer besser isoliert, andererseits nimmt genau das den Fledermäusen die Wohnmöglichkeiten weg. Ein Thema ist auch das Insektensterben, denn: ohne Insekten keine Fledermäuse.
Das Gebiet des Ebenrains mit seiner Vielfalt an Pflanzen und Strukturen sowie dem nahen Wald sei ein guter Ort für Fledermäuse, sind sich die beiden Biologen sicher. Beim Aufhängen der Audiorekorder ist es allerdings taghell und ziemlich heiss; von Fledermäusen selbstverständlich keine Spur. Umso gespannter sind Felber und van den Berg, welche Arten auf den Aufnahmen zu hören sein werden. «Zuerst werden die Geräusche von einem Computerprogramm analysiert und danach von einem Menschen genau bestimmt», erklärt Felber den Ablauf, «denn jede Fledermausart hat einen ganz eigenen Ruf, dessen visuelles Klangbild, das Spektrogramm, sich von den anderen Arten unterscheidet.»
Anmeldungen willkommen
Wer selber Interesse hat, einen Audiorekorder in seiner Nähe aufzuhängen und so die fürs menschliche Ohr nicht hörbaren Rufe der Fledermäuse aufzuzeichnen, kann sich beim Projekt beteiligen. «Dieses Jahr haben wir bereits 200 Standorte, verteilt über beide Basel», erklärt Miro van den Berg, und Julia Felber ergänzt: «Das Interesse ist riesig, wir sind sehr positiv überrascht.» Da die Aktion auch im nächsten Jahr laufen wird, sind Anmeldungen jederzeit sehr willkommen, so die Biologin.
Und welche Fledermausarten schwirren denn nun nachts um die Bäume im Ebenrain, wenn es nicht mehr hell und nicht mehr heiss ist? Das weiss man noch nicht. Die «Volksstimme» wird nach der Auswertung der Untersuchung im Herbst aber darüber berichten. Man darf also gespannt sein.
Ein Herz für wilde Nachbarn
bas. Die Aktion «Lebendige Nacht. Licht aus für unsere Wildtiere» ist ein Teil des Projekts «Wilde Nachbarn beider Basel» und erteilt unter anderem Tipps für die Hilfe von Fledermaus und Co. Denn vermehrte Lichtverschmutzung, das Verschwinden von geeigneten Quartieren und mangelndes Nahrungsangebot durch fehlende Biodiversität setzen den Fledermäusen und anderen Wildtieren sehr zu. «Wilde
Nachbarn beider Basel» betreibt unter anderem auch eine Online-Meldeplattform für Wildtierbeobachtungen und führt ebenso Exkursionen durch, zum Beispiel Nachtspaziergänge: «Dort kann man nicht nur auf Fledermäuse treffen, sondern auch auf andere Tiere, die im Dunkeln unterwegs sind, wie Nachtfalter oder Waldkauz», sagt Miro van den Berg vom ausführenden Verein Stadtnatur.



